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Dr. h.c. Franz (seit 1859 von) Liszt

* 22. Oktober 1811 in Raiding (Burgenland; damals Ungarn, seit 1919/21 Österreich)
† 31. Juli 1886 in Bayreuth

Repertoire

 

Portrait

Ungarischer Komponist, Pianist, Dirigent, Musiklehrer und Schriftsteller österreichischer Abstammung

 

Franz LisztFranz Liszt war das einzige Kind des aus Edelstal gebürtigen Adam Liszt (1776-1827) und seiner Frau Maria Anna (1788-1866), geborene Lager, aus Krems an der Donau. Der Vater, Schreiber, später Amtmann in Diensten des Fürsten Esterházy in Raiding, erkannte und förderte schon früh die musikalische Begabung seines Sohnes und erteilte ihm vom 6. Lebensjahr an den ersten Klavierunterricht. Nachdem ungarische Magnaten 1820 nach einem der ersten Konzerte von Liszt in Preßburg ein sechsjähriges Stipendium gewährt hatten, zog Adam Liszt 1822 mit seinem Sohn nach Wien, um ihm eine angemessene Ausbildung zu ermöglichen. In Wien wurde Liszt Schüler von Carl Czerny (Klavier) und Antonio Salieri (Musiktheorie).

 

1823 gab der Vater seine Stellung in Esterházyschen Diensten ganz auf und begab sich mit dem Sohn, der durch eine Reihe von Konzerten mittlerweile als Wunderkind bekannt geworden war, nach Paris, um ihn am Conservatoire seine Ausbildung fortsetzen zu lassen. Die Aufnahme in dieses berühmte Institut wurde Liszt jedoch durch dessen Direktor L. Cherubini verweigert. Liszt erhielt seither keinen Klavierunterricht mehr. Seine Studien in Musiktheorie setzte er privat bei Fernando Paër (seit 1823) und Antonin Reicha (seit 1826) fort. Nach Konzerten in Paris unternahm Adam Liszt mit dem Sohn Konzertreisen nach England (1824/25/27), durch Frankreich (1825/26) und in die Schweiz (1826/27). Sein Ruhm als virtuoser Pianist wuchs unaufhaltsam und er kam mit vielen berühmten Persönlichkeiten zusammen, u. a. mit Hector Berlioz und Frédéric François Chopin, über die er auch die Dichter Victor Hugo und Heinrich Heine kennen lernte, Niccolò Paganini und Richard Wagner.

 

Als der Vater 1827 starb, Liszt war gerade 16 Jahre alt, musste er selbst für sich und seine Mutter aufkommen. Die folgenden Jahre waren daher bestimmt durch zahlreiche Konzertreisen, oft auch in entlegene Orte. Liszt galt damals als Inbegriff des Virtuosen. In einem Wettstreit mit dem Pianisten Sigismund Thalberg erwies sich Liszt als der bessere Künstler. Daneben fand er aber immer wieder Zeit, sich die in der Jugend vernachlässigte Allgemeinbildung nachträglich anzueignen. In der Lektüre fand er viele Anregungen für seine Kompositionen, die, dem Stil der Zeit entsprechend, mehr vordergründige Virtuosität als geistige Tiefe aufwiesen, die aber bei späteren Umarbeitungen an musikalischer Substanz deutlich gewannen. Musiktitel jener Zeit waren etwa Études d'exécution transcendantes oder Harmonies poétiques et religieuses.

 

Im Jahr 1831 war Liszt von einem Auftritt Niccolò Paganinis derart angetan, dass er den Wunsch hegte, das gleiche „transzendentale“ Niveau der Technik für das Klavier zu erreichen, das Paganini auf der Violine beherrschte. Durch das Vorbild Paganinis steigerte er die Klaviertechnik ins Titanische, wodurch die Dynamik des heutigen Konzertflügels möglich wurde.

 

1833 lernte Liszt in Paris die Gräfin Marie d’Agoult (Pseudonym als Schriftstellerin: Daniel Stern) kennen. Mit ihr zusammen lebte er in der Zwischenzeit 1835-36 in Genf, wo er eine Klavierklasse am Konservatorium übernahm. Nachdem er öfter nach Paris zurückgekehrt war und sich in Nohant (bei George Sand) aufgehalten hatte, reiste er mit der Gräfin 1837 nach Italien. 1838 gab er in Wien eine Reihe von Wohltätigkeitskonzerten zugunsten der Opfer der Überschwemmungskatastrophe in Ungarn. Seine großen Konzertreisen, die er 1839 begann, führten ihn in den folgenden Jahren durch ganz Europa. Von Lissabon bis Petersburg, von Konstantinopel bis London wurde er als Virtuose gefeiert. Als reisender Konzertpianist stand Liszt nun auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Nun begann er, neben rein virtuoser Musik auch Transkriptionen anderer Werke in seine Programme aufzunehmen, etwa Sinfonien Ludwig van Beethovens oder Paraphrasen über Werke anderer Komponisten, wie etwa über Lieder Franz Schuberts. In das Jahr 1839 fällt die Wiederbegegnung mit seiner Heimat. Da sein Geburtsort damals zu Ungarn gehörte, feierte man ihn als ungarischen Musiker, obwohl Liszt kein einziges Wort Ungarisch verstand. Frucht dieser Reise war die Komposition der Ungarischen Rhapsodien.

 

In den Jahren 1839-1844 war Liszt wiederholt mit der Gräfin d’Agoult zusammengetroffen; 1844 erfolgte die endgültige Trennung. Aus der Verbindung waren drei Kinder hervorgegangen: Blandine (1835-1862), Cosima (1837-1930, seit 1857 mit Hans von Bülow verheiratet, seit 1870 mit Richard Wagner) und Daniel (1839-1859).

 

Auf seiner Virtuosenreise durch die Donauländer und die Ukraine begegnete Liszt 1847 in Kiew der kunstsinnigen Fürstin Caroline von Sayn-Wittgenstein (1819-87). Vor und nach den letzten öffentlichen Klavierkonzerten seiner Virtuosenjahre (1847) in Jelisawetgrad (heute Kirowograd) war er Gast der Fürstin auf ihrem Gut Woronince (1847).

 

Als Liszt 1848 das Amt als Hofkapellmeister des Großherzogs Karl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach übernahm, folgte ihm die Fürstin mit ihrer Tochter nach. Durch die Aufführung von Werken zeitgenössischer Komponisten (u. a. Hector Berlioz, Benvenuto Cellini, Robert Schumann, Manfred und Genoveva sowie Richard Wagner, Tannhäuser und Lohengrin) setzte er sich planmäßig für die Musik seiner Zeit ein. Binnen weniger Jahre wurde Weimar zu einem Zentrum der damaligen Avantgarde. Für den Komponisten Liszt bedeutete die Weimarer Schaffensphase (1848-1861) die Erfüllung von zum Teil lange gehegten Plänen. In Weimar entstanden die Neufassungen der großen Klaivermusikzyklen, die Sonate h-moll, die beiden Konzerte für Klavier und Orchester, die Missa solemnis und vor allem die 12 Symphonischen Dichtungen sowie die beiden großen Symphonien. In diesen meist einsätzigen Werken schuf Liszt die Voraussetzung für die Weiterentwicklung der sinfonischen Form im 20. Jahrhundert. In den Jahren 1854 bis 1856 entstanden auf dem Höhepunkt seines Schaffens die ersten 15 (von 20) Ungarische Rhapsodien (endgültige Fassung), die Faust-Sinfonie (1854, Uraufführung am 5. September 1857) und das Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur in der dritten Fassung. Nach einer Intrige um die von ihm geleitete Aufführung von Peter Cornelius' Barbier von Bagdad legte Liszt 1858 sein Kapellmeisteramt nieder.

 

1861 folgte Liszt der 1860 nach Rom gereisten Fürstin. Die geplante Trauung kam nicht zustande und beide ließen sich, künftig getrennt lebend, in Rom nieder. 1865 empfing Liszt die niederen Weihen eines Abbé. Die verstärkte Hinwendung zur Kirche entsprach aber sicher auch der inneren Disposition Liszts. Fast gleichzeitig erscheint auch im musikalischen Schaffen eine neue Phase, die gekennzeichnet ist von überwiegend religiösen oder durch die Religion inspirierten Werken. Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich seine großen Messen, ein Requiem (1869) und die Oratorien Christus und die Legende der Heiligen Elisabeth (1866).

 

Seit 1869 verbrachte er regelmäßig einen Teil des Jahres in Weimar. Nach seiner Erennung zum Königlich Ungarischen Hofrat (1871) lebte er abwechselnd in Rom, Weimar und Budapest. 1875 wurde er Präsident der neugegründeten Musikakademie in Budapest, die heute seinen Namen trägt. Im letzten Lebensjahrzehnt unternahm Liszt, Einladungen zu Aufführungen seiner Werke folgend, zahlreiche Reisen. Von seiner letzten großen Reise im Frühjahr 1886, die ihn u. a. über Lüttich und Paris nach England geführt hatte, kehrte er erschöpft zurück. Krank traf er im Juli in Bayreuth ein, um auf Bitten seiner Tochter Cosima den Festspielen beizuwohnen. Dort starb er und wurde in einem kleinen Mausoleum auf dem Bayreuther Stadtfriedhof beigesetzt.

 

Von den zahlreichen Ehrungen, die Liszt zuteil wurden, sind die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Königsberg (1842) und die Ernennung zum „Hofkapellmeister in außerordentlichen Diensten“ durch Großherzog Karl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach (1848) zu nennen. Im Oktober 1859 wurde Liszt auf eigenen Antrag in den österreichischen Ritterstand erhoben und durfte den Namen „Franz Ritter von Liszt“ führen.

 

Das Wirken Liszts ist bis heute weitgehend selektiv betrachtet worden, vor allem zum Virtuosen und zum Komponisten der Tondichtungen war ein emotionaler Zugang relativ leicht möglich. Das religiöse Schaffen wurde dagegen in der Würdigung Liszts meist ausgeklammert, es schien vielen Interpreten der Persönlichkeit diametral entgegengesetzt. Von Ausnahmen abgesehen wird erst seit wenigen Jahren der Versuch unternommen, auch diese Seite seines Wesens adäquat zu erfassen. Aber auch zahlreiche Klavierwerke sperren sich gegen eine allzu glatte Interpretation. Im wesentlichen war das Bild Liszts bestimmt durch das Virtuosentum, das ungarische Kolorit und die Gestalt des greisen Abbé, der in Weimar und Bayreuth von zahlreichen Bewunderern umgeben ist. Dieses durchaus verzerrte Bild hat auch in einige Romanbiographien Eingang gefunden. Man muss sich von solchen Überzeichnungen frei machen, um den Blick auf die eigentliche Persönlichkeit Liszts lenken zu können. Abgesehen von einigen frühen Kompositionen, in denen Liszt mit seinem Können kokettierte, fing er schon bald an, in seiner Musik Seelenstimmungen zu beschreiben. Da seine Konzerte vielfach auch Improvisationen waren, konnte er hier Ausdrucksmöglichkeiten ausprobieren, die dann später in seinen Kompositionen weiterentwickelt wurden. In seinem musikalischen Ausdruck näherte er sich dabei oft impressionistischer Farbgebung, die, vor allem im Spätwerk, direkt zu Debussy und anderen überleitet. Auch auf dem Gebiet der musikalischen Form muss Liszt als Wegbereiter der Moderne angesehen werden. Besonders die Klaviersonate h-moll und die Tondichtungen zeigen mit ihrer Einsätzigkeit und ihrer reichen Binnengliederung neue Möglichkeiten auf, die später von Richard Strauß oder Arnold Schönberg aufgegriffen worden sind. Einzig das kirchenmusikalische Schaffen Liszts scheint einen Endpunkt der Entwicklung zu markieren. Als Fortsetzung eines Haydn, Mozart oder Beethoven gedacht steht es im Gegensatz zu der Entwicklung der offiziellen Kirchenmusik, die im Cäcilianismus an früheren Zeiten anzuknüpfen suchte. Liszts Bemühen dagegen war darauf gerichtet, die Anregungen der sinfonischen Form auf die Kirchenmusik zu übertragen. Im Rückblick erst wird deutlich, wie sehr er bemüht war, von der Musik her dem religiösen Selbstverständnis seiner Zeit zu dienen.

 

Werke

Das Gesamtwerk Franz Liszts ist in seinem Umfang und der Vielfältigkeit immens und unvergleichlich. Bis heute ist keine Gesamtausgabe erschienen. Die sogenannte „Carl-Alexander-Ausgabe“ (sie wurde 1888 von der in Weimar gegründeten Franz-Liszt-Stiftung durch den Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach initiiert) umfasst 34 Bände, ist aber unvollständig. Ein systematisches Werkverzeichnis stellte der englische Musikwissenschaftler Humphrey Searle zusammen und kam auf 702 Titel (ohne die literarischen Werke):
123 Klavierwerke, 77 Lieder, 2 Symphonien, 65 geistliche, 28 weltliche Chor- und 10 Orgelwerke, darunter 5 Messen, 1 Requiem, 2 Oratorien, 1 Oper, 25 Orchesterwerke, 7 Werke für Klavier und Orchester, 9 Kammerkonzerte, 5 Melodramen, 335 Arrangements und Transkriptionen, 17 unvollendete Werke.

 

  • Missa Coronationalis - Ungarische Krönungsmesse, Searle 11 für 4 Solostimmen, gemischten Chor und Orchester (1867)
  • Oratorium „Die Legende von der heiligen Elisabeth“, Searle 2 für Soli (Sopran, Mezzosopran, Bariton und Bass), gemischten Chor und Orchester (1857-62)
  • Via Crucis - Die 14 Kreuzwegstationen für Chor und Soli, Searle 53, für Soli, Chor und Orgel (Klavier) (1878-79)

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 5, Verlag Herder Freiburg, 1992

Lexikon der klassischen Komponisten, Nikol Verlagsgesellschaft mbH Hamburg, 1996

Siegmar Hohl (Hrsg.): Musikführer. Oper, Operette, Musical, Ballett, Konzert, Orbis Verlag München, 1995

Hans-Josef Olszewsky: Franz Ritter von Liszt In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band V, BBKL Herzberg 1993, ISBN 978-3-88309-043-6, Spalten 127-134

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Liszt.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Franz Liszt

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 03.10.2017


 
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