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Reinhard Keiser

* 10. Januar 1674 in Teuchern
† 12. September 1739 in Hamburg

Repertoire

 

Portrait

Komponist und Opernproduzent, evangelischer Kirchenmusiker; Domkantor

 

Reinhard Keiser verbrachte seine Kindheit in Teuchern, wo er wahrscheinlich den Unterricht des 1676-1684 in Teuchern wirkenden Organisten Christian Schiefferdecker und seines Amtsnachfolgers Gottfried Weber genoß. 1685 ließ er sich mit 7-jähriger Alumnenverpflichtung an der Leipziger Thomasschule immatrikulieren, wo so namhafte Persönlichkeiten wie Johann Schelle (Thomaskantor 1677-1701) und Johann Kuhnau (Thomasorganist 1684-1701) für seine musikalische Ausbildung sorgten.

 

Wahrscheinlich 1693 debutierte er als Opernkomponist in Braunschweig mit Basilius in Arkadien. 1694 wurde er als Nachfolger J. S. Kussers (1660-1727) am Braunschweiger Hof zum Cammer-Componisten ernannt und ließ hier wie auch in Hamburg sehr erfolgreich seine ersten Opern inszenieren.

 

Von maßgeblicher Bedeutung wurde der Lebensabschnitt von 1697-1717, Reinhard Keiser wirkte als Hauptkomponist der renommierten Hamburger Oper am Gänsemarkt. Er schuf in dieser überaus produktiven Zeit bis zu vier Bühnenwerke im Jahr, von denen viele auf enorme Publikumsresonanz stießen.

 

Nach 1710 kam er in engeren Kontakt mit Johann Mattheson, mit dem er 1716 öffentliche Konzerte veranstaltete. In stärkerem Maße als früher wandte er sich jetzt der Kirchenmusik zu und komponierte auch zahlreiche weltliche Kantaten.

 

Ein Bankrott der Hamburger Oper im Jahre 1717 veranlasste Keiser, sich anderweitig nach einer Anstellung umzusehen. Doch alle Versuche schlugen fehl und er kehrte 1723 endgültig nach Hamburg zurück. Hier wirkte indessen mit sehr großem Erfolg Georg Philipp Telemann, so dass es für Keiser schwer wurde, erneut Fuß zu fassen.

 

Weihnachten 1728 wurde er als Nachfolger Matthesons zum „Canonicus minor und Cantor cathedralis“ am Hamburger Dom ernannt. Während seines letzten Lebensjahrzehnts widmete er sich in erster Linie der Kirchenmusik. Er verblieb bis zu seinem Tode in seiner Wahlheimat Hamburg.

 

Werke

Reinhard Keiser gilt als einer der bedeutendsten deutschen Opernkomponisten des Barock; er schrieb mehr als 70 Opern und auch eine stattliche Zahl geistlicher Werke wie Kantaten, Messen, Passionen, Oratorien, die größtenteils verschollen sind.

 

  • Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus, Passions-Oratorium (Brockes-Passion) (1712)
  • Dialogus von der Geburt Christi, Weihnachtsoratorium in drei Teilen
    (Erstaufführung Hamburg, 29. Dezember 1707)
    Besetzung: Soli (SATB), Chor (SSAATTBB) 3 Clarini, Pauken, 3 Oboen, 3 Fagotte, Streicher, Orgel und Cembalo
  • Passio secundum Marcum (Markuspassion)
    Authentizität zweifelhaft, wahrscheinlich von Friedrich Nicolaus Bruhns (1702)

    Die Markus-Passion, der Bach für seine Matthäus-Passion die Idee entnahm, die Jesus-Rezitative mit Streichern zu begleiten, passt nicht in Keisers Schaffen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Keiser der Komponist ist; aber „es fehlt an einem Nachweis, daß er mit dieser liturgischen Art der Passionsmusik im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts zu tun hatte.“ (Daniel R. Melamed / Reginald L. Sanders: Zum Text und Kontext der ‚Keiser‘-Markuspassion. In: Bach-Jahrbuch 85 (1999), S. 36). Das gedruckte Libretto der Markuspassion ist hinsichtlich der Autorschaft mehrdeutig und lässt offen, ob der Hamburger Dommusikdirektor Friedrich Nicolaus Bruhns 1707 lediglich eine Aufführung leitete oder aber als Komponist genannt wird.

 

Quellen und weiterführende Links:

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Keiser.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Reinhard Keiser

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 18.05.2017

 
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