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Dr. h.c. Johann Baptist Georg Hilber

* 2. Januar 1891 in Wil, St. Gallen
† 30. August 1973 in Luzern

Repertoire

  • Justus ut palma florebit - Offertorium am Fest des Hl. Johannes' des Täufers
    für Solo-Sopran und gemischten Chor
    (1963 unter Kantor Joseph Noël einstudiert; nicht mehr im aktuellen Repertoire)
  • Gott spiegelt seine Reinheit aus: Drei Mariengesänge
    für zwei Solo-Soprane und Chor
    (1956 unter Wolfgang Oehms einstudiert; nicht mehr im aktuellen Repertoire)

 

Portrait

Schweizerischer Konzertpianist, Komponist, Chorleiter; Musikdirektor

 

Johann Baptist Hilber Johann Baptist Georg Hilber wurde als als zweites Kind von fünf Kindern des Beamten und Amateursängers Johann Baptist Hilber (1860-1930) und Maria Juliana, geborene Hauser (1860-1918) geboren. Mit sieben Jahren erhielt er ersten Klavierunterricht bei Gallus Schenk und trat schon bald in der Öffentlichkeit auf. 1905 besuchte Hilber das Engelberger Gymnasium und verfasste dort seine ersten Klavierkompositionen. 1910 studierte er Musik am Konservatorium Zürich und ab 1911 an der Musikhochschule Köln und schloss dieses mit dem Diplom als Konzertpianist und Komponist ab.

 

1915 bis 1928 war Hilber Musikdirektor am Kollegium St. Fidelis in Stans, Kanton Nidwalden. In den 1920er Jahren wurde er Leiter des Städtischen Gemischten Chores und Direktor der Luzerner Kantonalen Gesangsvereine, 1928 Chordirektor an der Pfarrei St. Paul in Luzern und übernahm 1934 das Amt des Stiftskapppellmeisters zu St. Leodegar.

 

In den 1930er Jahren wirkte er als Mitredakteur musikalischer Zeitschriften, u. a. von 1932 bis 1947 bei der schweizerischen Fachzeitschrift für katholische Kirchenmusik Der Chorwächter. 1942 übernahm Hilber als einer der Mitbegründer die Leitung der Abteilung für katholische Kirchenmusik am Konservatorium Luzern, welche 1952 zur selbstständigen, bischöflich und staatlich anerkannten Schweizerischen Kirchenmusikschule Luzern wurde und die er bis 1967 leitete. 1957 wurde er Mitglied des Musikrates des Allgemeinen Cäcilienvereins, 1966 trat er als Kantonaldirektor der Luzerner Gesangsvereine zurück.

 

Hilber war Träger zahlreicher Ehrentitel und Preise. Die Universität Freiburg verlieh ihm 1950 den Titel des Dr. h.c., im selben Jahr erhielt er auch den Päpstlichen Orden Sancti Sylvestri. Der Träger des Kunstpreises der Stadt Luzern (1956) sowie des Kulturpreises der Innerschweizer Kulturstiftung (1967) ist auch Ehrenbürger von Stadt und Kanton Luzern (1961).

 

1943 erlitt Hilber einen ersten Nervenzusammenbruch, sein rechter Arm war fortan gelähmt. 1958 folgte eine zweite schwere Nervenentzündung, 1962 lautete die ärztliche Diagnose Krebs; 1964 erlitt er einen ersten, 1965 den zweiten Schlaganfall. Hilber verstarb im Alter von 82 Jahren am 30. August 1973 mittags an Herzversagen. Am 3. September 1973 wurde er in den Gräberhallen der katholischen Kirche St. Leodegar im Hof (Hofkirche), Luzern beigesetzt.

 

Johann Baptist Hilber schrieb 1963, kurz nach seinem letzten Dirigat und nach Vollendung seiner letzten Komposition, der Missa „Vox clamantis in deserto“

»Um ein Leben zu beschreiben, muss man es gelebt haben. Das heisst nicht, dass man gestorben sein muss, sondern dass man erfüllt sein muss von dem, was das Leben brachte und wie man es gestaltete und wie man damit fertig geworden ist. Mein Ohrenleiden war, wie ich heute weiss, schrecklich. Aber das Leben und sein Imperativ waren stärker als das Leiden. Und ich weiss heute, dass ich meinem Leiden erlegen wäre, wenn ich in meinen Arbeitsjahren gewusst hätte, was ich heute weiss. Ich hörte nur die Hälfte der Musik: es fehlte das Oben und das Unten. Aber meine mithörende, mitwissende und mitgestaltende Fantasie vervollständigte mir das Gehörte, so gut es eben ging. Jetzt hat der Gehördefekt über diese ‘Hilfe der Fantasie’ gesiegt, die Musik ist mir zum größten Teil verloren. Und dabei stand mein ganzes bisheriges Leben im Zeichen dieses Klangwunders, das wir Musik nennen. Ich bin Musiker gewesen mit jedem Nerv, mit jedem Blutstropfen, mit jener Selbstverständlichkeit mit der man Musiker ist, wenn man als Musiker geboren worden ist.«

 

Zu seinem Wirken: »Er leistete wertvolle Aufbauarbeit als Musikpädagoge in der Förderung des Nachwuchses und Betreuung zahlreicher Chor- und Instrumentalvereinigungen, setzte sich als bewusster Musiker wissenschaftlich und publizistisch für die Belange der Musik ein und hinterliess in seinen Kompositionen ein eindrückliches Zeugnis schweizerischer Musikkultur, das über die Landesgrenzen hinaus nachhaltige Beachtung gefunden hat« (Schweizer Bundespräsident Flavio Cotti, 1991).

 

Werke

Hilbers kompositorisches Schaffen besteht u. a. aus liturgisch-gebundenen Vokalwerken (Messen, Offertorien, Hymnen), weltlichen Stücken (Bühnenmusik, Kompositionen für Männerchöre und gemischte Chöre) und Instrumentalwerken für verschiedene Besetzungen (Kammermusik, Klaviermusik).

Seine zahlreichen kirchenmusikalischen Kompositionen gelten sicher als wichtigster und bedeutendster Teil seines Werkes. Von der Harmonik her betrachtet wirkt diese Musik schlicht und unkompliziert. Geprägt wird sie aber von einer tiefen, wahren Religiosität seitens des Komponisten, der sein Glaubensbekenntnis durch die Noten erklingen lässt. Dadurch verfügt diese Art Kirchenmusik über eine Schlichtheit, die in einer umso größeren Ausdruckskraft zur Geltung kommt. Die hauptsächlichen Stilquellen seiner Musica sacra sind die Gregorianik sowie das Kirchenlied. Als Besonderheit in Johann Baptist Hilbers kirchenmusikalischem Schaffen gelten die sogenannten Anschlussoffertorien. Diese sind eine von Hilber selbst entwickelte Form, die den Gregorianischen Choral in eine thematisch verwandte Motette ausklingen lässt. Die führende Stellung Hilbers in der Schweiz auf dem Gebiet der Kirchenmusik gründet auf dem persönlichen Element seiner Sakralmusik. Nicht zuletzt erlebt das Werk Hilbers dank der Beliebtheit, die durch die vielen Aufführungen durch Kirchenchöre verdeutlicht wird, eine derartige Verbreitung und damit die nötige Lebendigkeit, um in der Zukunft bestehen zu können.

 

Hilber erhielt mehrere weltliche und kirchenmusikalische Kompositionsaufträge: So verfasste er u. a. 1939 die Festspielmusik zum Eidgenössischen Schützenfest und 1946 die Musik zum Film Vierwaldstättersee-Urschweizersee.

 

Quellen und weiterführende Links:

 

  • Messe zu Ehren des Hl. Leodegar
  • Messe in d-Moll Pankratiusmesse für Chor (SATB) und Orchester (1922)
  • Messe zu Ehren des Heiligen Nikolaus von Flüh für Soli, gemischten Chor, 13 Blechbläser und Orgel (1947)
  • Messe zu Ehren des Heiligen Franz von Assisi für gemischten Chor und Orgel (1950)
    Das grosse Mysterium (Musik zu Calderons "Geheimnis der hl. Messe")
  • Sanctivicavit Moyses - Offertorium für den XVIII. Sonntag nach Pfingsten
    für gemischten Chor und Orgel (1933)
  • Diffusa est gratia - Offertorium für Darstellung des Herrn
    für 1 Ober- und 1 Unterstimme und Orgel (1942)
  • Justus ut palma florebit - Offertorium am Feste des Hl. Johannes des Täufers
    für Solo-Sopran und gemischten Chor a cappella (1949)
  • Justorum animae - Offertorium für Allerheiligen
    für gemischten Chor und Orgel (1953)
  • Terra tremuit - Offertorium für das hl. Osterfest
    für gemischten Chor und Orgel (1958)
  • Ad Te Domine Levavi - Offertorium zum 1. Sonntag im Advent
    für Vorsänger und gemischten Chor a cappella
  • Drei Mariengesänge nach Worten von Julius Langbehn (1851-1907)
    für vier bis siebenstimmigen Chor a cappella (1932-1934)
    Nr. 1 Invocation (Gesegnet seist du, reinste Schale)
    Nr. 2 Versikel (Gott spiegelt seine Reinheit)
    Nr. 3 Hymnus (Rein und reif, das ist Maria)
  • Adoramus für gemischten Chor a cappella
  • Ave Maria für gemischten Chor a cappella (1953)
  • Gesänge zur Fußwaschung
  • Stella maris für gemischten Chor und Orgel (1920)
  • Tantum ergo für gemischten Chor und Orgel
  • Veni creator Spiritus für gemischten Chor a cappella
  • Veni Sancte Spiritus
  • Weltnot und Erlösung Kantate zum 300-jährigen Bestehen der Hofkirche (1944)

 

 

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http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Hilber.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Johann Baptist Hilber

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 04.10.2017

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