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Johann Michael Haydn

* 13.(?), getauft 14. September 1737 in Rohrau (Niederösterreich)
† 10. August 1806 in Salzburg

Repertoire

 

Portrait

Österreichischer Komponist, Organist

 

Michael HaydnJohann Michael Haydn war - wie sein fünf Jahre älterer Bruder Joseph Haydn - von 1745 bis 1755 Sängerknabe respektive Solosopranist am Dom St. Stephan in Wien, wo er auch Violine, Klavier und Orgel lernte. Wie sein Bruder Joseph studierte er bei Georg Reutter d. J., Kapellmeister an St. Stephan, die Grundlagen der Komposition anhand des damals berühmtesten Lehrbuches: der auf dem Palestrina-Stil aufbauenden Kontrapunktlehre Gradus ad Parnassum (1725) von Johann Joseph Fux. Diese fundierte kontrapunktische Ausbildung hat Johann Michael Haydns kirchenmusikalischen Stil wesentlich mitbestimmt.

 

Nach Abschluss seiner Ausbildung wurde Johann Michael Haydn 1757 Konzertmeister (?), im März 1760 bischöflicher Kapellmeister in Großwardein (Oradea/Ungarn) und im August 1763 schließlich Hofkonzertmeister in Salzburg. In dieser Funktion schrieb Michael Haydn Sinfonien, Konzerte und Kammermusik für den Salzburger Fürstenhof und musikdramatische Werke für die beiden Bühnen des Universitätstheaters.

 

Von Erzbischof Sigismund von Schrattenbach nach Salzburg geholt, wurde er am 14. August 1763 als „Hofmusicus und Concertmeister“ in der fürsterzbischöflichen Hofkapelle in Salzburg angestellt. Haydn wurde 1773 erster Konzertmeister, 1777 als Nachfolger von Hoforganist Cajetan Adlgasser Organist an der Dreifaltigkeitskirche und folgte 1782 Wolfgang Amadeus Mozart als Hof- und Domorganist und übernahm den Klavierunterricht am Kappelhaus, während er als Konzertmeister entlastet wurde. In Salzburg wirkte Michael Haydn 43 Jahre lang. In dieser Zeit schrieb er 360 sakrale und weltliche Kompositionen, vor allem Instrumentalmusik.

 

Seine Symphonien sowie die Serenaden, Divertimenti und Notturni haben in vielen Einzelzügen das Instrumentalschaffen W. A. Mozarts, der Haydn auch persönlich freundschaftlich verbunden war, stark beeinflusst. Wegbereiter war Haydn auch für Mozarts Kirchenmusik bis hin zum Requiem, hier vor allem im kontrakpunktischen „gebundenen“ Stil.

 

Haydn war ein wichtiger Wegbereiter der geistlichen Musik. Bekannt sind seine geistlichen Chorwerke, darunter die Missa Hispanica (für die er 1804 in Stockholm sein Diplom erhielt), ein Lauda Sion und eine Reihe von Gradualien, von denen 42 in Anton Diabellis Ecclesiasticon gedruckt wurden. Außerdem gilt Michael Haydn als maßgeblicher Begründer des Männerchores und des vierstimmigen Gesanges. Er war auch ein fruchtbarer Komponist weltlicher Musik. Unter anderem schuf er 46 Sinfonien, einige Instrumentalkonzerte und Kammermusik, darunter ein Streichquartett in C-Dur, das früher seinem Bruder Joseph zugeschrieben worden war. Wie Mozart starb Haydn, ohne seine letzte Vertonung des Requiems vollenden zu können.

 

Johann Michael Haydn starb am 10. August 1806 in Salzburg an den Folgen zweier schwerer Unfälle. Drei Tage später wurde er in der Kommune-Gruft auf dem Friedhof St. Peter in Salzburg beigesetzt.

 

Werke

Michael Haydn komponierte u. a. 46 Sinfonien, Serenaden, Märsche, Streichquartette, Konzerte; 32 lateinische Messen, 8 deutsche Messen (Deutsche Hochämter), 2 Requien, 6 Te Deum, 117 Gradualien, 45 Offertorien, 27 Responsorien für die Karwoche, 11 Salve Regina, 3 Tenebrae; zahlreiche Gesänge und Lieder für 3-4 Männerstimmen a cappella mit deutschem und italienischen Text, Kantaten und Oratorien sowie Opern, u. a. Andromeda e Perseo (1787).

 

Sein vor allem in katholischen Messen häufig gesungenes Werk ist das Deutsche Hochamt („Hier liegt vor Deiner Majestät“), das neben der durch Haydns Vorbild beeinflussten Deutschen Messe von Franz Schubert zu den wenigen kirchlichen Volksgesängen der Klassik gehört. 

 

  • Missa Beatissimae Virginis Mariae MH 15 (1758 -1760)
    für Soli SATB, Chor (SATB), 2 Tr, 2 Trb, Timp, 2 Vl, Bc
  • Missa Sancti Joannis Nepomuceni MH 182 (1772)
    für Chor SATB, 2 Ob, 2 Ctr, 2 Tr, Timp, 2 Vl, Bc
  • Missa Sancti Hieronymi (Oboenmesse) MH 254 (1777)
    für Soli SATB, Chor (SATB), 4 (2) Ob, 2 Fg, 3 Trb, Bc
  • Missa in honorem Sancti Dominici MH 419 mh (1786)
    für Soli SATB, Chor (SATB), 2 Vl, 2 Ob, 2 Tr, Timp, Bc
  • Missa Hispanica (Missa a due cori) MH 422
  • Missa in honorem Sanctae Ursulae (Chiemsee-Messe) MH 546 (1793)
    für Soli SATB, Chor (SATB), 2 Ctr, Timp, 2 Vl, Bc
  • Missa sub titulo Sanctae Theresiae (Theresienmesse) MH 797 (1801)
    für Soli SATB, Chor (SATB), 2 Ob, 2 Tr, Timp, 2 Vl, Va, Bc
  • Missa sub titulo Sancti Francisci Seraphici (Franziskus-Messe) MH 826 (1803)
    für Soli SATB, Chor (SATB), 2 Ob, 2 Tr, Timp, 2 Vl, Va, Vc, Bc
  • Missa sub titulo Sancti Leopoldi pro festo Innocentium (Leopoldi-Messe) MH 837 (1805)
    für Soli SSA, Chor (SSA), 2 Vl, Bc
  • Missa pro defunctis, Requiem in B, MH 838 (1805-06 unvollendet)
    für Soli SATB, Chor (SATB), 2 Ob, 2 Fg, 2 Cor, 2 Ctr, Timp, 3 Trb, 2 Vl, Va, Bc

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 4, Verlag Herder Freiburg, 1992

Friedrich Wilhelm Bautz: (Johann) Michael Haydn In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band II, BBKL Hamm 1990, ISBN 978-3-88309-032-0, Spalten 615-616

 

 

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http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/HaydnMichael.html

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Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 18.05.2017


 
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