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Andreas Hammerschmidt

* 1611 oder 1612 in Brüx, Böhmen

† 29. Oktober (8.11. nach dem gregorianischen Kalender) 1675 in Zittau

Repertoire

 

Portrait

Komponist und Organist

 

Andreas HammerschmidtAndreas Hammerschmidt, aus sächsischer und lutheranischer Abstammung, wurde 1611 oder 1612 im böhmischen Brix als Sohn eines Sattlers geboren. Über seine Jugend und musikalische Ausbildung ist nichts überliefert. Es wird vermutet, dass er sie von Balthasar Springer (1608-1654 Domorganist in Freiberg), Christoph Demantius (Domkantor in Freiberg), Christoph Schreiber (Organist der Petrikirche) oder Stephan Otto (1603-1656, Kantor in Schandau) bekam. 1626 zog die Familie nach Freiberg/Sachsen.

 

Von 1633 bis 1634 hatte Hammerschmidt seine erste Stelle als Organist auf Schloss Weesenstein bei Graf Rudolf von Bünau inne. Ab Juli trat er die Nachfolge von Christoph Schreiber als Organist an St. Petri in Freiberg an. Nach Schreibers Tod wurde Hammerschmidt 1639 ein weiteres Mal sein Nachfolger an St. Johannis in Zittau, wo er sich bis an sein Lebensende niederließ. In der damals reichen Stadt Zittau waren neben den Bürgermeistern der Gymnasiallehrer und Kantor Simon Crusius (1607-1678), der Rektor des Johanneum Christian Keimann (1607-1662) und der Stadtpfeifer Florian Ritter seine Kollegen. Vertonungen der Lieder Keimanns und Beiträge zu dessen Schulbüchern und -spielen sowie jährliche Veröffentlichungen eigener Kompositionen mit Vorworten von Heinrich Schütz und Johann Rist verhalfen Hammerschmidt zu Ansehen und Wohlstand. Das Lied „Meinen Jesum laß ich nicht“ von Keimann in der Vertonung von Hammerschmidt ist noch heute in den lutherischen Gesangbüchern vorhanden. Im Jahr 1757 vernichtete der große Stadtbrand in Zittau die Quellen über Hammerschmidt.

 

Einzuordnen ist er in die Gruppe der evangelisch-lutherischen Kirchenkomponisten wie Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach. Durch die Umstände, die der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) mit sich brachte, handelte es sich bei seiner ersten bekannten Komposition um ein Dankgebet für den Sieg der Sachsen „Verleih uns Frieden“. Textlich schöpft Hammerschmidt vor allem aus der Bibel und dem Kirchenlied; doch bezieht er gerade in seine Evangelienvertonungen (Musicalische Gespräche von 1655-56) auch neugedichtete erbauliche und betrachtende Texte ein. Deutlich ist allenthalben Hammerschmidts Bemühen um Schlichtheit der musikalischen Satz- und Ausdruckskunst. Dies sicherte vielen seiner Werke eine überaus weite Verbreitung bis hin in kleinste Dorfkirchen und bis in die heutige kirchenmusikalische Praxis, brachte ihm andererseits aber bei manchen Zeitgenossen und in den unmittelbar folgenden Generationen gelegentlich auch den Vorwurf musikalischer Verflachung ein; verächtlich sprach man vom „Hammerschmiedischen Fuß“.

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 4, Verlag Herder Freiburg, 1992

Friedrich Wilhelm Bautz: Andreas Hammerschmidt In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band II, BBKL Hamm 1990, ISBN 978-3-88309-032-0, Spalten 509-510

 

Werke

Andreas Hammerschmidts kompositorisches Œuvre umfasst unter anderem Lieder, Kantaten, Motetten, Instrumental- wie auch Vokalkompositionen.

 

Die Musikalischen Andachten, ein sehr weitläufiges Hauptwerk Hammerschmidts, umfasst in fünf Teilen mehr als 150 Stücke verschiedenster Art. Der erste Teil (1639) enthält Gesänge hauptsächlich für zwei oder drei, einige für vier Solostimmen, sogenannte „Geistliche Konzerte“. Der zweite Teil, „Geistliche Madrigalien“ benannt (1641), ist für vier, fünf oder sechs Solostimmen geschrieben, die nach Belieben durch eine cappella, also einen Chor verstärkt werden können. Der dritte Teil, „geistliche Symphonien“ (1642) enthält Stücke für eine oder zwei Solostimmen mit Generalbass und zwei Violinen. Im vierten Teil, „Geistliche Moteten und Concerten“ (1646) hat Hammerschmidt solche Stücke zusammengetragen, die einen größeren Aufwand an Mitteln zur Ausführung beanspruchen. 5-12 Singstimmen, achtstimmige Doppelchöre, eine ganze Anzahl Stücke mit Geigen oder Trompeten. Der fünfte Teil (1653) ist betitelt mit „Chor Music / Mit V u. VI Stimmen“.

 

1649 veröffentlichte Hammerschmidt eine Sammlung unter dem Titel Motettae Unius et Duarum vocum.

 

  • Alleluja! Freuet euch, ihr Christen alle, Aria auf Weihnachten für Chor SSATB/TTB und Bc
  • Alleluja, merk auf, mein Herz aus: Musikalische Andachten, Teil II, Nr. 33 (1641) für Chor SSATBB
  • Also hat Gott die Welt geliebt für Chor SSATTB
  • Danket dem Herrn, denn er ist freundlich aus: Musikalische Andachten, Teil II, Nr. 31 (1641) für Chor SSATTB, Text: Ps 106
  • Freue dich, du Tochter Zion für Chor SATB, 2 Violinen und Bc, Text: Sach 9,9, Mt 21,9b
  • Jauchzet dem Herren, alle Welt für Chor SSATTB und BC ad lib., Text: Ps 100
  • Machet die Tore weit für Chor SSATBB, Text: Ps 24,7-10
  • Machet die Tore weit für Chor SATB
  • Meinen Jesum laß ich nicht aus: Fest- Buß- und Dancklieder (1658)
    für Soli, Chor SSATB, 2 Violen, Bc
  • Verleih uns Frieden gnädiglich (1662) für Chor SSATB, 3 Posaunen und Basso continuo
  • Wie lieblich sind deine Wohnungen für Chor SSATB und Orgel, Text: Ps 84, 2-3

 

Machet die Tore weit


Text von „Machet die Tore weit“ nach den Bibelworten:

 

 

Psalm 24, 7-10 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,
daß der König der Ehren einziehe.
Wer ist derselbige König der Ehren?
Es ist der Herr, stark und mächtig im Streit.
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!
Matthäus 21, 9 Hosianna dem Sohne Davids in der Höhe,
Jesaja 40, 5 denn die Herrlichkeit des Herrn wird offenbaret!

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Hammerschmidt.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Andreas Hammerschmidt

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 04.10.2017

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