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Prof. Dr. Dr. h.c. Joseph Haas

* 19. März 1879 in Maihingen bei Nördlingen
† 28. März 1960 in München

Repertoire

 

Portrait

Komponist und Musikpädagoge

 

Joseph HaasJoseph Haas wurde in Maihingen im schwäbischen Ries als drittes Kind des dortigen Lehrers geboren. Schon früh zeigte sich seine musikalische Begabung. Zunächst wurde er aber Lehrer und arbeitete von 1897 bis 1904 an der Lehrerbildungsanstalt in Lauingen an der Donau. Nach erfolgreicher Prüfung versuchte er seine musikalischen Studien zu vervollkommnen. Entscheidend war dabei die Begegnung mit Max Reger, dem er 1907 nach Leipzig folgte. Schon bald zeigten sich die ersten Erfolge als Komponist, die ihm 1911 die Berufung als Lehrer für Komposition am Konservatorium für Musik in Stuttgart (1916 Professor) und 1921 die Berufung an die Akademie der Tonkunst in München (heute: Hochschule für Musik und Theater München), von 1924 bis 1950 als ordentlicher Professor, brachten.

 

Im Jahre 1921 gründete Joseph Haas mit Paul Hindemith und Heinrich Burkard die „Donaueschinger internationalen Kammermusikfeste für Neue Musik“ und bewies damit seine Aufgeschlossenheit für alles Neue, obwohl er selbst stets tonal komponierte. Schon bald war er einer der gesuchtesten Kompositionslehrer in Deutschland. Zu seinen zahlreichen Schülern zählten Komponisten und Dirigenten wie Otto Jochum, Karl Gustav Fellerer, Eugen Jochum, Karl Forster, Karl Amadeus Hartmann, Karl Höller, Philipp Mohler, Hubert Brings, Cesar Bresgen, Ernst Kutzer, Rudolf Mors, Wolfgang Sawallisch und Hans Walter Kämpfel.

 

Joseph Haas war während der Zeit des Nationalsozialismus Angriffen als „Fortschrittsapostel“ (wegen seines Eintretens für die Neue Musik in Donaueschingen) oder wegen „Romhörigkeit“ (wegen seines praktizierten katholischen Glaubens) ausgesetzt. Die Übertragung des Wiederaufbaus der Hochschule für Musik München nach dem Zweiten Weltkrieg, deren Präsident er 1946 wurde, hinderte ihn selbst am Komponieren. Erst nach seiner Emeritierung 1950 entstanden noch mehrere teils abendfüllende Werke.

 

Als er am 30. März 1960 über der Reinschrift zur Hymne für den Eucharistischen Weltkongress in München starb, war er der geachtete Nestor der deutschen Komponisten. Er hatte viele Auszeichnungen erhalten, u. a. Ehrendoktor der Münchner Universität und des päpstlichen Instituts für Kirchenmusik in Rom, Ehrensenator der Musikhochschulen in Stuttgart, Dresden und Leipzig, Ehrenmitglied der GEMA und des Deutschen Komponistenverbandes.

 

Joseph Haas wurde auf dem Münchener Waldfriedhof beigesetzt.

 

Seit 1949 bemüht sich die Joseph-Haas-Gesellschaft um die Verbreitung seines Werkes. Dem Werk von Joseph Haas wird man nur gerecht, wenn man es an dem misst, was er selbst zur Sinngebung in der Musik gesagt hat: »Die Musik soll erfreuen, nicht beleidigen; sie soll erschüttern, nicht zerschmettern; sie soll veredeln, nicht banalisieren.«

 

Werke

Konsequent ging Joseph Haas in seinem Schaffen von der Kammermusik über Lieder und Chorwerke zu den großen Orchesterwerken, Oratorien und Opern.
Von den bedeutenden Werken seien die beiden Opern

  • Tobias Wunderlich op. 90
    (Uraufführung am 24.11.1937 im Staatstheater Kassel),
  • Die Hochzeit des Jobs op. 93, Komische Oper in vier Akten
    (Uraufführung am 02.07.1944 in der Sächsischen Staatsoper Dresden),

die Oratorien

  • Die heilige Elisabeth, Ein Volksoratorium, op. 84
    für Chor (SATB) mit Sopran solo und Orchester (Uraufführung am 11.11.1931 in Kassel),
  • Christnacht, Ein deutsches Weihnachtsliederspiel nach oberbayerischen und tiroler Weisen, op. 85
    für Chor (SATB) (Frauenchor, Kinderchor) mit Soli (SSATBarB) und kleines Orchester (Text: Wilhelm Dauffenbach) (1932),
  • Das Lebensbuch Gottes op. 87
    für Chor (SATB) oder Frauenchor (SMezA) mit Soli (SA) und Orgel (Klavier) oder kleinem Orchester (Text: Angelus Silesius)
    (Uraufführung am 06.11.1934 in Essen),
  • Das Jahr im Lied, Ein Volkslieder-Oratorium nach alten deutschen Weisen, op. 103
    für Chor (SATB), Soli (SATB), Sprecher und Orchester (Uraufführung am 23.04.1952 in Kassel),
  • Deutsche Weihnachtsmesse op. 105
    für gemischten Chor (unisono, Volksgesang) mit Orgel oder kleinem Orchester,
  • Die Seligen op. 106 (Uraufführung am 12.04.1957 in Kassel),

von den Liederzyklen

  • Unterwegs op. 65, Sieben Gedichte von Hermann Hesse,
  • Gesänge an Gott op. 68, Sechs Gedichte von Jakob Kneip,
  • Hymne Lob der Freundschaft, „Gleich und gleich gesellt sich gern” op. 109
    für gemischten Chor (SATB) und Kinder- oder Jugendchor mit kleinem Orchester (Text: P. Seifert)

von den Messen die

  • Eine deutsche Singmesse op. 60 nach Worten des Angelus Silesius für Chor (SATB) a cappella (1924),
  • Speyerer Domfestmesse, Liturgische Kantate, op. 80
    für Chor unisono (Volksgesang) mit Orgel oder Orchester oder Blasorchester (1930),
  • Christ-König-Messe op. 88 für Chor unisono (Volksgesang) mit Orgel oder Orchester oder Blasorchester
    (Limburger Domfestmesse zur Feier des 700-jährigen Jubiläums des St.-Georgs-Domes Limburg 1935 komponiert; Uraufführung am 11.08.1935 in Limburg/Lahn),
  • Münchner Liebfrauen-Messe op. 96
    für Chor unisono (Volksgesang) mit Orgel oder Orchester oder Blasorchester
    (Uraufführung 1946 in München),
  • Eine deutsche Weihnachtsmesse, op. 105 für einstimmigen Chor (Volksgesang) mit Orgel oder kleinem Orchester (1954)

sowie von den Kammermusikwerken

  • das Streichquartett A-Dur op. 50,
  • die Violinsonate h-Moll op. 21 und
  • die Klaviersonate a-Moll op. 46

genannt. 

 

Weitere Chorwerke:

  • Praeconium op. 113, „Heiß uns willkommen, schöne Stadt”, Festchor zum Eucharistischen Weltkongress 1960 in München
    für gemischten Doppelchor, Kinderchor und großes Blasorchester (Text: Gertrud von le Fort)
  • Hymne Ecce Sacerdos magnus op. 80 a für Chor unisono (Volksgesang) mit Orgel oder Blasorchester (Text: Wilhelm Dauffenbach) (1930)
  • Ich danke dir für deinen Tod
  • Kein Tod ist herrlicher
  • Te Deum op. 100 für Chor (SATB) mit Soli (SBar) und Orchester (1945) 

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 3, Verlag Herder Freiburg, 1992

 

 

Speyerer Domfestmesse, Liturgische Kantate, op. 80

 

Die Speyerer Domfestmesse entstand zum 900. Jahrestag der Weihe des Kaiserdomes zu Speyer. Die Komposition widmete Joseph Haas dem Diözesanbischof seines Halbbruders Alban Haas (katholischer Priester und Historiker), Dr. Ludwig Sebastian. Der Text stammt von Wilhelm Dauffenbach. Die Uraufführung fand am 13. Juli 1930 in Speyer statt.

 

Bis in die 1950er Jahre hinein gehörte diese Messe zum allgemeinen Liedgut in den Gemeinden des Bistums Speyer, geriet dann aber in Vergessenheit. Erst in neuerer Zeit wurde sie wieder als Einlage im Diözesananhang für das Bistum Speyer des katholischen deutschen Einheitsgesangbuches Gotteslob beigefügt.

 

Besetzung: Chor unisono (Volksgesang) mit Orgel oder Orchester oder Blasorchester

Aufführungsdauer: ca. 25 Minuten

 

Quellen und weiterführender Link:

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Speyer.
1975, 1989, Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart, Pilger-Druckerei GmbH, Speyer/Rh.

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Haas.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Joseph Haas

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 18.05.2017

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