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Alexander Tichonowitsch Gretchaninov
auch: Aleksandr/Alexandre Grechaninov/Gretchaninoff/Gretschaninow

* 13. Oktober 1864 in Moskau

†   4. Januar 1956 (nach anderen Quellen: 3. Januar 1956) in New York

Repertoire

  • Missa Festiva op. 154 für Chor und Orgel (2015 unter Vincent Heitzer teilweise einstudiert)

 

Portrait

Russischer Komponist, Dirigent

 

Alexander GretchaninovAlexander Gretchaninov machte seine ersten Begegnungen mit Musik in einem kirchlichen Laienchor. Ab 1881 studierte er - gegen den Willen seines Vaters, eines Kaufmanns - Klavier, Kontrapunkt, Harmonielehre und Fugenkomposition sowie Formenlehre am Moskauer Konservatorium u. a. bei Anton Arenski und Sergei Tanejew. 1890 wechselte er an das Sankt Petersburger Konservatorium, um dort bis 1893 Komposition bei Nikolai Rimski-Korsakow zu studieren. Nach ersten Erfolgen als Komponist erfolgte 1896 seine Rückkehr nach Moskau, wo er sich zunächst der Kirchenmusik, später der Bühnenmusik in Form einer Zusammenarbeit mit dem Moskauer Künstlertheater zuwandte. Bis zur Oktoberrevolution unterrichtete Gretchaninov (u. a. am Gnesin-Institut), schrieb für Zeitschriften und wirkte als Dirigent. Herausgehoben werden müssen seine pädagogischen Tätigkeiten (u. a. als Leiter von Kinderchören). Nach der Oktoberrevolution, die das Ende einer ursprünglich lebenslangen Pension bedeutete, die er vom Zaren für seine Liturgie Johannes Chrysostomos Nr. 2 erhalten hatte, war Gretchaninov verstärkt in öffentlichen Funktionen tätig.

 

1925 zog er nach Paris, ohne jedoch mit der Sowjetmacht zu brechen. Er unternahm nun häufiger Konzertreisen, bevor er sich 1939 auf Grund der bedrohlichen politischen Situation entschloss, in die USA auszuwandern. Von 1940 an wohnte er in New York (zuvor in Detroit). Während des Zweiten Weltkrieges schrieb er mehrfach Kompositionen, die als Unterstützung für die Truppen der Roten Armee gedacht waren. 1946 erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Gretchaninov erhielt zeit seines Lebens zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

 

Gretchaninovs frühe Werke zeigen den Einfluss seines Lehrers Rimski-Korsakow. Später öffnete sich Gretchaninov westlichen Strömungen: zunächst - vor allem in seinen frühen Opern - nahm er Elemente Richard Wagners in seinen Stil auf, ab 1910 orientierte er sich besonders an der neueren französischen Musik. Ein Bezugspunkt blieb für ihn stets Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Insgesamt war er trotz eines deutlich „russischen“ Tonfalls vergleichsweise kosmopolitisch orientiert. Allerdings blieb er traditionsverbunden, sodass seine Werke eher konservativ klingen. Gretchaninovs geistliche Musik ist von den Bestrebungen einer Erneuerung durch Rückbesinnung auf die ältesten russischen Überlieferungen geprägt. Er gilt als Hauptvertreter dieser Bewegung, der sogenannten Moskauer Schule respektive Neuen Richtung. Häufig widmete sich Gretchaninov Werken für Kinder wie Klavierstücken für Kinder und Kinderopern.

 

Nach seinem Tode geriet der zu Lebzeiten hoch angesehene Gretchaninov schnell in Vergessenheit, während er in der Sowjetunion vor allem wegen seiner Emigration überwiegend ignoriert wurde. Allerdings finden seine geistlichen Werke im heutigen Russland zunehmend mehr Beachtung.

 

Werke

Zu Alexander Gretchaninovs Werken zählen: die Opern Dobrinja Nikititsch op. 22 (1895-1901), Soeur Béatrice op. 50 (1908-10), Schenitha, 3 Kinderopern, Messen, Violinkonzert op. 132 (1932), Violoncellokonzert a-Moll op. 8 (1895), Konzert für Flöte, Streichorchester und Harfe op. 159 (1938), 5 Symphonien, Orchesterwerke, Kammermusik, Klaviermusik besonders auch für Kinder, Lieder/Kinderlieder, u. a.:

  • Liturgie „Johannes Chrysostomos“ Nr. 1 op. 13 für Chor (SATB) a cappella (1897)
  • Liturgie „Johannes Chrysostomos“ Nr. 2 op. 29 (1902)
  • Passion Week op. 58 (1911)
  • Vesper-Liturgie, op. 59 (1912)
  • Kvalite Boga (Lobet Gott) op. 65 - Kantate für Tenor, Chor, Orchester und Orgel (1914, rev. 1931)
  • Liturgica Domestica op. 79 („Johannes Chrysostomos“ Nr. 3)
    in 2 Fassungen für Sopran/Tenor, Streichorchester, Harfe und Orgel (bzw. Chor) (1917)
  • Missa Oecumenica op. 142 für 4 Solostimmen, Chor, Orchester und Orgel (1936/39)
  • Missa Festiva op. 154 für Chor und Orgel (1937)
    Kyrie Kyrie Gloria Gloria Credo Credo Sanctus Sanctus Benedictus Benedictus Agnus Dei Agnus Dei

    Hörproben (Fragment): CD "Grechaninov: Symphony No. 4 Op. 102 · Cello Concerto Op. 8 · Missa Festiva Op. 154"| Russian State Symphonic Cappella · Ludmila Golub, Orgel · Leitung: Valeri Polyansky

  • Messe „Et in terra pax“ op. 166 für Chor und Orgel (1942)
  • Missa Sancti Spiritus op. 169 für Chor und Orgel (1943)
  • Liturgie „Johannes Chrysostomos“ Nr. 4 op. 177 (1943)
  • Zwei hebräische Psalmen op. 164 für Tenor, gemischten Chor und Orgel (1941)
  • Der Herr ist König op. 193 - Kantate für gemischten Chor und Orgel (1950)

 

Quellen und weiterführende Links:

Lexikon der klassischen Komponisten, Nikol Verlagsgesellschaft mbH Hamburg, 1996, S. 99

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Gretchaninov.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Alexander Gretchaninov

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 12.07.2017

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