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Charles François Gounod

* 17. Juni 1818 in in Saint-Cloud (Hauts-de-Seine)
† 18. Oktober 1893 in Saint-Cloud

Repertoire

 

Portrait

Französischer Komponist, Kirchenkapellmeister und Organist

 

Charles GounodCharles Gounod, Sohn eines Malers, erhielt bereits früh Musikunterricht von seiner Mutter, einer hervorragenden Pianistin. Später nahm er Privatunterricht bei Anton Reicha und trat 1835 in das Pariser Conservatoire ein. Dort studierte er Kontrapunkt bei Jacques Fromental Halévy, Komposition bei Jean-François Le Sueur und, nach dessen Tod, 1837, kurze Zeit auch bei Ferdinando Paër. 1839 erhielt er für seine Kantate Fernand den Prix de Rome.

 

Er reiste nach Italien und besuchte in Rom regelmäßig die Sixtinische Kapelle, wo er mit der Musik Palestrinas und Bachs vertraut wurde. Auf dem Gebiet der Oper wurden Jean-Baptiste Lully, Christoph Willibald Gluck, Wolfgang Amadeus Mozart, Gioachino Rossini und später Ludwig van Beethoven seine Vorbilder. Nicht ohne prägenden Einfluss blieb auch seine Freundschaft mit Felix Mendelssohn Bartholdy und dessen Schwester, der Pianistin Fanny Hensel.

 

1842 verließ er Rom Richtung Wien und gelangte 1843 über Berlin und Leipzig wieder nach Paris. Nach seiner Rückkehr wurde Gounod Kirchenkapellmeister und Organist in Paris. Von Oktober 1847 bis Februar 1848 lebte Gounod bei den Karmelitern in Paris und bereitete sich dort auf das Priesteramt vor. Er legte kein Gelübde ab, unterzeichnete aber seine Briefe gern mit „l'abbé Gounod“. Seine tiefe Religiosität fand in vielen kirchenmusikalischen Werken Ausdruck, wenn auch deren Erfolg insgesamt hinter dem seiner Bühnenwerke zurücksteht.

 

1852 heiratete er Anne Zimmermann, die Tochter eines Klavierprofessors am Conservatoire. Im selben Jahr wurde er Leiter des Orphéon de la Ville de Paris, des größten Männerchores der Stadt (bis 1860). Die Messe solennelle de Sainte Cécile brachte ihm 1855 endlich den Erfolg, der ihm mit den Opern Sapho (1851) und Ulysse (1852) noch versagt geblieben war. Weltruhm errang er schließlich 1859 mit der Oper Faust, die in Deutschland nach der eigentlichen Heldin des Stückes in Margarethe umbenannt wurde. Gounod wurde einer der angesehensten Vertreter der typisch französischen Opéra lyrique, obwohl die meisten seiner 12 Opern heute nicht mehr auf dem Spielplan stehen.

 

Aufgrund des deutsch-französischen Krieges 1870/71 übersiedelte Gounod 1870 nach London. Dort lebte er längere Zeit bei der Sängerin Weldon, die 1871 im Tavistock House eine Gesangschule gründete. Später rief sie den Londoner Gounod's Choir ins Leben, der regelmäßig Konzerte veranstaltete und aus dem später die Royal Choral Society hervorging.

 

Das Angebot, Nachfolger von Daniel-François-Esprit Auber (1782-1871) am Pariser Conservatoire zu werden, lehnte Gounod ab und blieb bis 1874 in London. Nach seiner Heimkehr wandte er sich endgültig der Komposition geistlicher Musik zu, ohne an frühere große Erfolge anzuknüpfen. Seine Oratorien machten ihn zu einem reichen Mann, doch ihr ans Sentimentale grenzender lyrischer Stil ließ sie schnell in Vergessenheit geraten. Sehr bekannt ist seine Méditation sur le 1er prélude de Bach, eine Melodie, die er 1852 auf das Präludium C-Dur des 1. Teils des Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach für Violine und Klavier schrieb und 1859 mit dem Text des Ave Maria unterlegte. Dieses Ave Maria von Bach/Gounod gilt weltweit als eines der populärsten Stücke der klassischen Musik überhaupt.

 

Gounod komponierte auch die Inno e Marcia Pontificale, die heutige Hymne des Vatikan.

 

Einem breiten Publikum bekannt ist auch die Titelmelodie der US-amerikanischen Fernsehserie Alfred Hitchcock präsent, die das Hauptthema aus Gounods Marche funèbre d'une marionnette „Trauermarsch einer Marionette“ zitiert.

 

Werke

Charles Gounod komponierte 12 Opern, Schauspielmusik, Oratorien und Kantaten, etwa 15 Messen und Requiem, Orchesterwerke, Kammermusik sowie zahlreiche weitere Chorwerke, Klavierlieder, Klavier- und andere Instrumentalstücke

 

  • Messe du Sacré-Cœur de Jésus (1876) für Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel
  • Troisième Messe solennelle de Pâques (No. 3) Es-Dur (1883)
  • Quatrième Messe solennelle Messe Chorale (No. 4) g-Moll (1888)
    avec Orgue d'Accompagnement et Grand Orgue sur l'intonation de la Liturgie Catholique
  • Messe funèbre, Requiem in F (1883) für Chor SSTB und Orgel
  • Messe brève no. 6 in G aux cathédrales (1890) für Chor SATB und Orgel
  • Messe de Saint Jean (1890) für 4 Stimmen mit Orgel

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 3, Verlag Herder Freiburg, 1992

Siegmar Hohl (Hrsg.): Musikführer. Oper, Operette, Musical, Ballett, Konzert, Orbis Verlag München, 1995

Lexikon der klassischen Komponisten, Nikol Verlagsgesellschaft mbH Hamburg, 1996

Hörproben (Fragment): CD Gounod Cäcilien-Messe · Georges Bizet Te Deum;
Münchner MotettenChor · Angela Maria Blasi, Sopran · Christian Elsner, Tenor · Dietrich Henschel, Bariton · Münchner Symphoniker · Jean-Claude Hartemann · Dirigent: Hans Rudolf Zöbeley

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Gounod.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Charles Gounod

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 12.07.2017


 
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