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Christoph Willibald Ritter von Gluck

* 2. Juli 1714 in Erasbach bei Berching (Oberpfalz)
† 15. November 1787 in Wien

 

Repertoire

  • Festgesang aus: Iphigénie en Aulide (1774)
    (~1964 unter Kantor Joseph Noël einstudiert; nicht mehr im aktuellen Repertoire)

 

Portrait

Komponist

 

Christoph Willibald GluckChristoph Willibald Gluck war der vermutlich älteste Sohn des Forstmeisters Alexander Gluck (1683-1743) und dessen Ehefrau Maria Walburga. Wohl um 1730 verließ er heimlich das Elternhaus in Eisenberg bei Komotau und machte sich auf den Weg nach Prag, den er sich u. a. durch das Musizieren auf der Maultrommel finanzierte, wo er sich an der Universität als Student der Logik und Mathematik einschrieb. Dauer und Abschluss seiner akademischen Ausbildung sind nicht bekannt.

 

Gegen Ende 1735 ging er nach Wien, wo er gelegentlich in der Kapelle des Fürsten Lobkowitz mitwirkte. 1736 folgte er dem Patrizier Antonio Maria Melzi nach Mailand und wurde dort Schüler Giovanni Battista Sammartinis. Fünf Jahre später, am 26. Dezember 1741 führte er in Mailand im Teatro Regio Ducal seine erste Oper, Artaserse, auf. Zwischen 1742 und 1745 schrieb er sieben weitere Opere serie für Mailand, Venedig, Crema und Turin. Vermutlich im Herbst 1745 folgte er einer Einladung nach London, wo er während der ersten Monate des Jahres 1746 mit zwei Gelegenheitsopern hervortrat, gemeinsam mit Georg Friedrich Händel ein Konzert veranstaltete und sich zweimal als Glasharmonika-Virtuose öffentlich hören ließ. Später wandte er sich nach Deutschland und schloß sich der Operntruppe Pietro Mingottis an, die Ende Juni 1747 auf Schloß Pillnitz bei Dresden Vorstellungen gab.

 

Am 14. Mai 1748 wurde das umgebaute Wiener Burgtheater mit Glucks Opera seria Semiramide riconosciuta wiedereröffnet. Vom Herbst 1748 bis zum Frühjahr 1749 war er in Hamburg und anschließend in Kopenhagen Kapellmeister der Gesellschaft Mingotti. Wohl im Herbst 1749 nahm er Beziehungen mit der Operngruppe Giovanni Battista Locatellis in Prag auf, die dort Anfang 1750 seine Opera seria Ezio spielte. Nach seiner Heirat mit Marianne Pergin (1732-1800) in Wien 1750 war Gluck um die Jahreswende 1751/52 vermutlich Kapellmeister der Gesellschaft Locatelli.

 

Im August 1752 reiste er nach Neapel, wo Anfang November die Uraufführung seiner Oper La Clemenza di Tito stattfand. Im Dezember 1752 ließ er sich endgültig in Wien nieder und wurde bald musikalischer Berater des Prinzen Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen und Konzertmeister in dessen Kapelle. Nach der Erennung des Grafen Giacomo Durazzo (1717-1794) zum Intendanten der Wiener Hoftheater im Juni 1754 und nach der Aufführung seines Einakters Le Cinesi (am 24.09.1754) in Schloßhof in Anwesenheit der kaiserlichen Familie wurde Gluck zur Komposition der „Theatral- und Akademiemusik“ an das Burgtheater verpflichtet.

 

Zwischen 1755 und 1765 komponierte er für höfische Anlässe mehrere kleinere italienische Opern sowie die Vollopern Il Re pastore (1756) und Telemaco (1765), für auswärtige Bühnen die Opern Antigono (UA Rom 1756), die ihm die Ernennung zum „Kreuzherren vom Goldenen Sporn“ eintrug, und Il Trionfo di Clelia (UA Bologna 1763). Im Zuge der Bemühungen Durazzos, die Pariser Vaudeville-Komödie nach Wien zu verpflanzen, trat Gluck zwischen 1758 und 1761 mit mehreren um „nouveaux airs“ bereicherte Bearbeitungen solcher Werke und drei Jahre später mit der eigenen Opéra-comique La Rencontre imprévue (07.01.1764) hervor.

 

Die Uraufführung der ersten französischen Oper im Reformstil Iphigénie en Aulide am 19. April 1774 an der Pariser Académie Royale de Musique wurde ein großer Publikumserfolg und machte Gluck auf einen Schlag in Paris bekannt. Mitte Oktober 1762 verließ Gluck Paris und kehrte über Zweibrücken, Mannheim und Schwetzingen nach Wien zurück, wo er am 18. Oktober von Kaiserin Maria Theresia zum „Hofcompositeur“ ernannt wurde. Am 13. Januar 1775 fand an der Pariser Académie Royale de Musique die Premiere der zweiten Fassung von Glucks Iphigénie en Aulide statt, die aufgrund der spontanen Huldigungen an die Königin Marie Antoinette während der Vorstellung Aufsehen erregte.

 

Während der Jahre 1776/77 erreichte der berühmte Streit zwischen den Pariser Anhängern Glucks (den sogenannten Gluckisten) und denen Niccolò Piccinnis (Piccinnisten) seinen Höhepunkt: Verägert darüber, dass auch Piccinni eine Oper zu komponieren begonnen hatte, an der er selbst arbeitete, brach Gluck die Komposition von Philippe Quinaults Roland ab. Anfang November 1778 brach Gluck zur fünften und letzten Reise nach Paris auf, wo im Mai des darauffolgenden Jahres die Aufführung der Oper Iphigénie en Tauride stattfand, die zu seinem größten Bühnenerfolg wurde. Während der Proben im Sommer 1779 zum Drame lyrique Ècho et Narcisse erlitt Gluck einen ersten, nach Wien zurückgekehrt einen zweiten Schlaganfall (Sommer 1781). Nach dem Mißerfolg auch der Umarbeitung von Ècho et Narcisse (1780 Paris) zog er sich von der Bühne endgültig zurück.

 

Am 14. und 15. November 1787 erlitt Gluck drei weitere Schlaganfälle und starb am 15. November in seinem Wiener Stadthaus in der Wiedener Hauptstraße 32. Die Beisetzung fand am 17. November auf dem Matzleinsdorfer Friedhof statt. Bei der Totenmesse wurde Glucks De profundis für gemischten Chor und Orchester unter der Leitung von Antonio Salieri aufgeführt. Am 28. September 1890 wurde der Leichnam Glucks in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 A, Nummer 49) umgebettet.

 

Werke

  • Oper Iphigénie en Aulide, Libretto von François-Louis Gand Le Bland Du Roullet
    (Uraufführung am 19. April 1774 unter der Leitung des Komponisten in Paris)
     
  • 8. Psalm „Domine Dominus noster“ (1753-1757) (verschollen)
  • 130. Psalm „De profundis“ für Chor und großes Orchester (1785-1787)

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 3, Verlag Herder Freiburg, 1992

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Gluck.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Christoph Willibald Gluck

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 12.07.2017

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