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Don Carlo Gesualdo, Principe di Venosa

* 8. März 1566 in Venosa
† 8. September 1613 in Neapel, nach anderen Quellen: Gesualdo, Provinz Avellino

Portrait

Italienischer Fürst und Komponist

 

Carlo GesualdoCarlo Gesualdo entstammte einer der ältesten und vornehmsten Familien Neapels. Er war der zweite Sohn von Don Fabrizio Gesualdo und Girolama Borromeo und Neffe des Erzbischofs von Neapel, Alfonso Gesualdo. Nach dem Tod seines älteren Bruders Luigi (1585) erbte er den Titel und dynastische Rechte und wurde regierender Fürst.

 

Gesualdo erhielt seine musikalische Ausbildung auf einer von seinem Vater gegründeten Akademie, der unter anderem die Komponisten Giovanni de Macque und Pomponio Nenna (angeblich sein Lehrer) angehörten.

 

1586 heiratete er seine Cousine Donna Maria d'Avalos, die er jedoch beim Ehebruch ertappte und 1590 mit ihrem Liebhaber, Fabrizio Carafa, dem Herzog von Andria, tötete oder töten ließ. Das Gericht legte den Fall zu den Akten, und Gesualdo ließ für alle Fälle ein Kloster mit Kapelle bauen. Immerhin hatte er gegen das fünfte Gebot verstoßen. Mit Hilfe seines erzbischöflichen Onkels konnte er 1594 mit Eleonora d'Este, der Tochter des Herzogs von Ferrara, eine zweite Ehe eingehen. Wahrscheinlich wurde Gesualdo auf einer Reise nach Ferrara einige Zeit in Florenz gefangengehalten, wo er vielleicht Beziehungen zur Camerata Fiorentina hatte.

 

Er war als Spieler der Erzlaute ebenso berühmt wie als Komponist. Gesualdo vertonte zahlreiche Texte seines Freundes Torquato Tasso. Ab 1594 entstand vermutlich ein Großteil seiner Kompositionen, besonders die ersten vier Madrigalbücher. Danach zog er sich erneut auf Schloss Gesualdo zurück. Nachdem 1600 das einzige Kind aus seiner zweiten Ehe gestorben war, verstärkten sich Gesualdos Depressionen, und er wandte sich der Komposition von geistlicher Musik zu. 1611 veröffentlichte er seine letzten Werke.

 

Zeitlich steht Gesualdo am Übergang der Renaissance zum Barock, wobei sein Stil stets der Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts verpflichtet bleibt.

 

Gesualdo ist der konsequente Vertreter des späten Madrigals, wie es von Nicola Vicentino propagiert worden war in der Absicht, das griechische, eine Diatonik, Chromatik und Enharmonik umfassende Tonsystem wieder zu beleben und dadurch - allerdings den eigentlichen Sachverhalt missverstehend - eine Reform des strengen Kontrapunkts mit seiner stereotypen Klauselbildung zu bewirken. Der Textgestalt und einer äußersten Textausdeutung sollte der Vorrang gegenüber den überkommenen Regeln des mehrstimmigen Satzes eingeräumt werden. Das Madrigal bot sich dabei als Versuchsfeld für das Neue an, der musikalische Satz ist mit tonmalerischen Passagen durchsetzt und mit Stellen starken Affektausdrucks, der auf kühnen harmonischen Wendungen beruht. Damit steht er in der Tradition anderer Madrigalisten wie Luca Marenzio und Claudio Monteverdi. Da jedoch Gesualdo in seinem Schaffen ausschließlich die A-cappella-Satzweise verwendete und er der Monodie und dem aufkommenden Generalbass reserviert gegenüberstand, blieb er ohne direkten Einfluss auf die Nachwelt.

 

Werke

Das kompositorische Schaffen Gesualdos umfasst eine Reihe von geistlichen Werken, darunter sechs Bücher mit Madrigalen für 5 Stimmen, Sacrae cantiones für 5 respektive 6-7 Stimmen sowie ein Buch Responsorien für die Karwoche für 6 Stimmen. Ein siebentes Madrigalbuch ist verschollen.

 

  • Madrigali libro primo für 5 Stimmen (Ferrara 1594)
  • Madrigali libro secundo für 5 Stimmen (Ferrara 1594)
  • Madrigali libro terzo für 5 Stimmen (Ferrara 1595)
  • Madrigali libro quarto für 5 Stimmen (Ferrara 1596) | Ecco, moriro dunque
  • Sacrarum cantionum liber primus, 21 Motetten für 5 Stimmen (Neapel 1603)
  • Sacrarum cantionum liber secundus, 20 Motetten für 6-7 Stimmen (Neapel 1603)
  • Madrigali libro quinto für 5 Stimmen (Ferrara 1611)
  • Madrigali libro sesto für 5 Stimmen (Ferrara 1611) | XVII. Moro, lasso, al mio duolo
  • Responsoria et alia ad Officium Hebdomadae Sanctae spectantia für 6 Stimmen (Neapel 1611)
  • Madrigali libro settimo (6-stimmig, verschollen) für 6 Stimmen (1626, verschollen)

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 3, Verlag Herder Freiburg, 1992

Martin Hoffmeister in: Siegmar Hohl (Hrsg.): Musikführer. Oper, Operette, Musical, Ballett, Konzert, Orbis Verlag München, 1995

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Gesualdo.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Carlo Gesualdo

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 12.07.2017

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