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Prof. Friedrich Wilhelm Troost

* 24. Februar 1910 in Trier
†   9. November 1986 in Limburg

Portrait

Chorleiter des Stifts-Chores von 1937 bis 1938

Domorganist in Limburg und Professor im Fachbereich Kirchenmusik an der MHS Frankfurt

 


Friedrich Troost wuchs in einem katholischen, der Musik aufgeschlossenen Elternhaus auf. Nach seiner musikalischen Grundausbildung - Klavierunterricht - nahm Troost als 15-Jähriger Klavier- und Orgelunterricht bei dem damaligen Trierer Domorganisten Ludwig Boslet (1860-1951), der Schüler von Josef Rheinberger war. Im Trierer Domchor, unter der Leitung von DKM Wilhelm Stockhausen, lernte er neben der altklassischen Vokalpolyphonie auch „Moderne“ wie Griesbacher, Stehle, Goller und von Wöss kennen. Nach dem Abitur studierte Troost Anfang der 1930er Jahre Kirchenmusik an der Musikhochschule Köln. Zu seinen Lehrern gehörten dort u. a. Domorganist Prof. Hans Bachem (Orgel), Prof. Philipp Jarnach (Komposition), Heinrich Lemacher (Tonsatz), Dominicus Johner (Gregorianik) und Hermann Abendroth (Dirigieren).

 

Friedrich Troost hatte sich bereits als langjähriger Assistent des Kölner Domorganisten Hans Bachem einen Namen gemacht. So gelang es ihm, nach seinem Examen 1936, eine der begehrtesten Kirchenmusikerstellen des Rheinlandes zu erhalten, nämlich die der Bonner Stiftskirche, wo er an der großen pneumatischen Klais-Orgel (III/55) seine Talente gut zur Geltung bringen konnte. Möglicherweise war er schon in seinem Orgelunterricht bei Ludwig Boslet auf diese Orgel aufmerksam gemacht worden, denn Boslet hatte die Orgel zusammen mit Stockhausen, Carl Cohen und August Wiltberger 1908 abgenommen und auch im Einweihungskonzert mitgewirkt. In Bonn erregte Friedrich Troost Aufmerksamkeit durch die Klarheit seines Spiels und die Durchsichtigkeit seiner Registrierungen.

Ab 1937 übernahm Troost auch das Amt des Chorleiters an der Stiftskirche in Bonn, das er zwei Jahre innehatte. Dort wurde der Limburger Domkapellmeister Msgr. Hans Papst (1889-1968) auf Troost aufmerksam und regte den 27-Jährigen dazu an, sich auf die freie Domorganistenstelle in Limburg zu bewerben. Diese Position hatte Troost von Januar 1939, mit einer durch den Zweiten Weltkrieg bedingten, mehr als fünf Jahre dauernden Unterbrechung, dann bis 1977 inne.

1950 wurde er zum Professor für Orgel an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main berufen und unterrichtete die Fächer Orgelliteraturspiel, Liturgisches Orgelspiel, Tonsatz/Harmonielehre und Orgelkunde. Nach dem Ausscheiden von Helmut Walcha im Jahre 1972 wurde die Kirchenmusikabteilung einige Jahre von Prof. Friedrich Troost geleitet.

Prof. Friedrich Troost schied am 1. Oktober 1977 aus dem Amt des Domorganisten aufgrund einer Meinungsverschiedenheit zwischen ihm als ausgewiesenen Orgelexperten und DKM Hans Bernhard aus, da das neue Instrument der Firma Klais, Bonn in der Limburger Stadtkirche nicht seinen Vorstellungen eines idealen Instrumentes entsprach.

 

Werke

Für den Gebrauch im Gottesdienst an der Limburger Domkirche schrieb Friedrich Troost zwei Vokalmessen, einige Motetten und Liedsätze, die allerdings nie publiziert wurden, sondern in Manuskripten oder auch Reinschriften vorliegen. Erst im Rahmen seiner Diplomarbeit hat der Leiter des Limburger Domchores, Domchordirektor Markus Melchiori, die Chorwerke übertragen und in einem Sammelband zusammen gestellt.

 

  • Missa choralis (1932/33) für 4-stimmigen gemischten Chor a cappella
  • Missa in h-Moll (1932/33) für 5 stimmigen gemischten Chor (SATBarB) a cappella

Motetten:

  • Super flumina babylonis (im Stil von Palestrina)
  • De profundis
  • Jesus dulcis memoria
  • Ave Maria
  • Dextera Domini (5-stimmig, SATBarB)
  • Tantum ergo (4-stimmig, SATB) (im Stil von Bruckner)
  • Tantum ergo (5-stimmig, SATBarB)

etliche Orgelsätze im Orgelbuch zum Gesangbuch des Bistums Limburg sowie mehrere Werke für Cembalo und Orgel

 

Quellen/Literatur:

Lutz, Walter, Zur Geschichte der Kirchenmusik am Dom zu Limburg, Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte, Nr. 27, Mainz 1988;- Melchiori, Markus, Die geistliche Chormusik von Friedrich Troost (1910-1986), Diplomarbeit im Studiengang „Kirchenmusik A“ im Fach Musikgeschichte, Okt. 2006;- Markus Melchiori, Domchordirektor und Domkapellmeister in Speyer; ImDienstederMusicaSacra14.pdf: herausgegeben vom Bistum Limburg, Referat Kirchenmusik
Wolfgang Nickel: Ein vielseitig begabter Domorganist - Friedrich Troost (1910 – 1986) zum 100. Geburtstag, KIRCHENMUSIK IM BISTUM LIMBURG Heft 1/2010, Auszug S. 29 ff, Referat Kirchenmusik im Bistum Limburg (Hrsgb.), DKMD Andreas Großmann V.i.S.d.P.
Markus Melchiori: Portrait Troost, Friedrich Wilhelm - Domorganist in Limburg und Professor im Fachbereich Kirchenmusik an der MHS Frankfurt -, IM DIENSTE DER MUSICA SACRA (Lexikon KMBL) - Portraits von KirchenMusikerinnen und Kirchenmusikern im und aus dem Bistum Limburg, Bernhard Hemmerle (Hrsgb.), Aktuelle Fassung: 22. Juli 2011, Auszug S. 44-45

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/interpreten/Troost.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 26.08.2013

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