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Werkbeschreibung | Franz Schubert

Messe Nr. 6 Es-Dur D 950

 

Die Es-Dur-Messe entstand im Juni und Juli des letzten Lebensjahres Schuberts 1828. Schubert schrieb das Werk für den Knaben- und Männerchor der Alservorstädter Pfarrkirche Maria Trost in Wien und für seinen Freund, den Chorleiter Michael Leitermeyer. Einen Kompositionsauftrag oder ein Honorar hatte er nicht erhalten. Wie viele andere seiner großen Spätwerke hat Schubert sie nie gehört. Schubert soll über das Werk gesagt haben, er habe »das Höchste in der Kunst« angestrebt.

 

Die Uraufführung fand am 4. Oktober 1829 in der Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit in Wien-Alsergrund statt, in der Schuberts Freund Michael Leitermayer Chorregent war. Das Urteil der zeitgenössischen Kritik ist ablehend. So blieb das Werk jahrzehntelang unbeachtet. Erst durch Johannes Brahms, der sich 1862 für eine Edition einsetzte, wurde der hohe musikalische Rang der Komposition offenbar, von der Schuberts Freunde sagten, sie sei sein Requiem.

 

Im Gegensatz zu den vier frühen Messen aus den Jahren 1814-1816 ist die Es-Dur-Messe nicht für den liturgischen Gebrauch bestimmt gewesen. Schon vom Umfang her sprengt sie den Rahmen eines Gottesdienstes; auch lassen die technischen Anforderungen an Stimmen und Instrumente erkennen, dass Schubert nicht an eine Aufführung durch Laien dachte, sondern den Weg zur Konzertmesse - hier speziell zur Chormesse - verfolgt.

 

Der meist vierstimmige Chor ist der Haupttextträger des Werkes. Vokalsolisten treten nur im „Et incarnatus est“ (Credo), Benedictus und „Dona nobis pacem“ (Agnus Dei) auf. In der Orchesterdisposition verzichtet Schubert auf Flöten und die sonst übliche Verwendung der begleitenden Orgel.

 

Die Es-Dur-Messe ist Schuberts längste und größte Messe, auch die Besetzung betreffend. So tritt zu den üblichen vier Vokalsolisten ein zweiter Tenor hinzu, außerdem verlangt Schubert 2 Hörner, 3 Trompeten sowie 3 Posaunen. Es wechseln während des gesamten Werkes immer wieder homophone mit polyphonen Abschnitten, oft gibt es Zwischenspiele und ein großes Gewicht liegt auf den Fugen im Gloria und im Credo.

 

Aufbau

Das Kyrie steht in Es-Dur und ist als ein ganzes, großes, dreiteiliges Stück komponiert. Im ersten Abschnitt herrschen sehr ruhige Bewegungen vor, die kürzeste Einheit sind Achtel, nur der Bass bringt eine interessante rhythmische Bewegungsfigur. Im zweiten Abschnitt ändert sich die Stimmung und auch die Bewegung, nun spielen die Streicher in Triolen und der melodische und gleichermaßen dynamische Höhepunkt wird erreicht, danach folgt die Reprise des ersten Abschnitts.

 

Das Gloria steht in B-Dur und ist ebenfalls dreiteilig, allerdings mit einem Taktwechsel vor dem „Domine Deus“, von 4/4 Allegro moderato e maestoso zu 3/4 Andante con moto. Der Chor beginnt a cappella und moduliert von B-Dur innerhalb von 3 Takten nach G-Dur und dann zur Dominante nach F-Dur. Dann beginnt ein polyphoner Abschnitt, ehe in Takt 20 wieder ein homophoner Satz auftritt, ohne Verwendung der Streicher. Dieses Prinzip behält Schubert für den ganzen ersten Abschnitt und auch für die Reprise desselben bei.

 

Sehr aufwühlend erscheint das „Domine Deus“ in g-moll. Es beginnt im Fortissimo mit Verwendung der Posaunen.

 

Die Reprise beginnt gleich dem ersten Abschnitt, nun zu den Worten „Quoniam tu solus sanctus“, und in Takt 260 beginnt im Moderato, Allabreve-Takt, die große Fuge zu den Worten „Cum sancto spiritu in Gloria Dei patris. Amen.“. Diese Fuge umfasst alleine 205 der insgesamt 464 Takte des ganzen Gloria und ist voll von reicher Chromatik.

 

Noch länger als das Gloria dauert das Credo, wieder ist der Satz dreiteilig, mit einem Taktwechsel von Moderato, Allabreve, zu Andante. Der Satz steht in Es-Dur und beginnt im Pianissimo mit einem Paukensolo. Wie im Gloria wechseln ständig polyphone und homophone Abschnitte.

 

Das „Et incarnatus est“ ist ein Terzett für zwei Tenöre und Sopran in neuem Tempo und neuer Tonart As-Dur und mündet in das „Crucifixus“, in dem wieder der Chor zum Einsatz kommt. Diese beiden Abschnitte werden wiederholt, was auch für Kritik sorgte, denn nach dem „Crucifixus“ hat das „Resurrexit“ zu folgen, so meinen Musikkritiker.

 

Mit dem „Et resurrexit“ beginnt dann allerdings die Reprise. Die Fuge auf den Text „Et vitam venturi saeculi“ dauert nun gar 224 Takte. Sie ist eine der längsten Fugen in der klassischen und romantischen Messkomposition.

 

Das Sanctus, Adagio, ist einer der interessantesten Schubertschen Sätze. Nicht als kolossalen Lobgesang Gottes, sondern als demütiges Gebet versteht Schubert den Text.
Der Satz beginnt mit einem Tremolo-Es der Streicher und bäumt sich dreimal vom Pianissimo zum Fortissimo auf, moduliert von Es-Dur über h-moll und g-moll nach es-moll und findet über ces-moll und F-Dur zur Dominante B-Dur. Danach beginnt ein Fugato zu den Worten „Pleni sunt coeli“, das Ganze wird mit anderen Harmonien nun wiederholt, ehe das Osanna einsetzt, eine kurze Fuge in Es-Dur.

 

In As-Dur steht das Benedictus, Andante, Allabreve. Hier haben wieder die Solisten ihren Auftritt. Der Satz klingt nicht, wie die meisten Vertonungen des Benedictus, lieblich und unbekümmert, es liegt etwas Warnendes darüber.

 

Als Grundlage für das Agnus Dei, Andante con moto, c-moll, diente das Lied „Der Doppelgänger“ aus dem „Schwanengesang“. Das bedrohliche Viertonmotiv wird immer wieder von irgendeiner Stimme intoniert, es ist der polyphonste aller Sätze dieser Messe und auch der mit der reichsten Orchestrierung.

 

Wie eine Erlösung aus der Düsternis des Satzes wirkt das anschließende „Dona nobis pacem“, Es-Dur, Andante, Allabreve. Die wellenden Streicherbewegungen und der homophone Satz wirken freudig erregt und gespannt. Nach einer kurzen Episode des Agnus Dei endet die Messe ruhig.

 

Besetzung:

Soli SATTB, Chor SSATTBB, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Kornette, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken und Streicher (2 Violinen, Viola, Violoncello, Contrabass)

 

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 50-56 Minuten

 

Notenmaterial und Übungsdateien

 

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Schubert_D950.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 10.09.2017


 
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