ERZBISTUM KÖLN  TagesLiturgie     

Werkbeschreibung | Josef Gabriel Rheinberger

Missa in A op. 126

 

Die Messe A-Dur für dreistimmigen Frauenchor, Orgel und kleines Orchester stammt aus dem Jahre 1881. Sie gehört zu Rheinbergers Arbeiten für die Allerheiligen-Hofkapelle. Ursprünglich war als Begleitinstrument des Werkes nur die Orgel vorgesehen. Das Autograph von Juni 1881 wird heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München aufbewahrt.

 

Trotz des auf Weihnachten bezogenen Titels „In nativitate Domini“ handelt es sich in diesem Fall aber nicht um eine Pastoralmesse jenen Typs, wie er sich seierzeit einer großen Beliebtheit erfreute; denn da das Werk nicht von vornherein als Komposition für das Weihnachtsfest konzipiert war, darf man auch keine „pastoralen“ Charakteristika wie Sicilianorhythmen, Bordunbässe und und Ähnliches erwarten.

 

Die lyrische, versöhnlich-milde Grundstimmung des ganzen Werkes tritt bereits im Kyrie deutlich hervor. Entgegen einer verbreiteten Gepflogenheit ist der Satz nicht drei-, sondern zweiteilig angelegt, wobei das relativ kurz abgehandelte Christe eleison den Schluß des ersten Formteils bildet. Zu den weiteren Stilmerkmalen Rheinbergers, die dann auch in den folgenden Sätzen dieser Messe anzutreffen sind, gehören ihre liedhaft weiche Melodik sowie eine Harmonik, die trotz einer Chromatik in Linie oder Zusammenklang und trotz zahlreiccher Septakkorde und interessanter Modulationen ohne jede Schärfe ist. Bei ausschließlich homophoner, teilweise etwas aufgelockerter Satztechnik kommen nennenswerte polyphone Partien in dem gesamten Werk nicht vor. Weiterhin fällt auf, dass es Rheinberger zwischen den verschiedenen Formteilen seiner Sätze nur selten zu wörtlichen Wiederholungen kommen läßt; statt dessen bevorzugt er es, das musikalische Material auch in reprisenartigen Partien auf immer neue Weise zu bearbeiten und zu variieren.

 

Nach der Vorschrift für liturgische Gebrauchsmessen hat Rheinberger die Intonationsworte von Gloria und Credo nicht mitvertont. Den Anfang des Gloria bilden mehrere mixturähnliche Sextakkordverschiebungen über Orgelpunkt, ehe ein Modulationsabschnitt beginnt, der bei den Erbarmensbitten im Zentrum dieses Satzes in weiter entfernte Tonarten führt. Wie üblich setzt dann an der Textstelle Quoniam tu solus Sanctus die Reprise ein.

 

Das Credo steht in F-Dur, wendet sich in seinem Mittelteil aber nach D-Dur. Die musikalische Behandlung des Et incarnatus ist durch die Unisono-Rezitation des Chores, umrankt durch moduliernde Orgel-Harmonien, von großer Eindringlichkeit. Mit dem Et resurrexit, genau genommen aber erst bei Et ascendit, greift der Komponist erneut auf den Satzanfang zurück.

 

Das Sanctus beginnt dann in gehimnisvoller Feierlichkeit und steigert sich bis zum, kräftigen Osanna, welches im Anschluß an das Benedictus wiederholt wird. Dieser in das Sanctus integrierte Mittelteil mit seinem sanft schwingenden 6/8-Rhythmus steht in Des-Dur; zusammen mit dem F-Dur aus dem Credo bildet diese Tonart einen mediantischen Gegenpol zur Haupttonart der Messe, A-Dur. Der geforderten Solobesetzung des Benedictus kann übrigens durch Solostimmen aus dem Chor oder durch eine kleinchorische Besetzung entsprochen werden.

 

Zu einem friedvoll-versöhnlichen Abschluß des Werkes führt das Agnus Dei, bei dem die dritte Anrufung des Gotteslammes in etwas gesteigertem Tempo (poco animato) vorzutragen ist (Empfehlung des Herausgebers).

 

Die Führung der Singstimmen ist allezeit kantabel und ohne extreme Höhen oder Tiefen. Außer in kurzen Vorspielen oder Überleitungen tritt die Orgel nie selbständig oder gar konzertant hervor. Vielmehr dient sie generell zur Stütze der Vokalstimmen, die in den Orgelbegleitsatz integriert sind und durch diesen nach unten hin zur Vier- oder Fünfstimmigkeit erfüllt werden.

 

Besetzung:

Chor (SSA), Flöten, 2 Violinen, Viola, Violoncello/Contrabass, Orgel

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

Wolfgang Hochstein: Vorwort zur Studienpartitur, Carus 50.126/07, Carus-Verlag, Stuttgart, 1992

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Rheinberger_Messe_op126.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 08.11.2015

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