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Werkbeschreibung | Giovanni Pierluigi da Palestrina

Missa Papae Marcelli

 

Die Missa Papae Marcelli gilt als eines der mythischen Meisterwerke der Musikgeschichte, deren Klarheit und Brillianz es Palestrina zu verdanken hat, dass die Anekdote erzählt wird, er sei zum Retter der gesamten katholischen Kirchenmusik avanciert.

 

Als das Tridentiner Konzil (1545–1563), das sich im Gegenzug der Reformationsbewegung auch mit grundlegenden Fragen der katholischen Kirchenmusik auseinandersetzte, gegen das „üble Durcheinander“ in der mehrstimmigen Musik und die Unverständlichkeit der Texte zu Felde zog und die Polyphonie aus der Liturgie verbannen wollte, komponierte Palestrina 1562 die Missa Papae Marcelli und überzeugte damit die Konzilsväter, dass der polyphone Stil weiterhin der katholischen Liturgie würdig sei. Die Kirche hatte den weltlichen Einfluss auf die sakrale Musik kritisiert und außerdem die künstlerische, aufwendig verzierte und unverständliche polyphone Vokalmusik abgelehnt. Papst Marcellus, der trotz sehr kurzer Dienstzeit (22 Tage) die Reform der Kirchenmusik in Bewegung gesetzt hatte, beklagte sich bei Palestrina über die komplizierten Rhythmen und die vielen Koloraturen, die das Verstehen des geistlichen Textes unmöglich machten. Es kam jedoch nie zum Verbot der Volkalpolyphonie in der sakralen Musik, doch die Kirche verlangte in Zukunft den Ausschluß von weltlichen Melodien, Textverständlichenkeit und Würde im Ausdruck. Die sieben Jahre nach Papst Marcellus' Tod komponierte Messe erfüllte diese Wünsche des Konzils.

 

Die Papst Marcellus dedizierte Messe, gedruckt im zweiten Messenbuch von 1567, gilt als ideale Verbindung von Polyphonie und Textverständlichkeit und ist heute Grundlage vieler kontrapunktischer Studien, wie z. B. Fux‘ „Gradus ad Parnassum“.

 

Die Missa Papae Marcelli wurde für sechstimmigen Chor komponiert, Cantus, Altus, Tenor und Bass, wobei der Tenor und der Bass geteilt sind. In der zweiten Fassung des Agnus Dei kommt es sogar zur Siebenstimmigkeit. Es herrscht hier, im Gegensatz zu anderen Werken Palestrinas, ein ausgewogener Wechsel zwischen homophonen und polyphonen Abschnitten.

 

Im durchweg polyphonen Kyrie (Sogetto), findet sich jedoch ein interessantes Motiv, welches sich auch in dem damals berühmten weltlichen Lied „L’homme armé“ findet. Gibt es hier also doch einen weltlichen Einfluss in sakraler Musik?

 

Gloria und Credo sind, aufgrund ihres umfangreichen Textes, einfacher gehalten. Durch viele Pausen wird der volle sechsstimmige Klang weitgehend vermieden und es gibt so gut wie keine rhythmischen Verschiebungen. Verziehrungen treten nur in Klauseln und nur in einzelnen Stimmen auf. Man vermutet, dass sich Palestrina hier von der Motette „Benedicta es“ von Josquin des Prés hat inspirieren lassen. Im „Qui sedes“ des Gloria finden sich die zwei Eröffnungstakte des „Christe“ der Motette.

 

Das Sanctus knüpft kompositorisch und motivisch an das Kyrie an, ist jedoch rhythmisch noch raffinierter gehalten. Das folgende Benedictus wird mit einer kleineren Besetzung vierstimmig vorgetragen.

 

Vom Agnus Dei liegen, wie schon erwähnt, zwei Fassungen vor. Die erste, sechstimmige Fassung bezieht sich wieder klar auf das Kyrie. Die zweite Fassung ist jedoch siebenstimmig und schwerer auf das Kyrie zu beziehen.

 

Besetzung:

Chor SATTBB

 

Notenmaterial

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Palestrina_MissaPapae.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 08.11.2015


 
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