ERZBISTUM KÖLN | TagesLiturgie     

Werkbeschreibung | Felix Mendelssohn Bartholdy

Lauda Sion op. 73, MWV A 24

 

In der offiziellen römischen Messliturgie gibt es seit dem Konzil von Trient (1545-1563) fünf Sequenzen:

  • Victimae Paschali Laudes: zu Ostern
  • Veni Sancte Spiritus: zu Pfingsten
  • Lauda Sion Salvatorem: an Fronleichnam
  • Dies irae: Totensequenz im Requiem (wird in der Liturgie nach dem neuen Messbuch nicht mehr verwendet, ist jedoch beim großen Requiem zu Allerseelen zugelassen)
  • Stabat Mater: am Gedenktag der Schmerzen Mariens (15. September), wurde 1727 wieder zur Messfeier zugelassen

Die Sequenz Lauda Sion wird in der Fronleichnamsmesse vor dem Evangelium gesungen und wurde vor Mendelssohn (1845/46) auch von Orlando di Lasso und Giovanni Pierluigi da Palestrina vertont.

Der Text, 1263/64 von Thomas von Aquin verfasst, stellt die auf dem Vierten Laterankonzil von 1215 festgeschriebene katholische Eucharistielehre in fasslicher und merkbarer Form dar.

 

Liedtext und Übersetzung (deutsch | Schott-Messbuch 1962)

1.

Lauda Sion Salvatorem,

Lauda ducem et pastorem

In hymnis et canticis.

Quantum potes, tantum aude,

Quia maior omni laude,

Nec laudare sufficis.

Deinen Heiland, Sion, preise,

lobe Ihn in Wort und Weise,

der dir Hirt und Führer ist.

Was du kannst, das sollst du wagen;

Ihm gebührend Lob zu sagen,

man vergebens sich vermißt.

2.

Laudis thema specialis

Panis vivus et vitalis

Hodie proponitur.

Quem in sacrae mensa coenae

Turbae fratrum duodenae

Datum non ambigitur.

Brot, des Lob das Lied verkündet,

das, lebendig, Leben zündet,

Beut sich heute festlich dar.

Dass Er es im heil'gen Saale

Den zwölf Brüdern gab beim Mahle,

ist ohn' jeden Zweifel wahr.

3.

Sit laus plena, sit sonora;

Sit iucunda, sit decora

Mentis iubilatio,

Dies enim solemnis agitur

In qua mensae prima recolitur

Huius institutio.

Lob erschalle, Lob ertöne,

Gott genehm, voll hoher Schöne,

Sei des Herzens Jubellaut.

Denn das Fest wird heut begangen,

von des Tages Glanz umfangen,

Der uns dieses Pfand vertraut.

4.

In hac mensa novi Regis

Novum Pascha novae legis

Phase vetus terminat.

Vetustatem novitas,

Umbram fugat veritas,

Noctem lux eliminat.

Neuen Königs Tafelrunde,

neues Lamm im Neuen Bunde

Hat des Alten End' gebracht.

Neues treibt das Alte fort,

Schatten scheucht der Wahrheit Wort

und das Licht verbannt die Nacht.

5.

Quod in coena Christus gessit,

Faciendum hoc expressit

In sui memoriam:

Docti sacris institutis

Panem, vinum in salutis

Consecramus hostiam.

Was beim Mahl durch Ihn geschehen,

das hieß Christus uns begehen

zum Gedächtnis Seinem Tod.

Treu befolgend heil'ge Lehren,

Weihen, unser Heil zu mehren,

Wir als Opfer Wein und Brot.

6.

Dogma datur Christianis,

Quod in carnem transit panis

Et vinum in sanguinem.

Quod non capis, quod non vides,

Animosa firmat fides

Praeter rerum ordinem.

Wie des Christen Glaube lehret,

Brot in Christi Fleisch sich kehret,

und in Christi Blut der Wein.

Sehen kannst du's nicht, noch fassen;

Starker Glaube wird's nicht lassen

trotz Natur und Augenschein.

7.

Sub diversis speciebus,
Signis tantum et non rebus,
Latent res eximiae:
Caro cibus, sanguis potus,
Manet tamen Christus totus
Sub utraque specie.

Unter beiderlei Gestalten,
Die als Zeichen nur hier walten,
Birgt sich göttliche Substanz.
Blut als Trank und Fleisch als Speise:
Christus ist auf beide Weise
Bei uns ungeteilt und ganz.

8. A sumente non concísus,
Non confractus, non divisus
Integer accípitur.
Sumit unus, sumunt mille,
Quantum isti, tantum ille,
Nec sumptus consumitur.
Wer Ihn aufnimmt, bei Ihm weilet,
Hat Ihn voll und ungeteilet,
ungebrochen, unbrechbar.
Einer nimmt und tausend nehmen,
gleichviel stets, soviel auch kämen,
immer bleibt Er, was Er war.
9. Sumunt boni, sumunt mali,
Sorte tamen inaequali,
Vitae vel interitus.
Mors est malis, vita bonis,
Vide paris sumptionis
Quam sit dispar exitus.
Gute kommen, Böse kommen,
doch nicht jedem will es frommen,
Leben bringt's und Todesbann.
Bösen: Tod; den Guten: Leben;
Sieh, das Gleiche wird gegeben,
doch nicht Gleiches man gewann.
10. Fracto demum sacramento,
Ne vacílles, sed memento
Tantum esse sub fragmento,
Quantum toto tegitur.
Nulla rei fit scissura,
Signi tantum fit fractura,
Qua nec status nec statura
Signati minuitur.
Wird die Hostie gespalten,
weifle nicht! Lass Glauben walten,
jedem Teile bleibt erhalten
Doch des ganzen Vollgehalt.
Brechen kann man nur das Zeichen.
Doch nie dessen Sein erreichen;
nichts von Christus kann da weichen,
Weder Zustand, noch Gestalt.
11. Ecce panis Angelorum,
Factus cibus viatorum,
Vere panis filiorum,
Non mittendus canibus!
In figuris praesignatur,
Cum Isaac immolatur,
Agnus Paschae deputatur,
Datur manna patribus.
Sieh, das Brot, der Engel Gabe,
wird den Pilgern hier zur Labe,
wahrhaft ist's der Kinder Habe,
nicht den Hunden werft es hin.
Längst im Bild war's vorbereitet:
Isaak, der zum Opfer schreitet,
Osterlamm, zum Mahl bereitet,
Manna nach der Väter Sinn.
12. Bone pastor, panis vere,
Jesu, nostri miserere,
Tu nos pasce, nos tuere,
Tu nos bona fac videre
In terra viventium.
Tu qui cuncta scis et vales,
Qui nos pascis hic mortales,
Tuos ibi commensales,
Cohaeredes et sodales
Fac sanctorum civium. Alleuia.
Guter Hirt, Du wahre Speise,
Dich barmherzig uns erweise;
Nähre uns auf unsrer Reise;
Deine Güter, Jesu, weise
uns im wahren Lebensland.
Du, der alles weiß und leitet,
hier im Todestal uns weidet:
Dort, wo licht DeinReich sich breitet,
sei uns Los und Tisch bereitet
In der Heiligen Verband. Amen. Alleluja.

 

Zwei deutsche Übersetzungen enthält das SCHOTT-Messbuch ►: „Deinem Heiland, deinem Lehrer“ und „Lobe, Zion, deinen Hirten; dem Erlöser der Verirrten“.


Im deutschsprachigen Gemeindegesang ist die Sequenz in einer Übersetzung von Franz Xaver Riedel (1773) und in der Melodie von Michael Haydn, Salzburg (1781) als Lied „Deinem Heiland, deinem Lehrer“ im Gotteslob (GL) in den örtlichen Diözesananhängen abgedruckt: 

  • GL 850 im Eigenteil des Bistums Münster mit 12 Strophen
  • GL 844 im Diözesananhang für das Erzbistum Köln mit 7 Strophen und geänderter Melodie
  • GL 866 im Limburger Diözesanteil mit 4 Strophen

 

Besetzung:

Soli SATB, Coro SATB, Orchester: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken, Streicher (2 Vl, Va, Vc/Cb)

 

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 31 Minuten.

 

Übungsdateien

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Ausgabe Bistum Münster.
2013, Verlag Aschendorff Verlag GmbH & Co KG, Münster

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Ausgabe für das Erzbistum Köln.
2013, Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Limburg.
2013, Verlag Butzon & Bercker

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Mendelssohn_op73.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 10.09.2017


 
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