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Werkbeschreibung | Joseph Haydn

Te Deum für die Kaiserin Marie Therese Hob. XXIIIc:2

 

Joseph Haydn vertonte das Te Deum zum ersten Mal vor 1765. Um 1799 schrieb er für Kaiserin Marie Therese das zweite Te Deum, das am 8. September 1800 in Eisenstadt erstmals aufgeführt wurde. Bemerkenswert ist die stilistische Verwandtschaft der beiden, mehr als drei Jahrzehnte auseinanderliegenden Kompositionen. Nicht nur die Tonart C-Dur und die Verwendung des vierstimmigen Chores als Hauptausdrucksmittel sind ihnen gemeinsam. Auch in Einzelheiten der Gestaltung stimmen das Früh- und das Spätwerk überein. Dem kräftig einsetzenden Allegro folgt bei Te ergo quaesumus ein Adagio, das bei Aeterna fac wieder durch ein Allegro abgelöst wird. Ebenso kommt gegen Schluss beider Kompositionen der gleiche Gedanke zum Ausdruck: Dem Thema In te Domine speravi ist als Gegensatz das Non confundar in aeternum unmittelbar beigegeben.

 

Neben diesen gemeinsamen Zügen sind aber auch Unterschiede auszumachen. Das zweite Te Deum ist einfacher, klarer und in der Linienführung kraftvoller als das erste Werk. Es verzichtet auf die in der Jugendkomposition so bedeutungsvollen Solostimmen und vergrössert das Orchester in bedeutendem Mass. Seine Ausdruckskraft wird durch die Einführung der gregorianischen Te Deum-Melodie in den Mittelstimmen erhöht. »In seiner knappen, gedrungenen Anlage und seiner markanten Tonsprache zählt es zu den bedeutsamsten Schöpfungen des späten Haydns.« (Geringer)

 

Obgleich Haydn in seinem zweiten Werk ganz der Linie seiner späten Messen folgt, greift er doch auch Elemente der spezifischen Te Deum-Tradition (Verwendung des gregorianischen Chorals, kleingliedrige Deklamation, wechselchöriges Musizieren) auf. So verwendet er Teile des gregorianischen Psalmtons und macht sie auch durch Unisono-Einsatz durchaus kenntlich. Auch die Wechselchörigkeit ist zumindest angedeutet: Viele Textstellen erscheinen wiederholt und erinnern so an die alte Alternatim-Praxis (wechselweiser Vortrag). Ausserdem erzielt er stellenweise auch durch die Teilung des Chorsatzes in Frauen- und Männerstimmen eine solche Wirkung.

 

Die Komposition ist dreiteilig angelegt: Zwei grosszügige, aber dennoch knapp geführte Allegro-Sätze in C-Dur rahmen den kurzen Adagio-Mittelteil in c-Moll ein. Das Werk ist einfach, klar und markant, aber in der Textdeutung, der motivischen Anlage und manchen strukturellen Details ganz auf der Höhe der Haydnschen Kunst. »Besonders die grossartige Doppelfuge, die auch symbolisch zwei Textzeilen untrennbar miteinander verknüpft und am Schluss in eine gewaltige synkopische Stauung mündet, die dramatisch aufgelöst wird, ist einer der grossen Momente in der Musik des späten 18. Jahrhunderts.« (Harenberg)

 

Besetzung:

Chor (SATB), Orgel und Orchester (2 Violinen, Viola, Violoncello, Bass, Flöte, 2 Oboen, 2 Fagotte, 2 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken)

 

Eine Aufführung dauert ca. 10-12 min

 

Hörproben

    Te Deum

     

    Jubiläumskonzert am 20. November 2004 in der Stiftskirche St. Johann Baptist und Petrus, Bonn | Stifts-Chor Bonn · Deutsch-Französischer Chor Bonn · Musiker des Beethoven Orchesters Bonn · Leitung: Kantor Stefan Mohr

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:
Folco Galli: Werkeinführung Joseph Haydn Te Deum, S. 10 ff, m.w.N.

Armin Kircher: Joseph Haydn: Te Deum. CV 51.999, Carus-Verlag, Stuttgart, 2008 (Partitur)

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Haydn_HobXXIIIc-2.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 08.11.2015

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