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Werkbeschreibung | César Franck

Domine non secundum FWV 66 (1871) aus: Trois offertoires

Offertoire, pour un temps de Pénitence, pour Soprano, Ténor et Basse avec Orgue

 

Die Motette Domine non secundum ist für die Fastenzeit bestimmt (»Pour un temps de Pénitence«). Es handelt sich um die Vertonung einzelner Verse aus den Psalmen 102 und 78 (103 und 79 Vulgata), die in ähnlicher Zusammenstellung auch als Tractus am Aschermittwoch vorkommen.

 

Aus der ursprünglichen Besetzungsangabe »TRIO pour Soprano, Ténor et Basse avec accomp[agnemen]t d'Orgue« könnte darauf geschlossen werden, dass Franck auch eine solistische Wiedergabe des ganzen Satzes vorgeschwebt hat. Mit seiner schlichten Kantabilität der Singstimmen und der ausgewogenen formalen Anlage ist das Stück »dem Geist Mozarts und Schuberts verwandt« (Landgraf, Musica sacra zwischen Symphnie und Gottesdienst (op. cit), S. 144), schon die Orgeleinleitung erinnert deutlich an Mozarts Ave verum corpus.

 

Mediantische Akkordverbindungen wie hier von Takt 33 zu 34 oder Dur/Moll-Wechsel wie zwischen den Takten 39 und 40 sind hingegen auch für spätere Werke von César Franck ebenso typisch wie die zwischen Grundton und Quinte pendelnden Baßfiguren (ab Takt 25 und Takt 38), die in seinen Orgelkompositionen der 60er und 70er Jahre mehrfach anzutreffen sind. Mit großer Vorliebe setzt Franck die Finalteile von Werken, die in Moll begonnen haben, in die Durvariante, wie es im Domine non secundum ab Takt 45 der Fall ist; ebenso bevorzug er zart verklingende Schlüsse (Takte 70-71). Der originale Orgelsatz lässt sich durchgehend manualiter spielen, wenn man jedenfalls davon ausgeht, dass die Griffe ab Takt 33 oder 50-51 für Francks bekannt große Hände kein Problem gewesen sein dürften.

 

Im Franck-Werkverzeichnis von Wilhelm Mohr trägt das Domine non secundum die Nummer FWV 66. Hinsichtlich der Angabe »1871« dürfte eher das Erscheinungsjahr des Erstdruckes als das tatsächliche Kompositionsjahr gemeint sein. Als Jahr der Komposition wird 1858 vermutet (Wolfgang Hochstein, Vorwort zur Partitur, Carus 70.080).

 

Vollständiger Text und Übersetzung (deutsch)

Domine, non secundum
peccata nostra facias nobis:
neque secundum
iniquitates nostras retribuas nobis.
Adjuva nos, Deus salutaris noster:
et propter gloriam nominis tui,
Domi­ne, libera nos:
et propitius esto peccatis nostris,
propter nomen tuum.
O Domine!

Herr, handle nicht
an uns nach unseren Sünden
und vergilt
uns nicht nach unseren Missetaten!
Hilf uns, Gott unsres Heils;
und um der Ehre deines Namens willen,
o Herr, rette uns;
und vergib uns unsre Sünden
um deines Namens willen.
O Herr!

Psalm 102 VUL [103], 10

 

 

 

 

Psalm 78 VUL [79], 9

 

Besetzung:

Chor (STB/SATB) und Orgel

 

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 4 Minuten

Notenmaterial und Hörproben

  • Domine non secundum

     

    Konzert am 3. November 2002 in der Stiftskirche St. Johann Baptist und Petrus, Bonn |
    Stifts-Chor Bonn · Heidi Schwill, Orgel · Kantor Stefan Mohr, Leitung | Aufnahme: Wilhelm Tschauder

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

Wolfgang Hochstein: Vorwort zur Partitur, Carus 70.080, Carus-Verlag, Stuttgart, 1992

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Franck_FWV66.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 08.11.2015

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