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Werkbeschreibung | César Franck

Quae est ista FWV 63 (1871) aus: Trois offertoires

Offertoire, pour les fêtes de l'Assomption, de la Conception et du mois de Marie, pour solistes et choeur mixte à 3 voix avec orchestre

 

Das Quae est ista, in dem die Harfe für zusätzliches Klangkolorit sorgt, hat Franck als Offertorium an verschiedenen Marienfesten vorgesehen (»pour les fêtes de l'Assomption, de la Conception et du mois de Marie«). Textlich handelt es sich um die Zusammenstellung von Versen aus dem Hohelied sowie den Büchern Esther und Judith mit einem angehängten Gebet an die Gottesmutter; da Franck also keinen der an Marienfesten vorgeschriebenen Offertorientexte vertont hat, dürfte ihm von vornherein daran gelegen gewesen sein, die liturgische Verwendbarkeit seiner Komposition nicht allzu stark einzugrenzen.

 

Im Quae est ista wird das erste Thema auf fugierte Art exponiert. Die folgende Modulation führt unter mehrfacher Verwendung der ... Dur/Moll-Wechsel von As-Dur nach Ces-Dur, welches in enharmonischer Verwechslung als Dominante von e-Moll dient. Anschließend wird ein heroisch strahlendes Tenorsolo abschnittweise vom Chor respondiert; dann findet die Marien-Anrufung ihr musikalisches Abbild erneut in der Wendung hin zur Durvariante. Mit der Reminiszens an den Anfang klingt ein Stück aus, das durch seinen Gebrauch von Chromatik und Alteration sowie durch seine Sept-, Septnonen- oder Mixturklänge die Francksche Harmonik dieser Periode wiederum exemplarisch repräsentieren kann.

 

Im Franck-Werkverzeichnis von Wilhelm Mohr trägt das Quae est ista die Nummer FWV 63. Hinsichtlich der Angabe »1871« dürfte eher das Erscheinungsjahr des Erstdruckes als das tatsächliche Kompositionsjahr gemeint sein. Als Entstehungszeit wird zwischen 1859 und spätestens 1863 vermutet (Wolfgang Hochstein, Vorwort zur Partitur, Carus 70.080).

 

Vollständiger Text

Quae est ista
quae progreditur
quasi aurora consurgens:
pulchra ut luna,
electa ut sol,
terribilis ut castrorum acies ordinata?
Wer ist diese,
die da hervorgeht
wie die Morgenröte,
schön wie der Mond,
auserlesen wie die Sonne,
furchterregend wie Heerscharen?

Hohelied Salomo 6, 10

Posuit rex diadema regni
in capite eius.
Der König hat ihr die Krone
der Herrschaft aufs Haupt gesetzt.
Ester, 2, 17
Tu gloria Jerusalem,
tu laetitia Israel,
tu honorificentia populi nostri.
Du bist der Ruhm Jerusalems,
du die Freude Isarels,
du die große Ehre unseres Volkes.
Judith 15, 9b
Maria, dominare nostri,
tu et filius tuus:
intercede ad Dominum
Deum nostrum.
Maria, herrsche über uns
zusammen mit deinem Sohne
und bitte für uns bei Gott,
unserem Herrn.
 

Besetzung:

Soli (TB), Chor (SATB), Violoncello/Kontrabass, Harfe und Orgel

 

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 7 Minuten

 

Hörprobe

  • Quae est ista

     

    Konzert am 3. November 2002 in der Stiftskirche St. Johann Baptist und Petrus, Bonn |
    Stifts-Chor Bonn · Helmut Clemens†, Tenor · Walter Witsch, Bass · Musiker des Orchesters der Beethovenhalle Bonn · Heidi Schwill, Orgel · Kantor Stefan Mohr, Leitung | Aufnahme: Wilhelm Tschauder

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

Wolfgang Hochstein: Vorwort zur Partitur, Carus 70.080, Carus-Verlag, Stuttgart, 1992

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Franck_FWV63.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 08.11.2015

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