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Werkbeschreibung | Johann Sebastian Bach

Was Gott tut, das ist wohlgetan BWV 99

 

Die Choralkantate Was Gott tut, das ist wohlgetan BWV 99 von Bach gehört seinem zweiten Leipziger Kantatenjahrgang an und erklang nach Ausweis der Originalquellen erstmals am 15. Sonntag nach Trinitatis 1724, der in jenem Jahr auf den 17. September fiel. Das knapp gefasste Werk basiert auf dem damals genau 50 Jahre alten, gleichnamigen Kirchenlied von Samuel Rodigast. Die erste und letzte Strophe wurden unverändert übernommen, die Binnenstrophen jedoch umgeschrieben, um als Rezitative und Arien vertont werden zu können. Durch eine Anspielung auf Mt 6, 34 in Satz 4 hat der namentlich nicht bekannte Textdichter das recht allgemein gehaltene Lied mit der Bergpredigt aus dem Sonntagsevangelium in Beziehung gesetzt, dafür jedoch bei seiner Bearbeitung die stereotype, aber einheitsstiftende Eröffnung jeder Liedstrophe „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ für die Binnensätze aufgegeben.

 

Aufbau und vollständiger Text der Kantate

1. Chor

Der Eingangschor hat ausgesprochenen Concerto-Charakter. Die Streicher eröffnen mit einem Thema, das von der Choralmelodie abgeleitet ist. Nach 16 Takten beginnt ein concertino von Flöte, Oboe d'amore und Violine I, dabei spielt die Oboe das von den Streichern vorgestellte Thema, die Flöte kontrapunktierende Sechzehntel. Drei Takte später beginnen die Singstimmen mit dem Choral, der cantus firmus liegt im Sopran und wird vom Horn verstärkt. Im Zwischenspiel, das auf den Stollen der Barform folgt, vereinigen sich alle Instrumente zum Concerto. Die Abfolge wird für den zweiten Stollen wiederholt. Im Abgesang kombiniert Bach anders, diesmal übernehmen Streicher und Bläser, die Flöte wirkt solistisch, manchmal alternierend mit der Oboe. Dementsprechend ist das Nachspiel keine Wiederholung der Einleitung, sondern bringt abwechslungsreiches Konzertieren.

 

Was Gott tut, das ist wohlgetan,

Es bleibt gerecht sein Wille;
Wie er fängt meine Sachen an,
Will ich ihm halten stille.
Er ist mein Gott,
Der in der Not
Mich wohl weiß zu erhalten;
Drum lass ich ihn nur walten.

 

2. Rezitativ (B)

Sein Wort der Wahrheit stehet fest
Und wird mich nicht betrügen,
Weil es die Gläubigen nicht fallen noch verderben lässt.
Ja, weil es mich den Weg zum Leben führet,
So fasst mein Herze sich und lässet sich begnügen
An Gottes Vatertreu und Huld
Und hat Geduld,
Wenn mich ein Unfall rühret.
Gott kann mit seinen Allmachtshänden
Mein Unglück wenden.

 

3. Aria (T)

Erschüttre dich nur nicht, verzagte Seele,
Wenn dir der Kreuzeskelch so bitter schmeckt!
Gott ist dein weiser Arzt und Wundermann,
So dir kein tödlich Gift einschenken kann,
Obgleich die Süßigkeit verborgen steckt.

 

4. Rezitativ (A)

Nun, der von Ewigkeit geschlossne Bund
Bleibt meines Glaubens Grund.
Er spricht mit Zuversicht
Im Tod und Leben:
Gott ist mein Licht,
Ihm will ich mich ergeben.
Und haben alle Tage
Gleich ihre eigne Plage,
Doch auf das überstandne Leid,
Wenn man genug geweinet,
Kommt endlich die Errettungszeit,
Da Gottes treuer Sinn erscheinet.

 

5. Aria (S, A)

Wenn des Kreuzes Bitterkeiten
Mit des Fleisches Schwachheit streiten,
Ist es dennoch wohlgetan.
Wer das Kreuz durch falschen Wahn
Sich vor unerträglich schätzet,
Wird auch künftig nicht ergötzet.

 

6. Choral

Was Gott tut, das ist wohlgetan,
Dabei will ich verbleiben.
Es mag mich auf die rauhe Bahn
Not, Tod und Elend treiben,
So wird Gott mich
Ganz väterlich
In seinen Armen halten;
Drum lass ich ihn nur walten.

 

Besetzung:

Soli SATB, vierstimmiger Chor, Horn zur Verstärkung der Choralmelodie, flauto traverso, Oboe d'amore, zwei Violinen, Viola und Basso continuo

 

Notenmaterial und Hörproben

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Bach_BWV099.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 08.03.2015


 
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