ERZBISTUM KÖLN  TagesLiturgie     

Marianische Antiphonen

Im täglichen Stundengebet der katholischen Kirche wird die Marianische Antiphon seit dem 13. Jahrhundert nach dem letzten gemeinsam begangenen Teil des Stundengebetes, also der Vesper oder der Komplet gesungen.

 

Daneben gehört das Sub tuum praesidium (Unter Deinen Schutz und Schirm) aus dem 3. Jahrhundert zu den ältesten Mariengebeten.

 

In der katholischen Liturgie gibt es insgesamt vier marianische Antiphonen: Alma Redemptoris Mater, Ave Regina, Regina Coeli und Salve Regina

 

1. Alma redemptoris Mater

Alma redemptoris Mater (Erhabene Mutter des Erlösers) wird im Stundengebet der katholischen Kirche in der Advents- und Weihnachtszeit gesungen.

 

Benannt ist die Antiphon nach den ersten drei Worten des lateinischen Textes, der vor 1054 von Hermann von Reichenau, einem Benediktiner der Abtei Reichenau, geschrieben wurde.

 

Alma Redemptoris Mater,
quae pervia caeli porta manes,
et stella maris,
succurre cadenti,
surgere qui curat, populo:
Tu quae genuisti, natura mirante,
tuum sanctum Genitorem:
Virgo prius ac posterius,
Gabrielis ab ore, sumens illud Ave,
peccatorum miserere.
Erhabne Mutter des Erlösers,
du allzeit offene Pforte des Himmels,
und Stern des Meeres,
komm, hilf deinem Volke,
das sich müht, vom Falle aufzustehn.
Du hast geboren, der Natur zum Staunen,
deinen heiligen Schöpfer.
Jungfrau vor und nach der Geburt;
aus Gabriels Mund vernahmst den Gruß;
erbarme dich der Sünder.
(GL 666, 1)  

Textfassung des

marianischen Gebetes

der katholischen Kirche:

Erhabne Mutter des Erlösers,
du allzeit offene Pforte des Himmels
und Stern des Meeres,
komm, hilf deinem Volke,
das sich müht, vom Falle aufzustehn.
Du hast geboren, der Natur zum Staunen,
deinen heiligen Schöpfer.
Unversehrte Jungfrau,
die du aus Gabriels Mund nahmst das selige Ave,
o erbarme dich der Sünder.

(GL 666, 1)

 

 

Eine Übertragung von Maria Luise Thurmair (1969), beginnend mit „Maria, Mutter unsres Herrn“ befindet sich im Gotteslob (Ausgabe 2013) unter der Nummer 530 mit 4 Strophen.

 

Die Antiphon Alma redemptoris Mater wurde in der Musik häufig vertont, unter anderem von:

 

Johannes Ockeghem (~1410-1497): Motetten

Nicolas Gombert (~1495-1560): 1541, vierstimmig

Ludwig Senfl (~1486-1543)

Thomas Ludovico da Vittoria (1548-1611)

Felice Anerio (1560-1614)

Pietro Heredia (~1575-1648)

Giuseppe Antonio Bernabei (~1649-1732)

Valentin Rathgeber (1682-1750)

Franz Xaver Brixi (1732-1771)

Ignaz Reimann (1820-1885)

Josef Rheinberger (1839-1901): Sechs Marianische Hymnen op. 171, 2a (1888/1889)

Franz Nekes (1844-1914)

Sir Colin Mawby (* 1936)

 

Quellen und weiterführende Links:

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Ausgabe für das Erzbistum Köln.
2013, Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart

Freiburger Chorbuch, herausgegeben vom Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Cäcilienverband für Deutschland und dem Diözesan-Cäcilienverband der Erzdiözese Freiburg, Carus-Verlag, 1994

 

 

2. Ave Regina coelorum

Das Ave Regina caelorum (Ave, du Himmelskönigin), in Mittellatein verbreitet auch Ave Regina coelorum geschrieben, wird im Stundengebet der katholischen Kirche in der Fastenzeit, von Maria Lichtmess (02.02.) bis zum Mittwoch der Karwoche, gesungen. Benannt ist die Antiphon nach den ersten drei Worten des lateinischen Textes.

 

Ave Regina caelorum,
Ave Domina angelorum,
Salve, radix, salve, porta,
Ex qua mundo lux est orta.
Gaude, Virgo gloriosa,
Super omnes speciosa:
Vale, o valde decora,
Et pro nobis Christum exora.
Gegrüßet seist du Königin des Himmels,
gegrüßet seist du, Herrin der Engel.
Sei gegrüßt, du Wurzel, sei gegrüßt, du Pforte,
aus dem der Welt das Licht aufgegangen ist.
Freu dich, glorreiche Jungfrau,
alle übertreffend Schöne:
sei gegrüßt, o höchste Zier,
und bitte für uns bei Christus.
 (GL 666,2)  

Textfassung des

marianischen Gebetes

der katholischen Kirche:

Ave, du Himmelskönigin,
Ave, der Engel Herrscherin,
Wurzel, der das Heil entsprossen,
Tür, die uns das Licht erschlossen:
Freu dich, Jungfrau, voll der Ehre,
über allen Seligen Hehre,
sei gegrüßt, des Himmels Krone,
bitt für uns bei deinem Sohne. (GL 666,2)

 

 

Der Vertonung der Antiphon Ave Regina caelorum widmeten sich Komponisten wie: Thomas Ludovico da Vittoria (1548-1611), Pietro Heredia (~1575-1648), Valentin Rathgeber (1682-1750), Johann Michael Haydn (1737-1806), Ignaz Reimann (1820-1885), Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901), Franz Nekes (1844-1914), u. a.

 

Quellen und weiterführende Links:

Freiburger Chorbuch, herausgegeben vom Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Cäcilienverband für Deutschland und dem Diözesan-Cäcilienverband der Erzdiözese Freiburg, Carus-Verlag, 1994

 

 

3. Regina coeli

Die Marianische Antiphon Regina caeli (Königin des Himmels), in Mittellatein häufig auch Regina coeli geschrieben, wird im kirchlichen Stundengebet während der Osterzeit, zwischen Ostersonntag und Dreifaltigkeitssonntag gesungen. Der Text eines unbekannten Autors und die gregorianische Melodie sind seit dem 13. Jahrhundert überliefert.

 

 

Regina caeli, laetare, alleluia.
Quia quem meruisti portare, alleluia,
Resurrexit, sicut dixit, alleluia.
Ora pro nobis Deum, alleluia.
Königin des Himmels, freue dich, Halleluja.
Denn der, den du zu tragen würdig warst, Halleluja,
Er ist auferstanden, wie er gesagt, Halleluja.
Bitt Gott für uns, Halleluja.
   

Textfassung des

marianischen Gebetes

der katholischen Kirche:

Freu dich, du Himmelskönigin, Halleluja.
Denn er, den du zu tragen würdig warst, Halleluja,
Er ist auferstanden, wie er gesagt, Halleluja.
Bitt Gott für uns, Maria, Halleluja.


Der Ehrentitel „Königin des Himmels“ (Regina caeli) besagt, dass sie an der himmlischen Herrlichkeit ihres auferstandenen Sohnes teilhat. Das wichtigste lehramtliche Dokument über das Königtum Marias ist die Enzyklika „Ad caeli Reginam“ (11. Oktober 1954) von Papst Pius XII., der die biblischen, patristischen, theologischen und liturgischen Grundlagen des marianischen Titels erläutert. Auf diese Lehraussagen bezog sich das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Dogmatischen Konstitution über die Kirche: Maria wurde „als Königin des Alls vom Herrn erhöht, um vollkommener ihrem Sohn gleichgestaltet zu sein“ (Lumen gentium, 21. November 1964, Nr. 59).

 

Eine sowohl textliche als auch melodische Bearbeitung aus Konstanz um 1600 findet sich unter GL 525 (Ausgabe 2013) in dem wohl bekanntesten Marienlied „Freu dich, du Himmelskönigin“ mit vier Strophen, wobei jede Strophe einen der vier Sätze der Antiphon aufgreift. 

 

Seit dem 18. Jahrhundert ersetzt das Regina Caeli in der Osterzeit das Angelus-Gebet und wird in nachstehender Textform gebetet:

 

Regina caeli, laetare, alleluia.
Quia quem meruisti portare, alleluia,
Resurrexit, sicut dixit, alleluia.
Ora pro nobis Deum, alleluia.

 

Gaude et laetare, Virgo Maria, alleluia.
Quia surrexit Dominus vere, alleluia.

 

Oremus.

Deus, qui per resurrectionem Filii tui
Domini nostri Iesu Christi

mundum laetificare dignatus es:
praesta, quaesumus, ut per eius

Genetricem Virginem Mariam
perpetuae capiamus gaudia vitae.

Per eundem Christum, Dominum nostrum.

Amen.

Freu dich, du Himmelskönigin, Halleluja!
Den du zu tragen würdig warst, Halleluja,
er ist auferstanden, wie er gesagt hat, Halleluja.
Bitt Gott für uns, Halleluja.

 

Freu dich und frohlocke, Jungfrau Maria, Halleluja,
denn der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja.

 

Lasset uns beten.

Allmächtiger Gott, durch die Auferstehung deines Sohnes,
unseres Herrn Jesus Christus,
hast du die Welt mit Jubel erfüllt.
Lass uns durch seine
jungfräuliche Mutter Maria
zur unvergänglichen Osterfreude gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
Amen. (GL 3, 7)

 

Namhafte Komponisten aus allen Jahrhunderten vertonten das Regina Caeli, u. a.:

 

Thomas Ludovico da Vittoria (1548-1611), Gregor Aichinger (1564-1628), Antonio Lotti (1666-1740), Antonio Caldara (1670-1736), Valentin Rathgeber (1682-1750), Johann Ernst Eberlin (1702-1762), Franz Xaver Brixi (1732-1771), Johann Michael Haydn (1737-1806), Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Ignaz Reimann (1820-1885), Josef Rheinberger (1839-1901), Franz Nekes (1844-1914), Eberhard Bonitz (1921-1980), Sir Colin Mawby (* 1936)

 

Quellen und weiterführende Links:

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Ausgabe für das Erzbistum Köln.
2013, Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart

Freiburger Chorbuch, herausgegeben vom Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Cäcilienverband für Deutschland und dem Diözesan-Cäcilienverband der Erzdiözese Freiburg, Carus-Verlag, 1994

 

 

4. Salve Regina

Das Salve Regina (Sei gegrüßt, o Königin) wird im Stundengebet der katholischen Kirche in der Zeit im Jahreskreis, also vom Dreifaltigkeitssonntag bis zum Ende des Kirchenjahres (Christkönig), gesungen.

Benannt ist die Antiphon nach den ersten beiden Worten des lateinischen Textes, der vor 1054 entstanden ist. Die lange verbreitete Tradition, die Hermann den Lahmen von Reichenau (1013-1054) als Verfasser annahm, gilt heute aus verschiedenen Gründen gemeinhin als eher unwahrscheinlich. In der Ikonographie wird das Salve Regina jedoch über Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart mit der Reichenau und der Person Hermann des Lahmen in Verbindung gebracht (Br. Sebastian Haas-Sigel OSB, Reichenau).

Die letzten Anrufungen des Gebets (O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria) sind ein späterer Zusatz, den Bernhard von Clairvaux angefügt haben soll.

 

Salve, Regina,
mater misericordiae;
vita, dulcedo et spes nostra,
salve.
Ad te clamamus, exsules filii Evae.
Ad te suspiramus, gementes et flentes
in hac lacrimarum valle.
Eia ergo, advocata nostra,
illos tuos misericordes oculos ad nos converte.
Et Jesum, benedictum fructum ventris tui,
nobis post hoc exsilium ostende.
O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

(GL 666, 4)

Sei gegrüßt, o Königin,
Mutter der Barmherzigkeit;
unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung,
sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
zu dir seufzen wir trauernd und weinend
in diesem Tal der Tränen.
Wohlan denn, unsere Fürsprecherin,
wende deine barmherzigen Augen uns zu,
und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
die gebenedeite Frucht deines Leibes.
O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

(GL 10, 1)

 

Zahlreiche Komponisten seit dem 15. Jahrhundert vertonten die Antiphon Salve Regina, unter anderem:


Johannes Ockeghem (~1410-1497): Motette

William Byrd (1543-1623)

Thomas Ludovico da Vittoria (1548-1611)

Gregor Aichinger (1564-1628): 4 Antiphonen zur Mutter Gottes für vierstimmigen Chor a cappella

Claudio Monteverdi (1567-1643)

Pietro Heredia (~1575-1648)

Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Antonio Lotti (1666-1740)

Valentin Rathgeber (1682-1750)

Domenico Scarlatti (1685-1757): Motette Salve Regina op. 2, Nr. 10 für Sorpan, Alt und Basso continuo

Joseph Haydn (1732-1809): Salve Regina E-Dur Hob. XXIIIb:1 (1756) | g-Moll Hob.XXIII/b:2 (1771)

Antonio Salieri (1750-1825): Salve Regina D-Dur (1815), mit deutschem Text in G-Dur und zuletzt in B-Dur für vierstimmigen Chor und Orchester

Franz Schubert (1797-1828)

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

Franz Liszt (1811-1886): Salve Regina, S. 66 (1885)

Ignaz Reimann (1820-1885)

Josef Rheinberger (1839-1901): Sechs Marianische Hymnen op. 171, 3 (1888/1889)

Johann Gustav Eduard Stehle (1839-1915): Missae Salve Regina op. 67 (1867)

Franz Nekes (1844-1914)

Gabriel Fauré (1845-1924): Salve Regina, op. 67/1 (1895)

Sir Edward Elgar (1857-1934)

Arthur Piechler (1896-1974): Salve Regina, op. 40 (1950)

Francis Poulenc (1899-1963)

Hermann Schroeder (1904-1984): Die Marianischen Antiphonen für Orgel (1953) und Salve Regina, Cantilena choralis für Violoncello und Orgel (1981)

Petr Eben (1929-2007)

Arvo Pärt (*1935): Salve Regina (2002)

Guy Bovet (*1942): Salve Regina für Orgel (1978)

Enjott Schneider (*1950)

 

 

Quellen und weiterführende Links:

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Ausgabe für das Erzbistum Köln.
2013, Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart

Freiburger Chorbuch, herausgegeben vom Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Cäcilienverband für Deutschland und dem Diözesan-Cäcilienverband der Erzdiözese Freiburg, Carus-Verlag, 1994

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/liturgie/antiphon.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 13.06.2015

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