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Chronik des Stifts-Chores Bonn - Wie alles begann ...

Aus der Chronik und den ersten Statuten sind zwei Fakten besonders herauszulesen:

Kirchlicher Gesang-Verein "Stifts-Chor Bonn", Statuten, © by Stifts-Chor Bonn

Einmal handelte es sich bei der Chorgründung um einen „kirchlichen Gesangverein“, der die festlichen Ämter, Prozessionen und andere kirchliche Feierlichkeiten mit auszugestalten hatte, und um eine „Neugründung“ des Stifts-Chores. Wir wissen, dass bereits vor dem Gründungsjahr 1894, mindestens schon seit dem Jahre 1877 an unserer Pfarre ein Männerchor mit Erfolg wirkte. Präses war Herr Dechant Lammertz, Chorleiter Herr Michael Wolf. Dieser Chor löste sich am Ende des Jahres 1893 auf. 

Am 21. Januar 1894 gründete an der Stiftskirche Herr Pastor Paulus zusammen mit 27 Herren einen neuen Kirchenchor, der den Namen Stifts-Chor erhielt. Präses war Herr Pastor Paulus, zum Dirigenten wählte man den Lehrer Herrn Wilhelm Kömpel, der diese Gemeinschaft mit 30 Knaben vervollständigte und somit einen gemischten Chor bildete. Man probte, dem Zeitgeschmack entsprechend, Werke von Palestrina, Goller, Gebgens und Piel, Niederländische Polyphonie und Werke von Zeitgenossen, den Cäcilianern. Man gab Konzerte zugunsten einer neuen Orgel und der Renovierung der Stiftskirche.

Als Herr Kömpel am 2. September 1906 freiwillig sein Amt niederlegte, wählte man mit großer Stimmenmehrheit den königlichen Musikdirektor, Herrn Felix Krakamp, zum neuen Chorleiter, der am 30. September in sein Amt eingeführt wurde.

 

In ihm gewann man einen im Bonner Raum sehr geschätzten Chor-Erzieher, der den Chor auf 70 Knaben und 40 Herren vergrößerte und diesen bis 1914 leitete.

 

Damals legte man für jeden Knaben ein Sparkassenbuch an, worin für jede Probe und Aufführung ein Betrag verbucht wurde. Für jedes Fehlen wurde eine Summe abgezogen. Beim Eintreten des Stimmbruches händigte man den Knaben die Bücher aus.

 

Herr Krakamp erweiterte das Repertoire des Chores erheblich. Besonders hervorzuheben ist die Einstudierung der Palestrina-Messen Iste confessor , Sine nomine und Papae Marcelli .


Am 5. Mai 1907 wurde eine Fahne geweiht, die von der Pfarrgemeinde gestiftet worden war. Das Mitglied, Herr Architekt Tasche, hatte die Fahne entworfen. Sie zeigte auf der Vorderseite auf rotem Seidensamt den königlichen Sänger David mit der Harfe und auf der Rückseite den Namen „Stifts-Chor Bonn“. Bei festlichen Prozessionen wurde die Fahne als Zeichen der gemeinschaftsbildenden Aufgabe der Musik dem Chor vorangetragen. Leider ist diese Fahne im 2. Weltkrieg verbrannt.

Mit besonderem Eifer hatte sich der Chor für ein neues Orgelwerk eingesetzt: Am 30. Dezember 1908 erhielt die Stiftskirche eine neue Orgel, erbaut von der Bonner Orgelbaufirma Klais. In zahllosen Konzerten mit dem Chor und auch sonst in den Gottesdiensten hat sie zum Lobe Gottes mitgewirkt. Mit Benefizkonzerten hat der Chor nicht unerheblich zur Beschaffung der Orgel beigetragen. Diese Orgel wurde leider im Zweiten Weltkrieg - wie so vieles andere - zerstört.


Nach der Gründung unseres „gemischten Chores“, zunächst mit Knaben, später aus einer besseren Praxis heraus mit Damenstimmen, entfaltete sich an der Stiftspfarre eine besondere Blütezeit des Chorgesanges. Es war die Zeit der auslaufenden Romantik und dies sei ehrlich zugegeben: Man gönnte sich zur damaligen „guten Zeit“ eine Verquickung von religiösem Streben mit Liebhabergesang.

Zwei Konzerte aus der Zeit um die Jahrhundertwende seien hervorgehoben:

1912 führte der Chor in der Klosterkirche Knechtsteden ein Motetten- und Liederkonzert durch, unter anderem den heute nicht mehr bekannten Sonnengesang aus dem Oratorium von Triegel.
1913 sang der Chor in der alten Bonner Beethovenhalle in einem von ihm gestalteten Konzert Teile aus den Messen Iste confessor , Sine nomine und Papae Marcelli sowie Motetten von Palestrina, das weit über den Bonner Raum hinaus große Beachtung fand.  

Treue, Urwüchsigkeit und Fleiß sind aus der Chronik dieser Jahre immer wieder herauszulesen. Das 25-jährige Gründungsfest beging der Chor nach Kriegsende im Jahre 1919.

 

Die Chronik berichtet über ein gutes Verhältnis zu den weiteren Bonner Kirchenchören und erwähnt vor allem den Kirchenchor von St. Remigius.

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