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Der Aufbau beginnt ...

 

Schon während meiner Tätigkeit in Weckhoven trat ich mit Herrn Architekten Dipl. Ing. Norbert Hartrnann in Verbindung. Er hatte bereits einen Entwurf für das Pfarrzentrum angefertigt. Nach der Genehmigung der Vorplanung durch das Erzbistum konnten wir am 1. Juni 1967 die Pläne für den Neubau einreichen. Diese sahen vor, daß die Kirche faltwerkartig gebaut werden sollte. Das Erzbischöfliche Bauamt lehnte diesen Entwurf jedoch ab.

 

Von der Stadt Neuss wurde uns ein Gelände an der Daimlerstraße zum Bau eines Kindergartens übertragen. Durch den Zuzug vieler junger Familien war dies ein dringendes Anliegen. Im April 1967 ergab es sich, daß in der Innenstadt ein Holzbau abgerissen werden sollte, der mit mehreren Räumen zum Ausbau eines Kindergartens geeignet schien. Zudem war die Stadt bereit, uns diesen Holzbau kostenlos zu überlassen. Der nötige Aus- und Umbau wurde mit etwas über 100.000 DM veranschlagt. Das Erzbisturn erklärte sich bereit, diese Kosten zu übernehmen. Noch im Mai wurde mit der Erschließung des Geländes begonnen, und in den folgenden Monaten wurde der "Zwischenkindergarten" errichtet.

 

Am 24. September 1967 war Einweihung des Kindergartens. 90 Kinder fanden in drei Gruppen Aufnahme. Sorge bereitete uns die Personalfrage, da es zu dieser Zeit nur wenig staatlich geprüfte Erzieherinnen gab. Diese Sorge sollte uns noch über Jahre hinweg begleiten. Doch war die Freude groß, daß wir in so kurzer Zeit nach Entstehung der Gemeinde bereits einen Kindergarten hatten.

Nach Ablehnung des ersten Entwurfs für den Bau der Kirche legte Herr Architekt Hartrnann einen neuen Plan vor. Trotz mancher Bedenken stimmte der Kirchenvorstand auf seiner Sitzung vom 3 1. August 1967 dieser Konzeption zu. Inzwischen war die Vollplanungsgenehmigung beantragt worden. Diese traf Ende September 1967 ein. Nun wurden die Arbeiten ausgeschrieben und vergeben.

 

Vom Erzbistum wurden die folgenden Geldmittel genehmigt:

Kirche 915.500,- DM

Dienstwohnungen 508.500,- DM

Gemeindehaus 371.500,- DM

 

Die Stadt Neuss gab für Altenstube, Saal und Jugendräume einen Zuschuß von 117.500,- DM. Preisgünstig wirkte sich damals die Rezession im Bauhandwerk aus. So brauchten wir auch später keine Nachforderungen an die Diözese zu stellen.

 

Am 15. April 1968 begannen die Bauarbeiten für das Pfarrzentrum. Zunächst schien es, als gingen die Arbeiten nur schleppend voran. Nach dem Ausbau der Kellerräume wurde der Bau jedoch schnell hochgezogen. Am 7. November 1968 konnten wir das Richtfest der Pfarrbauten und am 3. April 1969 (Gründonnerstag) die erste hl. Messe im Pfarrsaal feiern. Nun hatte das leidige Auf - und Abbauen für den Gottesdienst in der Pausenhalle der Clarenbachschule ein Ende. Wir hatten unseren eigenen Gottesdienstraum, wenn auch bescheiden - aber er war unser. Darüber freuten wir uns.

  Urkunde über die Grundsteinlegung der Kirche

Urkunde Grundsteilegung.thumb






Grundstein Grundstein.thumb





Inzwischen hatten die Bauarbeiten an der Kirche begonnen.

Kirche im Bau 1968/69
01kircheimbau.thumb 02kircheimbau.thumb
Kardinal Bea-Haus 1968 KardinalBea-Haus.thumb  
 




Altenwohnheim 1972 Altenwohnungen.thumb

 



Kontrovers wurde diskutiert, ob ein Turm gebaut werden sollte oder nicht. Dafür gab es vom Erzbistum keinen Zuschuß. Die Baufirma Gürtler übernahm daraufhin einen Großteil der Kosten. Aber auch Gemeindemitglieder beteiligten sich rege. So konnte der Kirchenvorstand auf seiner Sitzung vom 5. Juni 1969 beschließen, den Turm zu bauen. 33.000,- DM mußten dafür aufgebracht werden.

 

In einer kleinen Feier hielten wir am 8. Juli 1969 das Richtfest der Kirche. Am 4. Adventssonntag, dem 20. Dezember 1969, konnten wir in die Kirche einziehen. Dechant Heinrich benedizierte unser Gotteshaus. Noch war die Inneneinrichtung provisorisch. Da es hierfür keinen Zuschuß seitens der Diözese gab, wurde bereits am 10. April 1967 ein Kirchbauverein gegründet. Im Frühjahr 1970 erhielten wir Kirchenbänke, und vor dem Pfingstfest 1970 wurden Tabernakel, Ambo und Altar aufgestellt. Am 5. Mai 1973 wurde unsere Kirche durch Herrn Weihbischof Frotz konsekriert, verbunden mit einem schönen Pfarrfest.

 

Noch sollten die Bauarbeiten nicht abgeschlossen sein. Das Provisorium "Kindergarten" bereitete uns Sorgen. Größere Reparaturen standen an. Aus diesem Grunde beschloß der Kirchenvorstand auf seiner Sitzung vom 5. Juni 1969, einen Neubau in Angriff zu nehmen. Die notwendigen Schritte wurden eingeleitet. Als Architekt wurde Herr Dipl. Ing. Martin gewonnen. Überraschend schnell wurde vom Erzbistum die Genehmigung erteilt, so daß am 15. August 1970 mit den Bauarbeiten begonnen werden konnte. Am 3. März 1971 konnte der Neubau bezogen werden.

 

Auf seiner Sitzung vom 5. Juli 1969 stellte der Kirchenvorstand Überlegungen an, wie das noch zur Verfügung stehende Baugelände neben der Kirche sinnvoll genutzt werden könnte. Man kam überein, ein Altenwohnheim zu errichten. Die erforderlichen Verhandlungen wurden eingeleitet, und Herr Architekt Hartmann mit der Planung beauftragt. Nach schwierigen Verhandlungen mit den Behörden konnte am 4. Februar 1971 mit dem Bau begonnen werden. Am 1. Februar 1972 konnte das Altenwohnheim bezogen werden. Acht Einzelmieter und vier Ehepaare fanden darin Platz.

 

Mit der Segnung des Altenwohnheimes wurde die Bautätigkeit der Gemeinde gut fünf Jahre nach ihrer Errichtung abgeschlossen.

 

Eine lebendige Gemeinde schaffen ...

Ein Mensch unserer Tage hat unter das Kreuz von St. Lamberti in Münster, dessen Christusfigur im Kriege Arme und Füße abgeschlagen wurden, diesen Text aus dem 14. Jahrhundert geschrieben:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.

Durch die Kirche und jeden einzelnen in ihr will Christus auch heute beim Menschen sein.

  

In meinem ersten Rundbrief an die Gemeinde im Januar 1967 schrieb ich u. a.:

 

"Ziel unserer gesamten Seelsorgsarbeit ist: Christus muß unter uns gegenwärtig werden. Das Leitbild unserer Gemeinde ist der heilige Thomas Morus. Er, der Familienvater, der Staatsmann und Märtyrer des Gewissens an der Schwelle der Neuzeit. Durch seinen Mut, durch seine Weisheit, durch seine Verantwortungsfreude ist er moderner denn je. Er war ein Christ, der den Namen verdient.

 

Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, eine lebendige Gemeinde zu schaffen. Zu einer brüderlichen Lebens- und Gnadengemeinschaft wachsen wir am Altar zusammen.

 

Unser erster Gottesdienst ist am Sonntag, dem 5. Februar 1967, um 8.00 Uhr und um 10.30 Uhr in der Pausenhalle der Clarenbachschule.

 

Möge dieser erste Kontakt ein Auftakt zu einem lebendigen Pfarrleben werden."

 

Viele aus der Gemeinde werden sich noch genau an diese Zeit erinnern vielleicht mit etwas Wehmut -, als wir unsere Gottesdienste in der Pausenhalle (im Volksmund wegen des Mosaiks an der Wand"Eulendom" genannt) hielten. jeder kannte jeden. Das Wagnis, vor der Fertigstellung der Kirche, eigene Gottesdienste zu halten, hat sich im Rückblick als richtige Entscheidung erwiesen. Die Gemeinde begann zu wachsen. Ab dem 1. Mai 1967 hielten wir wegen der Besucherzahlen vier Sonntagsgottesdienste. Nach der Statistik lebten 1967 etwa 3800 Katholiken im Bereich der Gemeinde. Getauft wurden 1967 56 Kinder. 14 Brautpaare spendeten sich das Sakrament der Ehe. Es verstarben 11 Erwachsene und 2 Kinder. Die Zahl der Erstkommunionkinder im Jahre 1967 ist bei uns nicht registriert, da die Kinder noch gemeinsam in St. Josef zur Kommunion gingen. 1968 hatten wir 77 Kommunionkinder (1986 sind es 25).

 

Nach Abschluß der Bautätigkeit des"Neusser Bauvereins" hat sich die Zahl der Gemeindebürger nicht mehr erhöht. Sie ist seit einigen Jahren sogar rückläufig. 1985 zählte die Gemeinde 3514 Mitglieder. Die Pfarre St. Thomas Morus teilt insoweit das Schicksal vieler Neubaugebiete der 50er und 60er Jahre und ist zugleich ein Spiegelbild der demographischen Entwicklung unserer Tage.

 

Der Pfarrgemeinderat wird gegründet ...

 

Mit dem II. Vatikanischen Konzil trat das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen stärker ins Bewußtsein. In der Dogmatischen Konstitution über die Kirche heißt es:

 

"Das Apostolat der Laien ist Teilnahme an der Heilssendung der Kirche selbst. Zu diesem Apostolat werden alle vom Herrn durch Taufe und Firmung bestellt. . ."

Zur Bildung eines Pfarrgemeinderates trafen sich am 24. April 1967 zu einer Besprechung die Herren Binninger, Herpers, Kuntz, Lamp, Rubarth und Schneider. Man traf sich auf der Daimlerstraße Nr. 245, wo die Kirchengemeinde inzwischen eine Wohnung angemietet hatte. Es gab damals nur wenige Pfarreien, die einen Pfarrgemeinderat hatten. Für die Pastoral war dies Neuland. Alle Teilnehmer dieser ersten Besprechung waren der Auffassung, daß die Gründung eines Pfarrgemeinderate´s für unsere Gemeinde nützlich und geboten sei. Noch gab es keine Satzung für den Pfarrgemeinderat. Das Erzbistum hatte lediglich eine Empfehlung herausgegeben. Daher mußten die Aufgabenbereiche zwischen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat abgegrenzt werden. Dem Kirchenvorstand, der auf staatlichem Recht beruht, obliegt die Vermögensverwaltung der Kirchengemeinde; der Pfarrgemeinderat ist das vom II. Vatikanischen Konzil gewünschte Mitwirkungsorgan bei der Bewältigung der seelsorglichen Aufgaben in der Gemeinde. Bereits auf der zweiten Sitzung am 29. Mai 1967, zu der Herr Ritzka als neuer Mitarbeiter hinzukam, wurden die Schwerpunkte der Arbeit festgelegt und die Verantwortlichkeiten verteilt.

 

Liturgie: Pfr. P. Schönherr

Vorbeter und Lektoren sollen gewonnen werden.

- Den Vorsitz für diesen Kreis übernahm Herr Lamp

Wohnviertelapostolat: (Pfarrbesuchsdienst)

Vorsitz: Herr Rubarth

Familienkreise: Den Vorsitz übernahm Herr Herpers.

 

Öffentlichkeitsarbeit: (Pfarrnachrichten, Pfarrkalender)

Den Vorsitz übernahm Herr Binninger

 

Zum vorläufigen Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates wurde Herr Kuntz und zum Schriftführer Herr Schneider gewählt.

 

In den folgenden Sitzungen bestimmten die zuvor genannten Arbeitskreise Inhalt und Beschlüsse des Pfarrgemeinderates. Vor allem war man bestrebt, neue Mitarbeiter zu gewinnen.

 

Am 10. September 1967 fand im Kindergarten die erste Gemeindeversammlung statt. Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat informierten die Anwesenden über ihre Arbeit. Herr Architekt Hartmann berichtete an Hand von Dias über den Bau der Kirche und des Gemeindezentrums.

 

Die zweite Gemeindeversammlung fand am Montag, dem 22. Januar 1968 im Saale des evangelischen Gemeindezentrums an der Furtherhofstraße statt. Leitgedanke dieser Zusammenkunft war: "Sie fragen - wir antworten". Rund 150 Gemeindemitglieder waren anwesend. Man wählte entsprechend des Wahlmodus der Diözese den Pfarrgemeinderat.

Dieser setzte sich wie folgt zusammen:

 

Gewählte Mitglieder:

Frau van Ackeren

Herr Herpers

Frau Kessler

Herr Ramsch

Herr Schmitz

Delegierte der Verbände:

Herr Lamp (Kirchenvorstand)

Frau Illhardt (Frauengemeinschaft)

Herr Scholz (KA B)

Frl. Rozicky (Jugend)

 

Berufene Mitglieder:

Herr Binninger

Herr Kuntz

Herr Ritzka

Herr Rubarth

Herr Schneider

 

Von nun an traf man sich regelmäßig zu Sitzungen. Mögen auch im Laufe der Jahre die Gesichter im PGR gewechselt haben, geblieben ist die Mitverantwortung und Mitsorge dieses Gremiums für das Leben unserer Gemeinde. Vieles, was vor Jahren in Sitzungen beschlossen wurde, gehört heute wie selbstverständlich zum Pfarrleben, z. B. Familiengottesdienste, Pfarrbriefe, Pfarrfeste, Weihnachtsbesuche, Altennachmittage, Bildungsveranstaltungen. Der PGR ist heute ein notwendiger und fester Bestandteil der Gemeinde von St. Thomas Morus.

Pfr. j. Schönherr

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