Tolles Orgelprojekt in der Kölner Philharmonie
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 5 Mädchen und 5 Jungs trafen sich am Sonntagnachmittag, 15. Januar 2006 in St. Maria Königin, um sich mit Kantor Dieter Leibold auf den bevorstehenden Abend vorzubereiten.
Anhand eines Orgelmodells aus Holz, Tasten, Abstrakten und anderen originalen Orgelteilen erklärte Herr Leibold den interessierten Kindern die Grundfunktionen einer Orgel.
Was passiert, wenn ich eine Taste drücke? Wie kommt der Wind aus der Windlade in die Pfeife?
Warum ertönen, wenn ich z.B. die Taste f´ drücke nicht alle Pfeifen der Reihe, sondern nur die, deren Register gezogen wurde? Welche Register kennen die Kinder?
Unter anderem war auch zu lernen, dass die Metallpfeifen aus einer Mischung von Zinn und Blei hergestellt sind, und dass dieses Orgelmetall leicht biegbar ist. Zum Glück hatte Herr Leibold alte, ausrangierte Orgelpfeifen dabei, die die Kinder in die Hand nehmen durften. Ja, sie musizierten sogar zusammen, die Pfeifen nach der Tonleiter sortiert, das Karnevalslied „Die Karawane zieht weiter“ und lernten dabei, dass die Pfeife sich durch die warmen Hände verstimmen kann und es darauf ankommt, genug Wind in die Pfeife zu pusten, damit der richtige Ton erklingt und man dann auch das Lied erkennen kann. Mit mehreren erwachsenen Begleitpersonen gelangte die inzwischen lebhaft gewordene Kinderschar per Bus zum Dom, von dort zu Fuß zur Philharmonie. Alle waren „philharmonieerfahren“, zwei Jungs sogar als Mitarbeiter der Jugendlounge regelrechte Profis.
Die Zusammenstellung des Konzertes war sehr abwechslungsreich.
Als erstes erklang Johann Sebastian Bachs Suite für Orchester in C- Dur. Kammermusik, die Bach als Hofkapellmeister in Köthen für Fürst Leopold komponiert hatte. Dann folgte von Francis Poulenc das Konzert für Orgel, Streicher und Pauke. Gleich zu Beginn des Werkes führte sich die Orgel mit mächtigen aufbrausenden Akkorden ein. Dazwischen auch eher ruhige, lyrische Themen, die die schwebenden Töne der Orgel zum Tragen brachten.
Vor allem imponierte der Organist Thierry Mechler, der an seinem Spieltisch direkt hinter den 1. Geigen saß, so dass die Kinder ihm gut bei seinem bewegten, ausdrucksstarken Orgelspiel zuschauen konnten. Nach tosendem, lang anhaltendem Beifall bekam das Publikum als Zugabe eine Improvisation von Thierry Mechler zu hören, der Professor für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln ist.
In der Pause konnten sich die Kinder in der Jugendlounge am Computer Informationen zur Orgel der Philharmonie beschaffen, z.B., dass die Orgel drei Manuale und insgesamt 5394 Pfeifen hat, sie konnten aber auch essen und trinken oder anderen menschlichen Bedürfnissen nachgehen. Einer beobachtete ganz genau, wie der elektrische Spieltisch mit einer Hebebühne direkt hinter dem Dirigentenpult versenkt und weggeräumt wurde.
Modern ging es weiter mit schwedischer, zeitgenössischer Musik „för strakar“ von Ingvar Lidholm. Den Abschluss bildete Joseph Haydns Sinfonie B-Dur.
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung des jungen schwedischen Dirigenten Stefan Solyom musizierte alle Stücke der verschiedenen Epochen sehr musikalisch und abwechslungsreich, so dass sie mit großem Beifall bedacht wurden. Als Zugabe brachte der tänzerische, manchmal fast schelmisch wirkende Dirigent eine lebhafte finnische Polka. Eines der Kinder bemerkte nach dem Konzert: „ Der ist an der einen Stelle richtig in die Luft gesprungen.“
Während sich die Philharmonie leerte, wartete der Orgelclub, sogar namentlich im Programm des Konzertes erwähnt, bis er von Agnes Rottland, der Verantwortlichen für die Kinder- und Jugendprojekte der KölnMusik GmbH, und Herr Bendel, Mitarbeiter von Orgelbau Klais in Bonn, im Block F abgeholt wurde. Danach folgte eine interessante Führung, beginnend am mechanischen Spieltisch, der quasi zwischen dem Hauptwerk und dem Rückpositiv versteckt liegt.
Dank der guten Vorbereitung in St. Maria Königin konnten die Kinder den Ausführungen gut folgen, konnten vieles wieder erkennen und erhielten dann auch von der Hinterseite, auf Höhe des Schwellwerks tolle Einblicke in das Innere der Klais-Orgel. Während Kantor Dieter Leibold spielte, konnten die Kinder durch geöffnete Türen und Klappen beobachten, wie sich die Züge bewegten, wie die Mechanik funktioniert, wie der Wind durch das Gehäuse geleitet wird und wie die Pfeifen angeordnet sind. Als dann gegen 21 Uhr keine Fragen von Seiten der Kinder mehr offen waren, verabschiedeten sich alle von Herrn Bendel, Frau Rottland und der Königin der Instrumente. Mäntel und Jacken wurden beim Pförtner abgeholt. Draußen warteten in der Kälte schon geduldige Eltern, um die jetzt müde gewordenen Kinder nach Hause zu bringen. Damit endete eine interessante, ungewöhnliche Exkursion des Orgelclubs. Weitere Aktionen werden folgen!! (M. Klein) |