
Wie kommt ein neuer Pfarrer zur Teilnahme an der Fußwallfahrt
Eine Pfarreinführung besonderer Art
Nicht in Waldorf, sondern im Pfarrhaus von Merten hatte ich meinen ersten Kontakt mit Waldorfer Pilgern der St. Matthias‑Bruderschaft. Am Abend des 27. April 1972 fand sich der Vorstand der Bruderschaft dort ein, um mit dem Pfarrer von Merten die Wallfahrt dieses Jahres zu besprechen. Waldorf war nämlich seit Beginn des Jahres 1972 ohne Pfarrer, da der letzte Pastor Heinrich Spans am 2. Januar 1972 in den Ruhestand getreten war. Für die Zeit der Vakanz war der Pfarrer von Merten, Herbert Zbiek, zum Pfarrverweser ernannt worden. Die Wallfahrt 1972 hatte für Waldorf eine besondere Bedeutung: Es galt, das 300 jährige Jubiläum der Wallfahrt zu begehen. Da war allerlei zu überlegen.
Außer den genannten Personen nahm noch jemand an den Beratungen dieses Abends teil, der Schreiber dieser Zeilen. Seit dem 11. Februar war ich durch Kardinal Höffner zum Pfarrer von Waldorf ernannt worden, doch noch nicht in mein neues Amt eingeführt. Durch meinen Freund und Pfarrverweser Herbert Zbiek erfuhr ich von der bevorstehenden Wallfahrt und dem großen Jubiläum. Das war Grund genug, mit der St. Matthias‑Bruderschaft schon vor der Pfarreinführung Verbindung aufzunehmen, und so reiste ich nach Merten.
Mein Beitrag zu den Beratungen bestand im Zuhören und Fragen, um das Wichtigste über die langjährige Wallfahrt und die St. Matthias Bruderschaft in Erfahrung zu bringen, Je mehr ich erfuhr, desto mehr reifte in mir der Entschluss, an der Wallfahrt teilzunehmen. Wo konnte ich besser meine zukünftigen "Schäfchen kennen lernen, als wenn ich drei Tage rund um die Uhr mit ihnen zusammen war? Dazu kam noch ein weiterer Gesichtspunkt. Wenn der Herrgott mich als seinen Apostel" zu den Waldorfern schickte, war es da nicht sinnvoll, am Grab des Apostels die Kraft und die Gnade hierzu zu erbitten, von dessen Ruhestätte her sich der Glaube über unsere Heimat ausgebreitet hatte?
Von meinen Überlegungen ließ ich vorerst nichts verlauten, sondern deutete nur die Möglichkeit einer eventuellen Teilnahme an. Wenn, dann sollten die Waldorfer schon überrascht werden.
In der Folgezeit gab es noch genauere Erkundigungen und einige vertrauliche Telefonate mit dem Brudermeister. So nahte der 11. Mai heran, der Himmelfahrtstag und Tag der 300 jährigen Jubiläums‑Wallfahrt. Am frühen Morgen stellte ich meinen Wagen am Pfarrhaus in Merten ab, das Gepäck wurde umgeladen, und dann fuhr mich mein Freund zum Junggesellenkreuz oberhalb von Waldorf. Nach einiger Zeit erschien die Prozession mit rund 40 Pilgern, hielt am Junggesellenkreuz zum Gebet an, und der neue Pastor reihte sich in die Schar der Pilger ein. So begann meine erste Pfarreinführung, die zweite, offizielle war vierzehn Tage später.
|