Vom rechten Wallfahren
„Anleitung, wie man eine Wallfahrt in
gottgefälliger
und heilsamer Weise machen soll“ Aus dem Cölnischen Wallfahrtsbuche 1762
1. Unternimm die Wallfahrt nur in guter Meinung und in reiner
Absicht: Gott dem Allerhöchsten zu Liebe, zur Verehrung seiner
Heiligen, zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit, zur Buße für deine
Sünden und zur Erlangung der dir notwendigen Gnaden.
2. Trage Sorge, daß du im Stande der Gnade die Wallfahrt machest
und empfange deshalb vor dem derselben oder doch am Wallfahrtsorte
die hl. Sakramente der Buße und des Altars mit wahrhaft reumütigem
Herzen und in bußfertiger Gesinnung mit dem festen Entschluß, dein
Leben zu bessern insbesondere alle sündhaften Gewohnheiten
ernstlich abzulegen Gelegenheiten zur Sünde sorgfältig zu
meiden.
3. Entschlage dich auf der Wallfahrt aller häuslichen Sorgen und
irdischen Gedanken, auf dass dein Herz sich umso leichter zu Gott
erhebe in wahrer Andacht und dein Gebet umso sicherer Erhörung
finde.
4. Verhalte dich derart auf dem ganzen Weg, daß durch
Eingezogenheit und Bescheidenheit, durch Mäßigkeit in Speis und
Trank, durch Freundlichkeit und Dienstfertigkeit gegen
Hilfsbedürftige allen, die dich sehen, ein gutes Beispiel gebest
und ihnen zur Erbauung gereichest.
5. Stelle dir in lebendigem Glauben oftmals vor, daß du in
Gottes Gegenwart wandelst, daß seine hl. Engel dich begleiten und
alle deine Schritte zählen, daß all deine Gebete und deine guten
Werke, so sie recht verrichtet sind, und alle Mühen und
Beschwerden, die du geduldig erträgst, von ihnen aufgezeichnet
werden im Buche des Lebens und dir einst gereichen sollen zur
größeren Glorie, die der Herr uns allen gnädigst verleihen
wolle. |