|
Alle Jahre wieder ... Treffen sich Sternsinger am Ohligser Bahnhof, um zur
Aussendungsfeier in den Dom zu fahren. So auch dieses Jahr.
Aber diesmal ist einiges anders. Die Sternsinger werden von „großen“ Königen
begleitet. Weit gereist, wie die Heiligen aus dem Morgenland und wirklich dunkelhäutig (ganz ohne
Schminke): einer kommt aus Indien (Pater Yesudas), einer aus Ruanda in Afrika (Don Fabien
Hagenimana) und der dritte ist ein echter kölsche Jungg, unser Msgr. H.M. Jansen. Gehüllt in
Gewänder aus der königlichen Handschneiderei von Ursula Drießen sorgen diese drei für einiges
Aufsehen, nicht nur im Dom.
In diesem Jahr sammeln die Sternsinger des Erzbistums Köln für Projekte in Peru.
Die Ohligser Jugendlichen wollen jedoch eine andere Arbeit unterstützen: das Kinderheim „Boys
of St. Joseph`s Orphanage“ in Kerala, Indien braucht ein neues Dach. Grund genug für das Team
der WIR, Informationen hierüber zu sammeln.
Das Kinderheim liegt in der Stadt Kadackal, Diözese Punalur, im Bundesstaat Kerala. Dies ist
ein langgezogener Streifen an der Südwestküste der indischen Halbinsel am Arabischen Meer. Die
Hauptstadt Trivandrum hat ca. 500.000 Einwohner, Kerala insgesamt ca. 29 Millionen, Indien ca. 1
Milliarde.
Das Projekt „Kinderheim“ wurde 2003 gestartet. Die Betreuung dieses Hauses wurde
dem Orden der Karmeliter, zu dem auch Pater Yesudas gehört, vom Bischof für 10 Jahre anvertraut.
Hier lebten zu erst 13 Jungen, heute sind es bereits 30 im Alter von 10—13 Jahren. Sie
erhalten hier eine Schulausbildung in der benachbarten Schule und anschließend eine
Berufsausbildung in einem Handwerksberuf, z.B. Tischler. Wie fast alle Schulen in Kerala, so ist
auch diese Schule hier Eigentum der Kirche. Das Gebäude, in dem die Jungen wohnen, das ehemalige
Pfarrhaus, ist in einem sehr schlechten Zustand, vor allem weil das Dach undicht ist. In der
Regenzeit ist es unmöglich, hier zu wohnen und auf Dauer nimmt das gesamte Gebäude großen Schaden.
Daher ist eine Reparatur dringend nötig. Die Gesamtreparaturkosten betragen ca. 7.900,00 Euro.
Unsere fleißigen Sternsinger haben bereits 3.730,42 Euro „ersungen“.
WIR haben die Gelegenheit genutzt und bei dem langen Gespräch mit Pater Yesudas
nicht nur über diese Sternsingeraktion, sondern mehr über seine Heimat und seine Zukunftspläne
gesprochen, denn leider wird uns Pater Yesudas im Sommer 2006 wohl verlassen.
Pater Yesudas stammt aus Quilon, Kerala, ca. 6.400 km von uns entfernt. Schon
Vasco da Gama, der 1498 als erster Europäer Indien entdeckte, war angetan von dem guten Klima
dieser Region. Die Temperatur liegt nie unter 20°C, was eine üppige Vegetation zur Folge hat: Reis,
Papaya, Cashew, Süßkartoffel, Kokospalmen, 18 Sorten Bananen, 25 Sorten Mangos, Ananas und vieles
mehr wird hier angebaut.
Die Menschen leben aus unserer Sicht in „einfachen“ Verhältnissen.
Eine Familie lebt oft in nur zwei Zimmern, ein Schrank ist ausreichend für alle (Wintersachen sind
unnötig). Die Türen sind immer offen, Kinder laufen rein und raus. Die Ansprüche sind gering.
Dementsprechend kam Pater Yesudas mit nur einem kleinen Koffer nach Deutschland. Für die Rückreise
dürfte er allerdings nicht mehr ausreichen - unsere Ansprüche scheinen ansteckend zu
sein.
In Kerala gibt es keine Analphabeten. Grund hierfür sind die zahlreichen
Schulen, die von christlichen Missionaren (Jesuiten) gegründet wurden. Nach dem Motto: „Wo
ein Kirchturm gebaut wurde, entstand auch eine Schulklasse“ (s. WIR 2/2001). Die
Schulausbildung ist kostenlos, z.T. wird ein Schulgeld von 10 Euro pro Jahr von der Familie
bezahlt. Zum Vergleich: ein Gärtner verdient umgerechnet 3—4 Euro pro Tag. In der Regel
besuchen die Kinder die Schule bis zum Alter von 13 Jahren. Bis die Kinder etwa 10 Jahre alt sind,
werden sie in der jeweiligen Landessprache unterrichtet (in Kerala ist das malayalam). Danach wird
in der Schule Englisch gesprochen.
Pater Yesudas hat vier Schwestern und einen Bruder. Er wuchs in einer Gemeinde
mit ca. 8.000 Katholiken auf. Zunächst besuchte er die Grundschule am Ort, anschließend
weiterführende Schulen, bis er von 1979 bis 1982 Wirtschaftswissenschaften an der Universität in
Kerala studierte und dort den Bachelor-Abschluss erhielt. Seine Hobbies waren zu dieser Zeit
Schwimmen und Angeln.
Schon lange Zeit hatte er den Wunsch, Franziskaner zu werden, weil deren Lebensphilosophie
ihm sehr zusagt. Vom Orden wurde er jedoch nicht aufgenommen, da er der älteste Sohn ist und damit
für seine Familie sorgen muss. Gemeinsam mit dem Vater trifft der älteste Sohn wichtige
Entscheidungen, z.B. zur Mitgift der Schwester.
Obwohl auch seine Familie nicht begeistert ist, tritt er 1983 in den Karmeliterorden zu Kochi
ein. Die Karmeliter legen mehr Schwerpunkt auf das Gebet. Seit dem II. Vatikanischen Konzil
arbeiten sie jedoch auch verstärkt in den Gemeinden. Das erste Jahr im Orden ist eine Probezeit mit
Arbeit in der Gemeinde. 2 bis 3 Monate lang lebt man in einer Familie, um den Blick für den Alltag
der Menschen zu behalten.
Pater Yesudas absolviert sein Noviziat, studiert nacheinander Philosophie und Theologie und
erhält für diese Fächer 1988 resp. 1991 den Bachelor-Abschluss. Am 25. Januar 1992 wird er
nun auch zur Freude der gesamten Familie in seinem Heimatort zum Priester geweiht. Auch seine
Schwester Grace entscheidet sich etwas später, einem Orden beizutreten. Sie ist heute Leiterin der
Grundschule des Klosters. Die anderen drei Schwestern sind verheiratet.
Bis 1996 war Pater Yesudas Direktor des Priesterseminars der Karmeliter in
Trivandrum. 1997 berief ihn der Karmeliterorden nach Deutschland, wo er zunächst an der Würzburger
Universität die deutsche Sprache erlernte. Seit August 2001 ist er nun bei uns in St. Joseph.
Wie geht es weiter?
Diese Entscheidung trifft immer die Ordensleitung. Pater Yesudas möchte gerne
2—3 Jahre in Rom studieren, wo der Orden für seine Studenten ein eigenes Haus hat. Hier
trifft man Karmeliter aus der ganzen Welt. In Rom möchte er seine Doktorarbeit über Therese von
Lisieux schreiben.
Es könnte aber auch sein, dass er in die USA geschickt wird (dort arbeiten zur Zeit
fünf Priester des Ordens), oder für 1—2 Jahre nach Indien.
Noch ist alles ungewiss.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Ordensbrüder kein Gehalt
bekommen. Über die Verwendung des ihnen zur Verfügung stehenden Geldes müssen sie genau Buch
führen. Einmal im Jahr bekommen sie ein Flugticket in ihre Heimat. Pater Yesudas ist nicht der
einzige Karmeliter aus Kerala, der in Deutschland arbeitet. Insgesamt leben fünf Priester in
Deutschland, davon drei im Bistum Paderborn und zwei im Erzbistum Köln. Sie treffen sich alle
sechs Wochen zum Austausch von Erfahrungen. Ob Pater Yesudas dabei manchmal lügt? Das Lügen
hat er nämlich bei seiner ersten Messdienerfahrt beim Kartenspiel gelernt.
Zur Zeit macht Pater Yesudas vier Wochen Heimaturlaub und wird die
Gelegenheit nutzen, das Kinderheim zu besuchen. Sicher wird er auch die gute Nachricht von der
Spende überbringen.
Da das „Dach“ von dem ersungenen Geld noch nicht ganz abgedichtet werden kann,
freuen WIR uns (… und die Kinder sich), falls weitere Spenden eingehen. (Diese bitte ans
Pfarrbüro).
Ganz herzlichen Dank für Ihre Mithilfe und unserem Pater Yesudas alles Gute für
seine Zukunft
Odile Canévet-Schlömer
Bärbel Güthues
|