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Ulrich Bohle ist ein echter Ohligser, denn wie er selber betont, wohnt er ununterbrochen in Ohligs. Geboren ist er 1940 allerdings in Haan, er ist verheiratet, hat zwei Töchter und heute fünf Enkelkinder.
Nach dem Besuch der Schule Bogenstraße und des Humboldtgymnasiums musste er Ohligs vorübergehend zum Studium verlassen, den 1. Wohnsitz in Ohligs behielt er jedoch. Herr Bohle studierte trotz anfänglichen Zögerns in Freiburg und Aachen Naturwissenschaften und Maschinenbau mit dem Abschluss Diplom Ingenieur, um den Familienbetrieb, die heutige Bohle AG, gemeinsam mit seinem älteren Bruder weiterzuführen. Die Firma Bohle wurde 1923 von seinem Großvater mit Sitz an der Grenzstraße in Ohligs gegründet. Hier werden Werkzeuge und Zubehör für die Glasverarbeitung in Handwerk und Industrie gefertigt und vertrieben. Aus Platzmangel zog das Unternehmen ab 1970 in vielen Bauabschnitten nach Haan ins Industriegebiet West. Heute beschäftigt die Bohle AG 300 Mitarbeiter im In– und Ausland.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit nahm sich Ulrich Bohle dennoch Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Seit ca. 30 Jahren ist er ununterbrochen Mitglied im Kirchenvorstand St. Joseph (KV) und davon viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender (den Vorsitz hat immer der Pastor einer Gemeinde). Außerdem gehört Herr Bohle als Vertreter der Kirchengemeinde seit 1983 dem Aufsichtsrat der St. Lukas Klinik an. Zunächst gemeinsam mit Herrn Pastor Jansen, später mit Herrn Donat und heute mit Herrn Erbel, 15 Jahre davon als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Während dieser Zeit erfolgte der Ausbau der St. Lukas Klinik zum heutigen Krankenhausverbund K-plus. Zu seinen Hobbys gehören Wandern, Kunst und Kunstgeschichte sowie die Auseinandersetzung mit philosophisch-theologischen Fragen.
In der heutigen Situation der kath. Kirche (Zusammenlegung von Gemeinden und Mangel an Priesternachwuchs, „wodurch die Herden größer werden“, so Herr Bohle), macht er sich intensiv Gedanken über die Zukunft der Kirche.
Diese Zukunft will gestaltet werden. Nachdem die Verwaltungsaufgaben neu definiert sind (Kostensenkung durch Zusammenlegung, festlegen der Aufgaben für die neuen Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände, etc.) muss an einer Strategie gearbeitet werden. „Wie gehen wir mit der neuen Situation um?“
Ulrich Bohle nennt die wichtigsten Aufgaben der Kirche:
Glauben verkünden (Mission)
Glauben praktizieren (Caritas)
Glauben feiern (Liturgie)
Ca. 10 % der katholischen Christen sind in den Gemeinden aktiv. Diesen Menschen muss die Kirche weiterhin ein Zuhause bieten, d.h. wertvolles Bestehendes so weit wie möglich erhalten. Aber die Kirche muss auch Wege suchen, den Glauben nach außen zu verbreiten und das in einer Zeit, in der die religiöse Bildung sichtlich abnimmt.
Für Ulrich Bohle beginnt Glauben mit Staunen. Hier zitiert er eine mittelalterliche Weisheit:
Ich bin, ich weiß nicht wer
Ich komme, ich weiß nicht woher
Ich gehe, ich weiß nicht wohin
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin.
Jeder ist mit diesen Fragen konfrontiert. Und unser Glaube hat überzeugende Antworten auf solche existentiellen Fragen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht viele Menschen gibt, die über solche Fragen mit uns ins Gespräch kommen möchten“
Ulrich Bohle: „Es ist wichtig, eine Vision zu haben, um die Richtung vorzugeben, aber auf diesem Weg braucht man Ziele, die erreichbar sind, und man braucht eine Strategie, die die Wege beschreibt, auf denen die Ziele erreicht werden sollen. Hier stellen sich Fragen:
„Was wollen wir als Kirche/ Gemeinde sein, was wollen wir tun? Wie wollen wir die Aufgaben der Kirche in Solingen erfüllen? Wie wollen wir ein lebendiges Interesse wecken? Wie wollen wir den Glauben feiern, den Glauben praktizieren, den Glauben verbreiten?
Weil ihn diese Fragen sehr interessieren, hat sich Ulrich Bohle bereits eingehende Gedanken gemacht und Ideen entwickelt, wie z.B.:
- Kurse zur Glaubensbildung anbieten (Hieronymus: Wer die Bibel nicht kennt, lernt Jesus nicht kennen)
- Gesprächs– und Diskussionsrunden
- Die zahlreichen Aktivitäten der Kirche in Solingen neu ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen und zu einem integralem Netzwerk verknüpfen (Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten, Caritas, etc.)
- Die Bedeutung der Kirche auch als wichtiger Arbeitgeber hervorheben
Um solche Ideen in die Tat umzusetzen, könnte sich Herr Bohle die Bildung eines Kernteams auf Dekanatsebene vorstellen, das aus Seelsorgern, Vertretern aus o.g. Einrichtungen, PGR, KV und Jugendorganisationen, etc. besteht.
Gerade in der jetzigen Phase sind Menschen, die wie Ulrich Bohle aktiv an der Umstrukturierung mitarbeiten, für die Gemeinden unverzichtbar. Denn, dass umstrukturiert werden muss ist unvermeidlich, aber die Art und Weise vor Ort können wir alle mitgestalten. WIR hoffen, dass viele mitmachen, denn dann können und werden viele Ideen entstehen, die das Leben in den Gemeinden lebendig halten und die wichtige Aufgabe der Seelsorge nicht aus den Augen verlieren.
WIR danken Herrn Bohle für ein interessantes, nachdenkenswertes Gespräch und freuen uns schon auf eine Fortsetzung, vielleicht im neu zu gründenden Kernteam, denn nur wer mitmacht, kann aktiv an der Gestaltung der Zukunft unserer Gemeinden mitarbeiten und wird dabei neue starke Impulse für den eigenen Glauben erhalten.
Odile Canévet-Schlömer
Bärbel Güthues
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