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Zuhören heißt helfen
Wir sind für jeden da
— zu jeder Zeit
Jeder hat schon einmal davon gehört, aber nur die wenigsten von uns wissen genau, was die Telefonseelsorge ist. Das 30-jährige Bestehen haben WIR zum Anlass genommen, hinter die Kulissen der TelefonSeelsorge zu schauen.
1956 wurde die Telefonseelsorge in Deutschland gegründet, 21 Jahre später in Solingen von Pastor W. Dünneweil. Zurzeit gibt es 105 TS-Stellen in ganz Deutschland.
Mittlerweile machen 7000 ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen die 24-Stunden-Präsenz der TS möglich. Sie engagieren sich unentgeltlich und neben ihren sonstigen beruflichen und familären Verpflichtungen. Allen gemeinsam ist das Bekenntnis zur christlichen Ethik. Die TelefonSeelsorge ist einwichtiges Stück gelebter Ökumene der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland.
In Solingen sind zurzeit 30 Ehrenamtliche tätig und auch der Vorstand in Solingen besteht nur aus Ehrenamtlichen (6 Mitglieder). Fast alle anderen TS-Stellen in Deutschland, die meisten in gemeinsamer Trägerschaft der Evangelischen und Katholischen Kirche, werden von fest angestellten Vorständen geleitet.
Um den Dienst rund um die Uhr (24 Stunden) gewährleisten zu können, arbeitet die Solinger TelefonSeelsorge mit Wuppertal zusammen (70 Aktive).
Probleme. Gespräche.
Und oft auch neue Hoffnung.
Die TelefonSeelsorge steht Menschen in Problem-/ Krisensituationen zur Verfügung, oft sogar als einziger Ansprechpartner. Wenn niemand da ist, mit dem man über seine Sorgen sprechen kann oder will, und man dennoch das Bedürfnis hat, sich jemandem anzuvertrauen, dann ist die TelefonSeelsorge da. Im Gespräch (am Telefon) wird versucht, einen Weg zu finden das Problem zu lösen oder besser damit fertig zu werden. Denn wer sein Problem in Worte fasst, sieht oft schon klarer. Oft ein wichtiger erster Schritt, um wieder Mut und Hoffnung zu fassen.
Das Telefon ist ein Medium, dass gleichermaßen Nähe und Distanz zulässt. Die Nähe eines menschlichen Gegenübers mit einer Stimme, die zu einem spricht. Die Distanz, die man manchmal braucht, um sich einem anderen mit seinen Problemen anzuvertrauen.
Sieben Grundsätze charakterisieren das besondere Beratungs– und Seelsorgeangebot der TelefonSeelsorge.
Anonymität: Niemand wird nach seinem Namen gefragt. Jeder kann seine Anonymität wahren, wenn er oder sie dies möchte. Auch erscheint die Rufnummer der Anrufenden in keinem Display, wird nicht gespeichert und kann nicht zurückverfolgt werden. Der Anruf hinterlässt keine „Datenspur“ - nicht einmal auf der Telefonrechnung.
Verschwiegenheit: Alle Mitarbeiter/ Innen der TelefonSeelsorge unterliegen der Schweigepflicht.
24-Stunden-Dienst: Die TelefonSeelsorge leistet ihren Dienst rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen.
Offenheit: Die TelefonSeelsorge ist offen für alle Problembereiche und respektiert die Anrufenden in ihrer jeweiligen Situationen.
Kompetenz: Die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter/Innen der TelefonSeelsorge sind sorgfältig ausgewählt, haben eine mindestens einjährige Ausbildung absolviert und werden durch regelmäßige Supervision und Fortbildung begleitet.
Weltanschauliche Offenheit: Auf die Anrufenden wird keinerlei Druck ausgeübt - weder in konfessioneller noch in politischer oder ideologischer Hinsicht.
Kostenfreiheit: Den Anrufenden entstehen keinerlei Kosten. Die anfallenden Gesprächsgebühren werden von der Deutschen Telekom als Partner der TS getragen.
Engagement. Anteilnahme.
Qualifikation.
In einem sehr informativen Gespräch hat ein Mitarbeiter der Telefon-Seelsorge Solingen, WIR nennen ihn Herrn T., über seine Erfahrungen, seine Motivation und auch über seine Kraftquellen berichtet. Seinen Namen können WIR nicht nennen, denn auch für die Mitarbeiter der TS ist Anonymität unverzichtbar, nicht zuletzt zu Ihrer eigenen Sicherheit.
Seit 6 Jahren ist Herr T. dabei und er hat schon einiges „erhört“. Menschen aus allen sozialen Schichten rufen bei der TelefonSeelsorge an, Menschen, die sich in manchmal unvorstellbaren Lebenssituationen befinden. Es ist oft erstaunlich, was Menschen ertragen können und ertragen müssen. Jeder Anrufer findet ein offenes Ohr: offen, ehrlich, vorurteilslos.
Oft ist es nicht möglich, das Problem des Anrufers zu lösen, aber im Gespräch können Lösungsansätze aufgezeigt, kann neue Kraft geschöpft und können andere Perspektiven entdeckt werden.
Aktuelle Gesellschaftsprobleme spiegeln sich in den Anrufen wider: wachsende Einsamkeit, Depressionen, Armut, Arbeits– und Perspektivlosigkeit. Herr T. erzählt uns u.a. von Kindern, die abends anrufen, weil sie alleine zu Hause sind, oft Kinder von Alleinerziehenden, die zur Arbeit sind. Alleine haben die Kinder oft Angst und suche Trost und Hilfe. Dann ist die TS eine Art „Babysitter“, der die Angst nimmt und ggf. eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest.
Nicht immer ist die Hilfe für den Anrufer so „einfach“, vielmehr führt der Dienst in der TelefonSeelsorge oft an die Grenze der psychischen Belastbarkeit.
Wo findet Herr T. die nötige Kraft? Seine Antwort ist klar und deutlich: „im Glauben und im Gebet!“ Er betont allerdings, dass es keinesfalls darum geht zu „missionieren“. Des Öfteren hat er aber festgestellt, dass auch für Menschen, die mit Religion nichts oder wenig anfangen können, ein Psalm oder ein gemeinsames Gebet sehr aufbauend wirken können. Gerne liest Herr T. aus Psalm 18 (.....Ich will den Herrn loben und anrufen, so werde ich von meinen Feinden erlöset.....) oder auch aus Psalm 139 (....Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken.
Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen.....).
Herr T.: „Gott ist bei den Gesprächen anwesend, er gibt mir die Kraft, den richtigen Gedanken im entscheidenden Moment, das gibt mir sehr viel Kraft. Die erfahrene Not, die oft sehr belastenden Gespräche kann ich „nach oben abgeben“.
Der christliche Glaube ist die gemeinsame Grundlage aller Mitarbeiter. Herr T. zitiert aus dem „Selbstverständnis“ der Telefon-Seelsorge Solingen:
Der Dienst am Telefon basiert auf den während der Ausbildung vermittelten Kenntnissen sowie auf christlichen Grundwerten und schöpft seine Kraft und Zuversicht aus der frohen Botschaft des Evangeliums. Damit unterscheidet sich die TelefonSeelsorge wesentlich von einer „allgemeinen“ Lebens-beratung.
Es gilt, Christus in die Gespräche mit hinein zunehmen und seine Wahrheit und Wirklichkeit den Menschen im Gespräch zu vermitteln. Dabei geht es nicht um missionarischen Eifer, sondern unser Ziel ist es, etwas von unserer Glaubens– bzw. Lebensfreude im Gespräch „durchscheinen“ zu lassen. Somit können die Menschen, denen wir am Telefon begegnen, zumindest erahnen, dass christlicher Glaube eine (neue) persönliche Kraftquelle für ein erfülltes Leben sein kann.
Christlicher Glaube und Nächstenliebe aber auch Lebenserfahrung, Leben-freude sowie ein positives Selbstbild sind Kompass für unseren Dienst am Telefon.
Manchmal stößt man im Dienst jedoch an seine Grenzen. Wenn die Würde des Mitarbeiters gefährdet ist (z.B. Sexanrufe, persönliche Beleidigung), dann wird das Gespräch beendet. Gute Gespräche, vor allem wenn sich Anrufer über einen langen Zeitraum immer wieder melden, führen manchmal beim Anrufer zu dem Wunsch nach einer persönlichen Begegnung. Diesem Wunsch wird in keinem Fall entsprochen, hier wird auf Dienststellen wie z.B. die Caritas hingewiesen.
Hilfe zur Selbsthilfe.
Dabei können auch Sie helfen!
In der Regel hat jeder Mitarbeiter zweimal im Monat Bereitschaft, Dauer 4—5 Stunden. In Solingen ist es mit „nur“ 30 Mitarbeitern nicht möglich, das Telefon rund um die Uhr zu besetzen, daher werden ggf. Anrufe nach Wuppertal weitergeleitet. Um das selbst gesteckte Ziel „24 Std. Präsens“ zu erreichen, würde sich die TelefonSeelsorge Solingen über weitere Mitarbeiter sehr freuen.
Interessierte können sich an folgende Adresse wenden:
TS Solingen e.V.
Postfach 100 190
42 601 Solingen
Näheres zur Ausbildung und Qualifikation der Mitarbeiter können Sie in der nächsten WIR, Ausgabe 01/2008 erfahren.
Ebenso sind Spenden herzlich willkommen, denn die TS erhält keine öffentliche finanzielle Unterstützung. Spenden bitte an die
Stadtsparkasse Solingen
Blz 342 500 00
Kto 531 855
Die TelefonSeelsorge hilft durch Zuhören, ist für jeden zu jeder Zeit da, und was ist der „Lohn“?
Herr T. strahlt: „Der schönste Lohn ist die Anerkennung, die Dankbarkeit, wenn die Stimme des Anrufers mit der Zeit weicher wird und vielleicht am Ende eines Gesprächs ein „Danke, gut, dass Sie da sind!“ zu hören ist.
Odile Canévet-Schlömer
Bärbel Güthues
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