Was ist ein „Hike“
(...oder ein „Hajk“?)
Bis zum 01. September 07 wussten wir es auch nicht. An diesem Tag sind wir dieser Frage und vielen anderen bei einem Besuch im alten Aufderhöher Freibad nachgegangen. Anlass war ein Geburtstag: der Stamm von Berg (unsere Pfadfinder) wurde 80 Jahre. Der Stamm hat zur Zeit vier Gruppen, 10 Mitarbeiter und ca. 30 aktive Mitglieder.
Schon am Freitag hatten die Pfadfinder ihre Zelte in Aufderhöhe aufgeschlagen. Für die aktiven Mitglieder des Stammes standen Geländespiele, Grillen, Lagerfeuer und Übernachtung am Ort auf dem Programm.
Am Samstag war der „offizielle“ Teil ab 14 Uhr, zu dem alle eingeladen waren (Handzettel wurden z. B. auf unserem Pfarrfest ausgeteilt). Viele andere Stämme, nicht nur aus Solingen, hatten eine Abordnung geschickt, der Bezirksvorstand und nicht zuletzt der Bürgermeister von Ohligs waren auch gekommen, um zu gratulieren. Am Abend wollten sich Ehemalige zum gemeinsamen Feiern und Austausch von Erinnerungen noch dazu gesellen.
Kaffee, Kuchen, Grillwürstchen und ein Salatbüffet warteten auf hungrige Gäste. Mit der Tasse Kaffee in der Hand konnte man einiges über die lange Geschichte des Stammes anhand von Texten und Bildern erfahren. Voller Stolz erzählten uns die Leiter des Stammes, Patrick Haas und Marina… , dass der 1927 gegründete Stamm von Berg wohl der älteste Stamm im ganzen…. ist.
1928 bildeten sich die ersten katholischen Pfadfindergruppen, z.B. in Wuppertal, am 7. Oktober 1929 wurde die DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) in Altenberg gegründet.
Die DPSG beruft sich auf den Gründer der Weltpfadfinderbewegung Lord Robert Baden Powell. Mit etwa 110.000 Mitgliedern ist sie nicht nur einer der größten Pfadfinderverbände Deutschlands, sondern auch die größte Jugendorganisation der Bundesrepublik
Die Grundlinien der Lebensauffassung der Pfadfinder sind:
- Leben in Hoffnung: Wir trauen uns und einander etwas zu, es handelt nicht jeder nur für sich.
- Leben in Freiheit: Wir wollen Menschen sein, die sagen, was sie denken und tun, was sie sagen. Dabei fordern wir von uns den Mut zum Risiko.
- Leben in Wahrheit: Wir gehen Dingen und Meinungen auf den Grund, bilden uns so unsere Meinung und treten für diese ein. Wir wollen Menschen sein, auf die man sich verlassen kann.
- Leben in tätiger Solidarität: Wir erkennen in jedem Menschen unseren Bruder und unsere Schwester. Wir achten und unterstützen einander.
Pfadfinder haben Ziele:
In der DPSG sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam unterwegs. Lernziele sind dabei Selbstvertrauen, Eigenständigkeit, Aufrichtigkeit, soziale Kompetenz sowie Toleranz und Offenheit. Kinder und Jugendliche sollen lernen, Fremdes und Neues nicht einfach abzulehnen, sondern als Chance und Bereicherung zu erfahren. In der Gruppe erleben Pfadfinder Gemeinschaft und lernen schrittweise Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Sie sollen sich aufrichtig und offen einbringen und so ihr Leben aktiv gestalten.
Pfadfinder haben auch ein „Gesetz“, bzw. Regeln. Als Pfadfinder/in…
- lebt man einfach und umweltbewusst.
- steht man zu seiner Herkunft und zu seinem Glauben.
- begegnet man allen Menschen mit Respekt und hat alle Pfadfinder und Pfadfinderinnen als Geschwister.
- geht man zuversichtlich und mit wachen Augen durch die Welt.
- ist man höflich und hilft da, wo es notwendig ist.
- macht man nichts halb und gibt auch in Schwierigkeiten nicht auf.
1961 erfolgte der Aufruf zur ersten Jahresaktion: »Flinke Hände, flinke Füße schaffen ein Werk für körperbehinderte Jugendliche«. Im Verlauf dieser Aktion kamen damals mehr als 250.000 Mark zusammen. Die Jahresaktionen mit wechselnden Schwerpunkten sind bis heute wichtiger Bestandteil der Arbeit der DPSG; dabei setzen sich die Pfadfinder mit politisch-gesellschaftlich aktuellen Themen auseinander und sammeln Geld für konkrete Projekte.
Aber…
Was ist nun ein Hike (englisch)
bzw. ein Hajk (schwedisch/norwegisch)?
Die Antwort auf diese Frage erhielten wir von Pfarrer Stefan Wagner während des Open Air Gottesdienstes.
Ein Hike ist eine mehrtägige Wanderung. Man macht sich auf den Weg. Dafür muss man gut vorbereitet und ausgestattet sein. Mit der von ……… zur Verfügung gestellten Ausrüstung und der Hilfe von Kindern, wie den Wölflingen Fabian, Lukas und Erik, erklärte Stefan Wagner in seiner lebhaften Predigt die wichtigsten Grundsätze für einen Hike, und im übertragenen Sinne für unseren gemeinsamen Weg: Gemeinschaft, sich auf den Anderen verlassen können, sich gegenseitig stärken und unterstützen, auf Ballast verzichten… Jeder ist wichtig, jeder hat eine Aufgabe.
Am Ende der Predigt überreichte Stefan Wagner sein Geschenk:
ein Kompass der Super-klasse, damit der Stamm von Berg das Ziel nicht aus den Augen verliert.
Stefan Wagner ist seit neun Jahren Diözesankurat der DPSG im Erzbistum Köln (Kurat: cura latein= Pflege, Fürsorge).
Drei Jahre wollte er das Amt des geistlichen Begleiters der Pfadfinder ausüben. Dann wurde er mit einer halben Stelle für die Pfadfinderarbeit vom Erzbischof freigestellt. Jetzt, kurz vor Ende seiner dritten Amtszeit fällt ihm der bevorstehende Abschied im Januar 2008 schwer. Nicht nur die jährliche Aktion „Friedenslicht aus Bethlehem“ (dabei tragen bis zu 2000 Pfadfinder aus dem Erzbistum Köln am vierten Adventssonntag in Köln das in der Geburtsgrotte in Bethlehem entzündete Friedenslicht in die Gemeinden) wird Stefan Wagner vermissen. „Bis zu meiner Wahl zum Diözesankuraten war ich kein Pfadfinder. Heute weiß ich, was mir als Kind und Jugendlicher entgangen ist. Ich habe in den vergangenen Jahren viele Menschen kennen gelernt, die sich für Kinder engagieren und an sie weitergeben, was sie selber einst positiv erfahren haben“, sagt er. Dazu gehöre wie selbstverständlich auch das Leben im Glauben. „Die katholischen Pfadfinder sind ein Verband in der Kirche, das bunte Gesicht von Kirche“. Sein größter Wunsch ist, dass auch in Zukunft „junge Menschen in der DPSG eine Prägung erhalten, um später als Sauerteig in der Gesellschaft zu wirken“. (Auszug aus einer in der Kirchenzeitung veröffentlichten Interview )
Die spannende Predigt von Stefan Wagner sowie die vom Stamm vorbereitete Messe schienen an diesem Samstagnachmittag die ca. 80 Teilnehmer regelrecht „mitzuziehen“. In seiner Begrüßung hatte Stefan Wagner betont, es sei „ein gewaltiges Fest“, das an diesem Tag gefeiert wurde. Auch die Sonne wollte mitfeiern.
Da Feiern und Singen zusammen gehören, wurde kräftig gesungen, begleitet von Christian an der Gitarre.
Das Hallelujah war international, wie die Pfadfinderbewegung. Zuerst wurden die Sprachkenntnisse der Anwesenden von Stefan Wagner kontrolliert. Deutsch, Englisch, Französisch, Latein, Griechisch: kein Problem. Auch für Russisch meldete sich eine junge Frau und es entstand ein kurzer Dialog in dieser Sprache zwischen ihr und Stefan Wagner. Nur Portugiesisch konnte keiner….
Das von den Pfadfindern ausgesuchte Evangelium wies wiederholt auf einen deren wichtigen Grundsätze hin: am Ende soll eine Gemeinschaft entstehen. Schlusssatz: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." (Mt 18,20)
Wie diese Gemeinschaft bei den Pfadfindern aussieht, machte das Abschlusslied -mit den entsprechenden Gesten- noch einmal deutlich :
1. Kriecht aus eurem Schneckenhaus, zieht die alten Kleider aus.
Wir wollen fair und ehrlich sein, setzen uns're Kräfte ein.
Refrain:
Kommt lasst uns den Anfang machen, wir probieren neue Sachen,
Wir brauchen Mut und Fantasie, sonst ändern wir die Erde nie.
||: Flinke Hände, flinke Füße, wache Augen, weites Herz,
Freundschaft, die zusammenhält, so verändern wir die Welt. :||
2. Steht nicht abseits, schließt den Kreis, jeder neue Freunde weiß. Wir brauchen Menschen, die mit uns geh'n, die Welt mit ihrem Herzen seh'n.
3. Seht die Welt mit wachen Augen, lasst die Sprüche, die nichts taugen.
Wir glauben an den guten Geist, der den rechten Pfad uns weist.
4. Singt die Lieder, tanzt, seid heiter, sagt es allen Leuten weiter. Wir haben Hoffnung, die uns trägt, die Brücken zu den Menschen schlägt (Musik: Luger Edelkötter Text: Wolfgang Poeplau)
Auch wir gratulieren und wünschen dem Stamm von Berg alles Gute für eine lange Zukunft, und wir verabschieden uns mit einem kräftigen
Gut Pfad!
Odile Canévet-Schlömer Bärbel Güthues
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