Erzählung aus dem Leben unseres Gemeindemitglieds Franziska Krause (Teil 5)
Familiengründung
Als der grauenhafte Molochkrieg seine Macht nach und nach verlor und unser schönes Land in
Schutt und Asche zurück ließ, konnten wir uns langsam von aller Not, allem Schrecken und Elend
erholen. Wir gründeten frohen Mutes eine Familie, in der die Musik immer noch im Mittelpunkt stand
und steht. Das erste Kindchen, ein kleines Mädchen hatte der liebe Gott sofort zu sich genommen.
Eine kleine Episode nach 9 Jahren Ehe:
Inzwischen sprangen schon drei Jungen fröhlich herum. Eines Morgens hatte der Papa die Oma
schon in aller Frühe aus Gladbeck geholt und bei seiner Rückkehr Omas Koffer abgestellt und voller
Begeisterung ausgerufen: ‚Kinder, ihr habt wieder ein Brüderchen bekommen!’ Die Jungen
sprangen voller Vergnügen aus den Betten und Ansgar rief schlagfertig mit Blick auf den Koffer:
‚Dann pack ihn mal aus!’
So brachten unsere Kinder Leben ins Haus. Sie haben ihre Schulzeit gut überstanden, sogar mit
Musik, was man nicht unbedingt erwarten konnte. Sie hörten viel Musik und suchten sich ihre
Instrumente selbst aus. Engelbert wollte Klavier spielen, Ludger interessierte die Querflöte,
Ansgar fühlte sich von der Geige am meisten angesprochen und Godehard liebte den warmen Celloton.
Sie hatten gute Vorbilder und spornten sich gegenseitig zu gutem Spiel an. In ihrer Jugend
interessierten sie sich natürlich auch für die Beatmusik. Daher wollten drei von ihnen in einer
Band spielen. Engelbert nahm einige Stunden Schlagzeug-Unterricht bei unserem städtischen
Schlagzeuger. Ansgar entschied sich für die Leadgitarre und Godehard wechselte vom Cello zur
Bassgitarre. So hatten sie die perfekte Basis für eine Band geschaffen, die später noch durch zwei
Freunde vergrößert wurde und überwiegend im Solinger Umfeld aufgetreten ist. Heute sind meine Söhne
in sehr unterschiedlichen Bereichen berufstätig. Engelbert der älteste, ist Richter an einem
Bergischen Amtsgericht. Ludger hat seines Vaters Praxis übernommen und Ansgar betreut als
Hauptfachlehrer Gitarrenklassen an den Musikhochschulen Saarbrücken und Köln, wo Godehard als
Steuerberater tätig ist.
In unserer Ohligser Gemeinde habe ich mich immer wohl gefühlt. Früher ging ich jahrelang jede
Woche zur Schriftlesung unseres Herrn Pastor und unsere vier Söhne waren Messdiener, Engelbert
zusätzlich eifriger Scholasänger. Heute habe ich den Eindruck, dass es in unserer Gemeinde
weiterhin bergauf geht. Die Kirchgänger wirken immer frisch und fröhlich und haben viel Verständnis
füreinander.
Ich bin äußerst dankbar dafür, dass unsere Familie von größeren Schicksalsschlägen verschont
geblieben ist und meine fünf Enkelinnen und Enkel bis heute gesund sind.
Zum Schluss noch ein Fazit einer alten Dame, einer Ohligser Kirchgängerin, die ich oft
gesehen, aber noch nie gesprochen hatte. Nur heute sprach sie mich an und sagte:
‚ Ongere Pastoor, dä is eemolig,
Den git et hier nich noch eemol,
un so freundlich wie dä, is hier niemand,
un meist noch lachend dobie!’