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Vorgeschichte:
Die ersten Pläne zur Errichtung einer Kirche in Weißenberg datieren aus dem Jahre 1856. Im Jahre 1871 stiftete Elisabeth Viehoff aus Neuss ein Grundstück für den Kirchbau und legte mit 30.000 Mark den Grundstock für einen Baufonds. Die erforderlichen Gelder sammelte ab 1872 ein eigener Kirchbauverein, außerdem trug der im selben Jahr gegründete "Kirchengesangverein" (heute der "Chor St. Josef") mit Aufführungen zum Erfolg der Spendenaktionen bei.
Bau der Pfarrkirche:
Trotz der Wirren des Kulturkampfes (Priester wurden ihres Amtes enthoben, Orden wurden verboten, der "Kanzelparagraph" verbot Priestern, in staatlichen Angelegenheiten Kritik zu üben)konnte am 24. Oktober 1883 der Grundstein der Josefskirche gelegt werden. Der Bau der Kirche schritt rasch voran. Die Leute, die keine Zugtiere hatten, leisteten die notwendigen Dienste wie Auf- und Abladen unentgeltlich. Der Bau kostete insgesamt 86.000 Mark. Wer der Kirche eine Bank stiftete, konnte für 10 Jahre einen festen Platz oder zwei Plätze für fünf Jahre beanspruchen. Ab Juni 1886 wurden die Plätze in den Seitenschiffen jährlich öffentlich versteigert.
Einweihung von Pfarrkirche und Friedhof:
Anläßlich einer Firmungs- und Visitationsreise im Dekanat konnte Erzbischof Philippus Kremenz am 7. Oktober 1888 die neue Kirche konsekrieren. Dieser Tag war für die ganze Furth ein Freudentag. Bei schönstem Wetter, festlich geschmückten Häusern und Straßen feierte die Gemeinde mit ihrem Erzbischof das Fest. Abends brachte sie ihrem Oberhirten "Serenade" und Fackelzug dar. Auf einem der Kirche geschenkten Grundstück "an der Eisenbahn" wurde der -bis heute in Neuss einzige- kircheneigene Friedhof errichtet und 1888 feierlich seiner Bestimmung übergeben.
Stiftung der Orgel:
Im Jahre 1888 hatte Wilhelm Reinartz eine Orgel gestiftet, die von der Firma Klais in Bonn gebaut wurde. Im Abnahmeprotokoll wird die hervorragende Arbeit des Orgelbauers besonders hervorgehoben mit der Bemerkung, "daß bei der lobenswerten Arbeit, die der Orgelbauer geliefert habe, der Preis von 6.325 Mark als äußerst mäßig genannt werden könne." Das bis dahin genutzte Harmonium wurde der Kapelle in Niederdonk geschenkt.
Aufblühen der Vereine:
Am 18. Juli 1897 konnte der älteste Verein der Pfarre - der im Jahre 1872 gegründete Kirchengesangverein - sein 25jähriges Stiftungsfest feierlich begehen. Daneben waren im Laufe der Zeit viele andere Vereine gegründet worden, die ein emsiges Vereinsleben entwickelten. Zu nennen sind der Borromäusverein, der Bonifatius- und Kindheit-Jesu-Verein, der Katholische Arbeiterverein, der Volks- und Jünglingsverein. Die Marianische Kongregation der Jungfrauen stellte sich unter den besonderen Schutz der hl. Ursula und ihrer Gefährtinnen. Die Mitglieder sollten sich als echte Töchter der katholischen Kirche erweisen, sie gingen monatlich zur Kommunion und hielten gemeinsam Andacht.
Der Beginn der Further Kirmes:
Traditionsgemäß feierten die Further in alter Verbundenheit mit ihren früheren Pfarreien Büderich, Kaarst und Neuss tüchtig mit, wenn dort bei Musik, Tanz und gutem Essen die Schützenfeste abgehalten wurden. Dieses mehrmalige Feiern mißfiel dem Pastor und den vorgesetzten Behörden. Nach mehrfachen Verhandlungen mit der Stadt bestimmte der Landrat am 17. April 1900, daß die Pfarrgemeinde Weißenberg-Neusserfurth nur eine gemeinsame Kirmes - und zwar an den Pfingsttagen - halten durfte. Ausdrücklich wurde verfügt: "Zur Zeit der Neusser, Büdericher und Kaarster Kirmes dürfen keine öffentlichen Tanzlustbarkeiten abgehalten werden."
Der erste Weltkrieg:
1917 mußte die Pfarre schweren Herzens drei Glocken zu Kriegszwecken abliefern. Die größte Glocke blieb der Kirche erhalten. Im gleichen Jahr mußten dann auch noch die Prospektpfeifen der Orgel für 600 Mark abgegeben werden. Insgesamt 104 Gemeindemitglieder fielen zwischen 1914 und 1918. Ihre Namen stehen heute noch in einem Buch in der Marienkapelle der Josefskirche verzeichnet.
Das Gemeindeleben nach dem Krieg:
Nach den langen Kriegsjahren, der Niederlage und der Novemberrevolution war - wie überall - auch in der Pfarrgemeinde ein starker Niedergang des religiösen Lebens zu verzeichnen. Um dem entgegenzuwirken, wurden allenthalben wieder Volksmissionen abgehalten; so auch in St. Josef im Dezember 1921 von Lazaristenpatres aus Köln. Wie die Chronik berichtet, war der Erfolg beachtlich: "Ca. 900 Männer und Jünglinge, 1000 Frauen und Jungfrauen und 250 Schulkinder empfingen in der Schlußfeier die heilige Kommunion".
Der zweite Weltkrieg:
Unter Hinweis auf die "militärische Sicherheit" wurde das Pfarrleben nach Ausbruch des Krieges am 1. September 1939 erheblich eingeschränkt: das Läuten der Glocken wurde mit Hinweis auf den Luftschutz eingestellt, die Wallfahrtsprozession nach Niederdonk mußte ausfallen und von der Kanzel wurde die Aufhebung des Fast- und Abstinzgebotes verkündet. Das Läuteverbot wurde im November 1939 gemildert, dafür wurde später die Besucherzahl auf 300 pro Gottesdienst eingeschränkt (!). Bei einem schweren Luftangriff in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 1943 wurde die Kirche außen und innen schwer beschädigt: sämtliche 33 Fenster waren zerstört, das rechte Seiten- und das Hauptdach weitgehend abgedeckt, das Gewölbe im rechten Seitenschiff gerissen; in der Marienkapelle drohte Einsturzgefahr.
Die Nachkriegszeit:
Nach dem Ende der Kriegshandlungen erlebte das religiöse Leben in der Gemeinde trotz großer Not einen Aufschwung: die Gottesdienste waren gut besucht und Kaplan Kempen führte den seit 1946 wieder gemischten Kirchenchor zu beachtlichen Leistungen, wobei vor allem der gregorianische Choral intensiv geplegt wurde. Am 1. Mai 1946 gründeten sieben junge Männer die Kolpingsfamilie Neuss-Furth, die innerhalb von zwei Jahren bereits 46 Mitglieder hatte. Im Jahre 1946 wurden 112 Kinder getauft, das waren doppelt so viele wie 1945. Die Zahl der sonntäglichen Kirchenbesucher stieg von 1800 im Jahre 1945 auf 2500 im Jahre 1947 (bei ca. 7000 Gemeindemitgliedern.
Aufbaujahre 1948-1954:
Trotz der finanziellen Schwierigkeiten, welche die Währungsreform vom 20. Juni 1948 mit sich brachte, wurde im selben Jahr wieder ein Kirchbauverein gegründet, der die notwendigsten Aufbauarbeiten in Angriff nahm, so z. B. die Einwölbung des rechten Seitenschiffs. Nachdem das gesamte Kirchendach im Jahre 1951 neu verschiefert worden war, wurde die Kirche von innen völlig eingerüstet und innerhalb von zwei Monaten restauriert. Der damalige Kölner Dombaumeister Weyers zeigte sich mit den Arbeiten sehr zufrieden und empfahl, den Chorraum neu zu gestalten, den beschädigten Hochaltar durch einen neuen, auf höher gelegenem Chor zu ersetzen und besonderen Wert auf die Neuverglasung der drei Chorfenster zu legen, eine Aufgabe, die von Ernst Jansen-Winkeln aus Mönchengladbach meisterlich ausgeführt wurde. Am Heiligen Abend 1953 läuteten erstmalig die zwei neuen Glocken "Christus König" (1200 kg) und "Erzengel" (450 kg). Wenige Tage später, am 4. Januar 1954, starb Pfarrer Peter Becker, der 12 Jahre lang die Geschicke der Pfarre St. Josef geleitet hatte.
Abbruch der Pfarrkirche?
Das Jahr 1963 brachte große Unsicherheit. Es wurde bekannt, daß die Kirche und alle kirchlichen Gebäude an der Gladbacher Straße durch eine neue Stadtplanung für den Kreuzungsbereich gefährdet seien. Vorsorglich wurden Maßnahmen getroffen, um auf einem der Kirche gehörenden Grundstück eine neue Kirche und ein neues Pfarrzentrum errichten zu können. Als diese aufschreckenden Pläne an Aktualität verloren, wurde die Pfarrkirche ab 1969 weiter renoviert. Die Fenster in den Seitenschiffen erhielten eine ornamentale Bleiverglasung, die Kirche wurde neu gestrichen; die Anschaffung einer Lautsprecheranlage sowie der Einbau einer Heizung wurden wurden von den Kirchenbesuchern sehr begrüßt. Der Chorraum wurde höher gelegt. Der beschädigte neugotische Hochaltar sowie die Kanzel und die Kommunionbank wurden bei den Renovierungsarbeiten weggenommen; das Chorgestühl fand einen neuen Platz in den nördlichen Seitenkapellen. 1971 wurde der neue Zelebrationsaltar - im Geiste des II. Vatikanums - in der Mitte des Chorraumes aufgestellt.
Neugestaltung des Chorraumes:
Dennoch blieb vieles ein Provisorium. Lange schon gab es Pläne für eine Neugestaltung des Chorraumes mit einer zeitgemäßen künstlerischen Intention. Am 20. Mai 2001 schließlich konnte Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann die feierliche Altarweihe vornehmen und damit den (bis auf einige Details) fertiggestellten, von Künstler Paul Nagel neugestalteten Chorraum der Gemeinde St. Josef und Pfarrer Johannes Büsching übergeben.
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