• Das Triptychon der Schutzmantel-Madonna

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Herzog Karl der Kühne von Burgund leidet unter Größenwahn:

Er hat bereits Flandern erobert, Luxemburg, Holland … Jetzt will er auch noch Lothringen und das Rheinland unter seine Fittiche bringen, betrachtet er sich doch als Nachkomme Karls des Großen und möchte das ehemalige Lotharingien wiederherstellen. Mit dem Kaiser Friedrich III. hat er ein Treffen in Trier. Seine Tochter Maria könnte Maximilian, den Sohn und Nachfolger Friedrichs, heiraten, er selbst möchte den Titel „König" und wie gesagt, das Rheinland.

In Trier zieht er eine Prunkschau auf: Turniere, Bankette usw. Kaiser Friedrich ist beeindruckt. Die Krönung Karls im Trierer Dom wird schon vorbereitet, als der Kaiser in einer Nacht und Nebel Aktion abreist und die Verhandlungen als gescheitert erklärt. Vor Wut zertrümmert Karl der Kühne das gesamte Mobiliar seines Zimmers. Das will er sich nicht bieten lassen. Jetzt besetzt er das Rheinland und fängt - aus bestimmten Gründen - 1474 mit Neuss an.

Doch Neuss hat gute Stadtmauern. Die Neusser verteidigen sich mutig. Währenddessen bekommen es die Kölner mit der Angst zu tun. Sie wenden sich an die Dominikaner. Der Prior Jakob Sprenger ruft das Kapitel zusammen und die Dominikaner raten den Bürgern, sich unter den Schutz Mariens zu stellen und den Rosenkranz zu beten. Das wirkt: die Elsässer und Lothringer verbünden sich mit den Schweizer Eidgenossen, und es kommt zu verschiedenen Schlachten. Karl der Kühne muss seine Truppen aus Neuss abziehen. Es sieht nicht gut für ihn aus. Nach den drei großen Schlachten, die die Niederlage Burgunds besiegelten, heißt es: „Bei Grandson das Gut, bei Murten den Mut, bei Nancy das Blut". Bei Nancy fällt Karl der Kühne.

Inzwischen ist Kaiser Friedrich III. mit seinen Truppen in Andernach angekommen, um den Kölnern beizustehen. Doch längst hat sich die Situation beruhigt und die Truppen Karls kämpfen in der Schweiz und in Lothringen. „Was habt ihr nur gemacht, um Karl den Kühnen los zu werden?" fragt der Kaiser die Kölner. „Wir haben den Rosenkranz gebetet und das hat geholfen", antworten ihm die Bürger aus Köln. „Wenn dem so ist", stammelt Friedrich III., „dann werde ich dieses Mittel jetzt auch einsetzen!". Es kommt zur Gründung der Rosenkranzbruderschaft am 8. September 1475, und der Kaiser schreibt sich als erster ein. 

Später gibt sein Sohn, Maximilian, der neue Kaiser, ein Bild beim Meister von St. Severin in Auftrag, das an diese Gründung erinnern soll.
St. Andreas, Köln: Schutzmantel-Triptychon über dem Altar der RosenkranzbruderschaftLupe
 
 

Dieses Bild wurde in der Dominikanerkirche aufgehängt über dem Altar der Rosenkranzbruderschaft. Jetzt hängt es in St. Andreas. 

Es zeigt die Schutzmantelmadonna, deren Mantel ausgebreitet ist, einerseits über die geistigen Stände mit an der Spitze Papst Sixtus IV. und sein Legat Bischof Alexander von Forli, sowie die Dominikaner aus Köln mit ihrem Prior Jakob Sprenger und andererseits über die weltlichen Stände mit dem Kaiser Friedrich III. mit seinem Sohn sowie Mitglieder der Zünfte aus Köln. Alle beten den Rosenkranz. Sogar das Jesuskind spielt mit einem Rosenkranz und Maria ist mit Kränzen von Rosen gekrönt.

Die hl. Dorothea (links) hält eine rote Rose und die hl. Cäcilia (rechts), eine weiße Rose in der Hand. Neben der hl. Dorothea flechtet ein Jüngling weiße und rote Rosen zu einem Kranz zusammen.
Der Mantel der Madonna wird links vom hl. Dominikus, dem Gründer des Ordens gehalten. Er hält auch den Prozessionsstab, um das Alternieren des Rosenkranzgebetes zu unterstützen. Rechts wird der Mantel vom hl. Petrus Martyr gehalten, der mit dem Schwert umgekommen ist und mit seinem Blut nochmals in den Boden geschrieben hat: Credo, ich glaube.

Der kölsche Ausdruck „ein Pittermännchen" rührt von Petrus Martyr oder Petrus von Mailand her, dem Patron der Brauer hier in Köln. Als die Brauer zu den Dominikanern kamen, um dort geistlichen Beistand zu erflehen, schlugen ihnen die Dominikaner als Patron den hl. Petrus Martyr vor. Bis heute ist ein Dominikaner geistlicher Begleiter der Bierbrauer in Köln und St. Andreas ihre Patronatskirche.
 
Marcel Oswald