• Das Martyrium des Apostels Andreas

    (ehemaliges Altarbild)
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Am 21. April 1662 beschloss im Kolleg der Gesellschaft Jesu zu Köln der Bruder Bernhard Fuckeradt sein frommes und einfaches Leben. Geboren wurde er im Schosse einer lutherischen Familie zu Langensalza in Thüringen im Jahre 1601 und wurde im lutherischen Glauben erzogen. Als junger Mann kam er nach Köln, um sich daselbst in der Kunst des Malens weiterzubilden. Es fügte sich, dass er den Auftrag bekam für die Kirche des Kollegs der Gesellschaft Jesu einige Gemälde zu erstellen. Dadurch kam er in Kontakt mit den Patres des Hauses. Allmählich schwanden seine Vorurteile dem katholischen Glauben gegenüber, und er trat zum Katholizismus über. Er begnügte sich jedoch nicht mit der bloßen Erfüllung seiner Christenpflicht, sondern bat um Aufnahme in den Jesuitenorden im Jahre 1631. Nach dem zweijährigen Noviziat in Trier ließen ihn seine Oberen von 1633 bis 1637 in Antwerpen bei P.P. Rubens als Maler ausbilden. Danach war er acht Jahre lang als Maler in Köln tätig. Es war ihm eine besondere Freude, die Patres zu den Katechesen zu begleiten und dabei an die bravsten und fleißigsten der Kinder die von ihm gemalten Heiligenbildchen auszuteilen. Wie schwer ihm auch der Weg wegen seiner Beleibtheit und Engbrüstigkeit wurde, so wanderte der fromme Bruder doch sommers wie winters nach Mülheim am Rhein, wo der Unterricht abgehalten wurde.

Ab 1645 finden wir Bruder Bernhard Fuckeradt in den Ordensniederlassungen in Düsseldorf und Aachen und dann wieder in Köln. Er schuf unter anderem einige Gemälde für die Jesuitenkirche Mariä Himmelfahrt, die sich über den Beichtstühlen befinden und das Altarbild für St. Andreas. Da er in der Werkstatt von Rubens einige Jahre gearbeitet hat, ist es nicht verwunderlich, dass viele seiner Kompositionen von flämischen Meistern beeinflusst sind und Motive enthalten, die typisch für Rubensbilder sind.

Als in der Stiftskirche St. Andreas ein neuer barocker Altar aufgestellt werden sollte, wurde Bernhard Fuckeradt mit der Anfertigung des Altargemäldes beauftragt, das zwischen 1658 und 1662 entstand. Das Bild befand sich bis 1897 auf dem Hochaltar. Danach wurde der Altarraum umgestaltet. Heute hängt das auf Holz gemalte, ca. 8 m hohe Gemälde an der Ostwand des Marienchores.

martyrium_andreas1   Das Bild stellt das Martyrium des hl. Andreas dar. Mehrere Szenen aus dem Wirken und Leiden des Apostels sind zu sehen und zwar in der Umgebung von Patras, der griechischen Hafenstadt im Nordwesten des Peloponnes. Den Hintergrund des Bildes bildet der blaue Himmel, der ins Meer übergeht. So ist die Lokalisierung von Patras angedeutet. Oben rechts im Bild (kaum mehr erkennbar, unter den hellen Wolken) sehen wir wie Andreas in Patras ankommt und dort das Evangelium predigt. Wir sehen ihn beim Taufen, er heilt Kranke und bekehrt unter anderem Maximilla, die Frau des Statthalters Aegeas. Daraufhin lässt der Statthalter ihn festnehmen. Andreas steht treu zu Christus (Symbolik des Hundes unten im Bild) und predigt unerschrocken vor dem Statthalter. Dieser wendet sich den heidnischen Göttern zu, die er verehrt, und zwingt alle, die Andreas bekehrt hat, diese anzubeten. Wir sehen in der Mitte des Bildes Andreas, der die rechte Hand zum Predigen erhoben hat. Auf einem Pferd daneben Aegeas, der Statthalter, der hinaufschaut zu einem Götzenbild das ein heidnischer Priester auf einem Esel reitend, mit der Hand empor hält. Auch andere Personen sieht man auf der rechten Hälfte des Bildes, die den Götzen verehren.

Aegeas lässt Andreas an ein schräges Kreuz fesseln (das wir seitdem Andreaskreuz nennen).  Wir sehen einen Schergen, der damit beschäftigt ist, den linken Fuß von Andreas zu befestigen. Es ist dies ein in Rubens Kompositionen häufig vorkommendes Motiv. Allerdings ist hinter dem Kreuz noch eine dunkle Gestalt, auch ein Scherge, der die Fußfessel überprüft. Der Apostel sollte möglichst lange am Kreuz schmachten. Erst nach tagelangen Qualen wird der Apostel durch den Tod erlöst. Sein Leib wird hier in überdehnter Haltung dargestellt, die das schutzlose Ausgeliefertsein ausdrückt.  Der Himmel öffnet sich ihm, und Engel deuten die Herrlichkeit des Himmels an. Einer der Engel hält den Lorbeerkranz sowie die Siegespalme des Martyriums bereit.

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Links unten im Bild, also rechts vom hl. Andreas, ist die Gestalt einer vornehmen Dame zu erkennen; es ist Maximilla, der Frau des Statthalters, die auf den Sterbenden blickt. Neben ihr stehen eine Reihe von Soldaten, die auf Andreas schauen (und nicht auf den Götzen), dann eine Reihe von Geheilten, die dankbar den Apostel anschauen und traurig über seinen Tod sind. Sie brauchen sich nicht vom Lichtglanz abzuwenden wie auf der anderen Seite, der heidnische Priester, der vom himmlischen Glanz geblendet wird und seine linke Hand vor das Gesicht hält.

Maximilla läßt Andreas mit großen Ehren in einem Felsengrab bestatten und diese Bestattung ist auf dem Bild zu sehen, rechts über dem Kreuz (jedoch so dunkel, dass man es nur ahnend erkennen kann).

Das Altargemälde mit dem Martyrium des hl. Andreas muß man lange betrachten, um alle Einzelheiten zu entdecken, erst dann offenbart es sich immer mehr...

Marcel Oswald