• Der Machabäer-Schrein

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Herkunft des Machabäer-Schreins ¹)

Der Machabäer-Schrein stammt ursprünglich aus der Kirche des Machabäer-Klosters in Köln und kam 1808 nach St. Andreas.
 

An dieses 1803 aufgehobene Benediktinnerinnen-Kloster, dessen verfallene Reste 1808 abgebrochen wurden, erinnert heute nur noch der Straßenname: "Machabäerstr." (Seitenstraße vom Eigelstein).
Der Ursprung der Machabäer-Kirche geht auf die Zeit Erzbischofs Anno im 11. Jahr hundert zurück. Im 15. Jahrhundert brannte das Kloster ab. Auf Anregung von Hellas Mertz, seit 1491 Beichtvater des Klosters, wurde Anfang des 16. Jahrhunderts das Kloster wieder aufgebaut und gleichzeitig die Kirche erneuert und vergrößert. Zum Zweck der besonderen Verehrung der Machabäer ließ H. Mertz die Kirche mit Wandgemälden, Teppichen und Bildwerken zur Machabäergeschichte ausstatten. Auf der Altarbank des Hochaltars befand sich der Machabäerschrein, der im Auftrag von H. Mertz 1520 begannen wurde und im Todesjahr von H. Mertz 1527 vom Goldschmied Peter Hahnemann und seinem Sohn fertiggestellt worden ist.



Die heiligen Machabäer und ihre Verehrung

Die heiligen Machabäer sind alttestamentliche, also vorchristliche Heilige. Es sind die Mutter Salomone und ihre sieben Söhne, die unter dem syrischen Herrscher Antiochus IV. Epiphanes, der 175 bis 164 v.Chr. regierte, den Märtyrertod erlitten weil sie am jüdischen Gesetz festhielten.
Als Ort des Martyriums können Jerusalem, wahrscheinlich aber Antiochia angesehen werden. Seit im 14. Jahrhundert die jüdische Synagoge in Antiochia in christlichen Besitz übernommen wurde, ist auch die Verehrung der Machabäerreliquien durch die Christen bezeugt.
Machabäerreliquien wurden später nach Konstantinopel und Rom gebracht, wo sie noch heute in San Pietro in Vincoli verehrt werden. Einer Legende nach soll Erzbischof Reinald von Dassel die Machabäerreliquien gleichzeitig mit denen der Heiligen Drei Könige in Mailand von Kaiser Friedrich Barbarossa erhalten haben und 1164, nach Köln überführt haben.

 

 

Die Tafeln des Machabäer-Schreins

Der Machabäer-Schrein ist ein mit vergoldeten Kupferplatten beschlagener Holzkasten in Form einer Kirche. Seine Ornamentik ist spätgotisch mit vereinzelten Renaissance Elementen. Die Schreinlängswände und Dachflächen sind aus insgesamt 40 Reliefszenen zusammengesetzt, wobei die Machabäergeschichte in Parallele gesetzt wird zum Leiden Christi und seiner Mutter Die beiden Schreinslängswände und Dachflächen bestehen je aus 5 Machabäerszenen des Machabäerzyklus mit unmittelbar darüber angeordneten entsprechenden 5 Szenen aus dem Christuszyklus. Eins der einleuchtensten Beispiele ist die Gegenüberstellung der Geißelung der Machabäerbrüder und der Geißelung Jesu Christi auf einer Längswand. Auf der Schreinvorderseite ist die Krönung Mariens und die Krönung der Machabäer zu sehen, auf der Rückseite die Himmelfahrt Christi und der Machabäer. An den Eckpfeilern des Schreins sind Figuren von Christus, Maria, Helena und einem Bischof angebracht, darüber an den Ecken des Dachs die 4 Evangelisten.

  schreinTotaleLupe

 

St. Andreas, Köln: Machabäerschrein, Lupe St. Andreas, Köln, Machabäerschrein, Ecce HomoLupe St. Andreas Köln: Machabäerschrein, Folter der Machabäer-BrüderLupe

Westseite:
Christus erhält Backenstreiche

Westseite:
Ecce Homo

Westseite:
Folter der Machabäerbrüder

 

- Ostseite

(Vgl. Katholische Bibel, Altes Testament, 2. Makkabäerbuch: 7,1-42)

 

Dach

16

17

18

19

20

Neues Testament

Christus erscheint Maria Magdalena

Christus erscheint den beiden Frauen

Emmaus

Erscheinung am See Tiberias

Christus erscheint seinen Jüngern und Thomas

Joh 20,11-18
Mk 16,9

Mt 28,9-10

 

Joh 21,1-14

Joh 20,19-29

Altes Testament

St. Helena bringt die Gebeine nach Konstantinopel

Übertragung der Gebeine nach Mailand

Reliquien-Überführung nach Köln

Einzug der Reliquien in den St. Peters-Dom

Zug der Reliquien zum Ursulaacker

Längswand

1

2

3

4

5

Neues Testament

Gefangennahme Christi

Abführung Christi

Christus vor Pilatus

Geißelung Christi

Dornenkrönung

Mt 26,47-56
Mk 14,43-50
Lk 22,47-53
Joh 18,3-12

Mt 26,57
Mk 14,53
Lk 22,54
Joh 18,12

Mt 27,1+2.11-26
Mk 15,1-15
Lk 23,1-5.13-25
Joh 18,28-19,16

Joh 21,1-14

Joh 20,19-29

Altes Testament

Gefangennahme der Makkabäer

Abführung der Makkabäer

Die Makkabäer vor Antiochus

Geißelung der Brüder

Die Brüder werden skalpiert


- Südseite:

Die 7 Söhne unter Schutzmantel, Krönung der Mutter Salome durch zwei Engel, Krönung der hl. Makkabäer, Marienkrönung durch Christus und Gottvater, Taube (Hl. Geist)

Lateinische Inschrift:

"Erzbischof Reginald brachte auf dieses ursulinische Feld im Jahre 1164 die sieben Leiber der Machabäer, die das Leiden unseres Heilandes andeuten, so wie ihre prächtige Mutter Salome, die vorwegnahm die Schmerzen der heiligen Maria."

- Westseite

(Vgl. Katholische Bibel, Altes Testament, 2. Makkabäerbuch: 7,1-42)

 

Dach

11

12

13

14

15

Neues Testament

Christus am Kreuz, Maria unter dem Kreuz

Beweinung Christi

Kreuzabnahme

Grablegung Christi

Christus erscheint seiner Mutter

Joh 19,25-27

 

Mt 27,57-59
Mk 15,42-46
Lk 23,50-53
Joh 19,38

Mt 27,57.61
Mk 15,42-47
Lk 23,50-56
Joh 19,38-42

 

Altes Testament

Geißelung der Mutter

Salomona wird zu ihren Söhnen in den Kessel geworfen

Die sieben Brüder im Kessel

Die toten Körper werden aus dem Kessel geschüttet (Grablegung)

Auffindung der Gebeine der Makkabäer durch St. Helena

Längswand

6

7

8

9

10

Neues Testament

Christus erhält Backenstreiche
(Verspottung Christi)

Entkleidung Christi

Ecce Homo

Christus wird ans Kreuz genagelt

Kreuzaufrichtung

vgl. Mt 27,27-31
Mk 15,16-20
Joh 19,2f
Lk 22,63-65 + 23,11

vgl. Mt 27,35
Mk 15,24
Lk 23,34
Joh 19,23f

Joh 19,5

Mt 27,35
Mk 15,24
Lk 23,33
Joh 19,18

 

Altes Testament

Den Brüdern werden die Zungen abgeschnitten

Den Brüdern wird die Haut abgezogen

Die Brüder werden gefoltert und gemartert

Abschlagen der Hände und Füße

Die Brüder mit ihrer Mutter im Kessel

 

- Nordseite:

11 Jünger und Maria, Fußabdrücke Jesu Christi, vier Engel tragen in einem Tuch empor Salome und ihre 7 Söhne, Himmelfahrt Jesu Christi mit Siegesfahne, Gott Vater, Taube (Hl. Geist)

- Figuren an den 4 Ecken:

oben: die vier Evangelisten
unten: Christus, Maria, St. Helena, Erzbischof Rainald von Dassel

 

Religionsgeschichtliche Hintergründe zum Machabäerschrein

Im Dezember des Jahres 167 v. Chr. eskalierten in Israel die politischen und religiösen Zustände. Damals befahl der heidnische Herrscher über die Juden im Mutterlande, der Seleukide Antiochos IV Epiphanes, den Tempel auf dem Zion in Jerusalem dem Götzendienst zu überlassen. Zugleich wurde durch einen Erlaß dieses fremden Königs das "Gesetz des Mose" aufgehoben. Und mehr noch: Die Beobachtung der Gebote und Verbote der Tora, wie die Beschneidung der Söhne, die Heiligung des Schabbat und der Neumonde, wurden mit der Todesstrafe bedroht. Ja, den Juden wurde es auferlegt, den Götzen der Völker dienstbar zu sein. Für diese heidnischen Götter wurden jetzt im Lande Altäre errichtet. Man wollte die Juden zwingen, auf heidnischen Altären den neuen Götzen zu opfern. "Und es war gerade das den Juden streng verbotene Schwein, das diesen Gottheiten die angenehmste Opfergabe war. Schweine wurden jetzt auch auf dem Brandopferaltar des Jerusalemer Tempels geopfert, auf dem bisher Tag für Tag am Morgen und am Abend das Opfer für den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs geschlachtet worden war (1 Makk 1,47-49).

Die Sache des Judentums schien damals jedoch vor allem deswegen verloren, weil die Mehrzahl der Juden selbst sich mit den Heiden gemein machen wollte. "In dieser Zeit, heißt es im ersten Makkabäerbuch (1,11-12)", traten Verräter am Gesetz in Israel auf, die viele überredeten, indem sie sagten: "Auf, wir wollen einen Bund schließen mit den Heiden, die rings um uns herum leben. Denn seit wir uns von ihnen abgesondert haben, geht es uns schlecht. Dieser Vorschlag gefiel ihnen". "In dieser Zeit", das heißt eben unter der Regierung des Seleukiden Antiochos IV Epiphanes. Dieser König vertraute schließlich das Amt des Hohenpriesters am Tempel von Jerusalem und damit die Herrschaft in Judäa gerade jener jüdischen Reformpartei an, die sich längst (S. 14/15) entschlossen hatte abzuschütteln das separierende und isolierende Gesetz des Mose (1 Makk 1,13). Zuerst übergab er das Amt des Hohenpriesters einem Mann, der sich mit seinem griechischen Namen Jason nannte (175-172 v. Chr., vgl. 2 Makk 4,7-10), dann einem Menelaos, der gleichfalls einen griechischen Namen trug (172-162 v. Chr., vgl. 2 Makk 4,23-29). Diese jüdischen Befürworter einer grundlegenden Reform des Jüdischen erhielten von Antiochos IV zunächst die Genehmigung, eine griechische Gemeinde in Jerusalem zu gründen. Und damit war die Erlaubnis verbunden, einen Sportplatz, ein "Gymnasion" zu betreiben (1 Makk 1,14). Ein Gymnasion wiederum war ohne Götterbilder und ohne Opferdienst nicht denkbar. Im Jahre 169 wurde auf einem der Hügel Jerusalems, dem Tempelberg genau gegenüber, zudem eine richtige griechische Stadt aufgezogen, mit Mauern und Türmen geschützt. Ihr wirklicher Name bleibt unbekannt. In der Überlieferung heißt sie einfach "Akra" die Zitadelle (1 Makk 1,33-35). Der Tempelbetrieb war von nun an von dieser griechischen Stadt abhängig (1 Makk 1,36). Und mehr und mehr ergriff in jenen Jahren die griechische Kultur die höheren jüdischen Schichten, vor allem und gerade auch die Priesterschaft. Man mühte sich, ganz als Grieche zu erscheinen. Alles Griechische war in "Mode": Durch eine schmerzhafte Operation beseitigte man die Spuren der Beschneidung (1 Makk 1,15). Man nahm ja auch nackt an den festlichen Sportspielen zu Ehren der fremden Götter teil, und man stiftete Geld für die Festopfer (2 Makk 4,18-20).

Aber die Führer dieser jüdischen Reformpartei verstanden recht gut, daß dies alles nicht tiefgreifend genug war und nichts anderes blieb als eine Angelegenheit der "Oberen Zehntausend" so lange die Tora des Mose selbst noch in Geltung blieb, welche den Juden nach wie vor die Absonderung gebot. Wollte man die griechische Kultur voll annehmen, dann blieb nichts anderes übrig als entweder von der väterlichen Religion abzufallen, der ja jede Teilnahme an irgendeinem Götterkult ein Greuel war, oder aber die Tora selbst anzugreifen und umzuwandeln.

Die Hohenpriester Jason und Menelaos entschieden sich für den zweiten Weg. Sie wollten das Judentum der Zeit anpassen (2 Makk 4,10- 17). Und so erhielt der Herr auf dem Zion in Jerusalem den Namen "Zeus Olympios" (2 Makk 6,2). Der Gott der Juden wurde in das allgemeine Pantheon aufgenommen. Ein heiliger Stein, der auf dem Brandopferaltar angebracht war, mitten also im Vorhof des Tempels, symbolisierte von nun an die Gegenwart des allmächtigen - Zeus Olympios (1 Makk 1,54). Dazu wurden alle rituellen Vorschriften der Tora über das Opferwesen aufgehoben. Man bestimmte das den Juden unreine Schwein zum Opfertier (1 Makk 1,47). Mehr noch: der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs war nun nicht mehr der Alleinherrscher in Jerusalem. Denn man feierte in Jerusalem jetzt auch die Feste des Dionysos (2 Makk 6,2-9). Zugleich erwirkte der Hohepriester Menelaos beim König einen Erlaß, der das Verbot der Tora des Mose beinhaltete (1 Makk 1,49).
Damals stand also wie nie zuvor das Judentum auf dem Spiel.
In solchen Tagen äußerster Gefährdung des Judentums entstand das Buch Daniel. Sein Verfasser und Redaktor leidet zusammen mit der gesetzestreuen jüdischen Gruppierung, die hinter ihm steht, zutiefst unter den Schäden, welche die jüdische Reformpartei täglich allem zufügt, was bisher den Juden zum Juden machte. Seine Erfahrungen im Umfeld eines solchen täglichen Ergehens lassen ihn und seine Begleiter das Vertrauen in den bisherigen Verlauf der jüdischen Geschichte verlieren: Sie können nicht mehr darauf vertrauen, daß Gott schon jemals in die Geschichte Israels wunderbar rettend eingegriffen hatte und daß man deswegen hoffen durfte, daß Gott auch jetzt wieder das Ruder herumreißen werde. Eine solche restaurativ in der Vergangenheit Israels verankerte Hoffnungsstruktur erscheint dem Autor des Buches Daniel jedoch nicht mehr erschwinglich.
Die Makkabäerbücher sind spätere Zusätze zu dem Buch Daniel und Ester.
Hierzu ausführlicher: Karlheinz Müller: Das Weltbild der jüdischen Apokalyptik und die Rede von Jesu Auferstehung, in: Bibel und Kirche, 52. Jg., 1. Quartal/1997, S. 8-18

 

 


Die Makkabäerbücher (Makk)

1 und 2 Makk zählen nicht zu dem hebräischen Kanon des Alten Testaments, sondern sind nur in der vom hellenistischen Judentum in Alexandrien gesammelten griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, überliefert; wie die Bücher 3 Makk, 4 Makk, Tobit, Judit, Baruch, Weisheit, Jesus Sirach sind die 1 und 2 Makk Zusätze zum Buch Daniel und zum Buch Ester. Während also die Septuaginta alle vier Makkabäerbücher aufgenommen hat, übernahm die Vulgata, die lateinische Übersetzung des Alten Testaments, nur 1 und 2 Makk.

Der Wertschätzung dieser beiden Bücher in der lateinischen Kirche Rechnung tragend, wurden 1 und 2 Makk 1546 auf dem Konzil von Trient von der katholischen Kirche in den kanonischen Rang erhoben. Seitdem zählen die beiden Makkabäerbücher katholischerseits zu den deuterokanonischen Schriften. Auf protestantischer Seite hingegen gehören sie zu den apokryphen, d.h. nicht dem Kanon zuzurechnenden Schriften.

Der Titel erstes und zweites Makkabäerbuch ist seit dem 2. Jh. n. Chr. überliefert. Ihren Namen verdanken die Bücher der in ihnen am ausführlichsten beschriebenen Person, Judas Makkabäus (hebr.: maqqaebaet = Hammer). Der jüdische historiker Flavius Josephus bezeichnet die Makkabäerfamilie auch als Hasmonäer, benannt nach ihrem Ahnherrn Hasmon. Beide Bezeichnungen, Makkabäer und Hasmonäer werden auch synonym gebraucht.

1 und 2 Makk erzählen die Geschichte eines Aufstands. Anders aber als zum Beispiel 1 / 2 Samuel, 1 / 2 Könige oder 1 / 2 Chronik stellen 1 / 2 Makk die Geschichte dieses Aufstandes nicht chronologisch in zwei aufeinanderfolgenden Teilbänden dar. Vielmehr berichten beide Bücher über ein und dasselbe, nämlich über den Kampf der Juden gegen die Seleukiden im 2. Jh. v. Chr. unter der Führung der Makkabäer. Dieser Kampf findet sich außerdem im Buch Daniel, welches zur Zeit des Judas Makkabäus geschrieben wurde, und in den Berichten des Flavius Josephus ("Bellum Judaicum" und "Antiquitates Judaicae".



Das Martyrium der sieben Brüder und ihrer Mutter

2. Makkabäerbuch Kapitel 7,1-42

(Text: Bibel - Altes Testament, Katholische Bibelanstalt Stuttgart 1980)

  1. Ein andermal geschah es, daß man sieben Brüder mit ihrer Mutter festnahm. Der König wollte sie zwingen, entgegen dem göttlichen Gesetz Schweinefleisch zu essen, und ließ sie darum mit Geißeln und Riemen peitschen. [Lev 11,7f.]

  2. Einer von ihnen ergriff für die andern das Wort und sagte: Was willst du uns fragen und von uns wissen? Eher sterben wir, als daß wir die Gesetze unserer Väter übertreten.

  3. Da wurde der König zornig und befahl, Pfannen und Kessel heißzumachen.

  4. Kaum waren sie heiß geworden, ließ er ihrem Sprecher die Zunge abschneiden, ihm nach Skythenart die Kopfhaut abziehen und Nase, Ohren, Hände und Füße stückweise abhacken. Dabei mußten die anderen Brüder und die Mutter zuschauen.

  5. Den gräßlich Verstümmelten, der noch atmete, ließ er ans Feuer bringen und in der Pfanne braten. Während sich der Dunst aus der Pfanne nach allen Seiten verbreitete, sprachen sie und ihre Mutter einander Mut zu, in edler Haltung zu sterben. Sie sagten:

  6. Gott der Herr schaut auf uns, und gewiß hat er Erbarmen mit uns. Denn so hat es Mose klar gesagt in dem Lied, in dem er öffentlich das Volk anklagte: Und er wird mit seinen Dienern Erbarmen haben. [Dtn 32,36]

  7. Als der erste der Brüder auf diese Weise gestorben war, führten sie den zweiten zur Folterung. Sie zogen ihm die Kopfhaut samt den Haaren ab und fragten ihn: Willst du essen, bevor wir dich Glied für Glied foltern?

  8. Er antwortete in seiner Muttersprache: Nein! Deshalb wurde er genauso wie der erste gefoltert.

  9. Als er in den letzten Zügen lag, sagte er: Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken, weil wir für seine Gesetze gestorben sind. [7,11.14.23.29.36; 12,43f; 14,46; Dan 12,2]

  10. Nach ihm folterten sie den dritten. Als sie seine Zunge forderten, streckte er sie sofort heraus und hielt mutig die Hände hin.

  11. Dabei sagte er gefaßt: Vom Himmel habe ich sie bekommen, und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wiederzuerlangen.

  12. Sogar der König und seine Leute staunten über den Mut des jungen Mannes, dem die Schmerzen nichts bedeuteten.

  13. Als er tot war, quälten und mißhandelten sie den vierten genauso.

  14. Dieser sagte, als er dem Ende nahe war: Gott hat uns die Hoffnung gegeben, daß er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.

  15. Anschließend nahmen sie sich den fünften vor und mißhandelten ihn.

  16. Der sah den König an und sagte: Du bist ein vergänglicher Mensch, und doch hast du die Macht unter den Menschen zu tun, was du willst. Aber glaub nicht, unser Volk sei von Gott verlassen.

  17. Mach nur so weiter! Du wirst seine gewaltige Kraft spüren, wenn er dich und deine Nachkommen züchtigt.

  18. Nach ihm holten sie den sechsten. Sterbend sagte er: Laß dich nicht täuschen! Du wirst nichts ausrichten. Denn wir sind selbst schuld an unserem Leid, weil wir gegen unseren Gott gesündigt haben. Darum konnte so Unfaßbares geschehen.

  19. Glaub aber ja nicht, daß du heil davonkommst; denn du hast es gewagt, mit Gott zu kämpfen.

  20. Auch die Mutter war überaus bewundernswert, und sie hat es verdient, daß man sich an sie mit Hochachtung erinnert. An einem einzigen Tag sah sie nacheinander ihre sieben Söhne sterben und ertrug es tapfer, weil sie dem Herrn vertraute.

  21. In edler Gesinnung stärkte sie ihr weibliches Gemüt mit männlichem Mut, redete jedem von ihnen in ihrer Muttersprache zu und sagte:

  22. Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Leib entstanden seid, noch habe ich euch Atem und Leben geschenkt; auch habe ich keinen von euch aus den Grundstoffen zusammengefügt. [Ijob 10,8-12; Ps 139,13-15]

  23. Nein, der Schöpfer der Welt hat den werdenden Menschen geformt, als er entstand; er kennt die Entstehung aller Dinge. Er gibt euch gnädig Atem und Leben wieder, weil ihr jetzt um seiner Gesetze willen nicht auf euch achtet.

  24. Antiochus aber glaubte, sie verachte ihn, und er hatte den Verdacht, sie wolle ihn beschimpfen. Nun war nur noch der Jüngste übrig. Auf ihn redete der König nicht nur mit guten Worten ein, sondern versprach ihm unter vielen Eiden, ihn reich und sehr glücklich zu machen, wenn er von der Lebensart seiner Väter abfalle; auch wolle er ihn zu seinem Freund machen und ihn mit hohen Staatsämtern betrauen.

  25. Als der Junge nicht darauf einging, rief der König die Mutter und redete ihr zu, sie solle dem Knaben doch raten, sich zu retten.

  26. Erst nach langem Zureden willigte sie ein, ihren Sohn zu überreden.

  27. Sie beugte sich zu ihm nieder, und den grausamen Tyrannen verspottend, sagte sie in ihrer Muttersprache: Mein Sohn, hab Mitleid mit mir! Neun Monate habe ich dich in meinem Leib getragen, ich habe dich drei Jahre gestillt, dich ernährt, erzogen und für dich gesorgt, bis du nun so groß geworden bist.

  28. Ich bitte dich, mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen, und so entstehen auch die Menschen. [Ijob 26,7]

  29. Hab keine Angst vor diesem Henker, sei deiner Brüder würdig, und nimm den Tod an! Dann werde ich dich zur Zeit der Gnade mit deinen Brüdern wiederbekommen.

  30. Kaum hatte sie aufgehört, da sagte der Junge: Auf wen wartet ihr? Dem Befehl des Königs gehorche ich nicht; ich höre auf den Befehl des Gesetzes, das unseren Vätern durch Mose gegeben wurde.

  31. Du aber, der sich alle diese Bosheiten gegen die Hebräer ausgedacht hat, du wirst Gottes Händen nicht entkommen.

  32. Denn wir leiden nur, weil wir gesündigt haben.

  33. Wenn auch der lebendige Herr eine kurze Zeit lang zornig auf uns ist, um uns durch Strafen zu erziehen, so wird er sich doch mit seinen Dienern wieder versöhnen.

  34. Du Ruchloser aber, du größter Verbrecher der Menschheit, überheb dich nicht, und werde nicht durch falsche Hoffnungen übermütig, wenn du deine Hand gegen die Kinder des Himmels erhebst.

  35. Denn noch bist du dem Gericht des allmächtigen Gottes, der alles sieht, nicht entronnen.

  36. Unsere Brüder sind nach kurzem Leiden mit der göttlichen Zusicherung ewigen Lebens gestorben; du jedoch wirst beim Gericht Gottes die gerechte Strafe für deinen Übermut zahlen.

  37. Ich gebe wie meine Brüder Leib und Leben hin für die Gesetze unserer Väter und rufe zu Gott, er möge seinem Volk bald wieder gnädig sein; du aber sollst unter Qualen und Schlägen bekennen müssen, daß nur er Gott ist.

  38. Bei mir und meinen Brüdern möge der Zorn des Allherrschers aufhören, der sich zu Recht über unser ganzes Volk ergossen hat.

  39. Da wurde der König zornig und verfuhr mit ihm noch schlimmer als mit den anderen - so sehr hatte ihn der Hohn verletzt.

  40. Auch der Jüngste starb also mit reinem Herzen und vollendetem Gottvertrauen.

  41. Zuletzt starb nach ihren Söhnen die Mutter.

  42. Soviel sei über die Opfergelage und die schlimmen Mißhandlungen berichtet.

[In der christlichen Überlieferung gelten die sieben makkabäischen Brüder als Märtyrer, denen man im Mittelmeerraum viele Kirchen weihte.]

 

¹) Kölner Schreibweise. Üblicherweise Makkabäer geschrieben.