• Das Kreuzigungs-Triptychon
   von Bartholomäus Bruyn dem Älteren

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Um 1550 bekam der berühmte Kölner Künstler Bartholomäus Bruyn den Auftrag, ein Altarretabel für die erste Kapelle - rechts beim Eingang - zu malen. Die Bezahlung resultierte aus dem testamentarischen Nachlass von Dr. Hermann Keutenbreuer (+1539), ehemaliger Stiftsdechant von St. Andreas.

In der Werkstatt von Bartholomäus Bruyn entstand das Kreuzigungstriptychon. Der Meister selbst führte einen Teil aus, den linken Flügel und die Mitte, den Rest überließ er wahrscheinlich seinen Schülern.

Das mittlere Bild zeigt die Kreuzigungsszene. Die Finsternis der Todesstunde wird angedeutet durch die Wolken, der aufkommende Sturm durch das wehende Lendentuch Jesu. Detailgetreu sind der Totenschädel Adams (Schädelhöhe) und das Salbgefäß (Salbung in Bethanien) dargestellt. Maria Magdalena und Johannes stechen hervor durch pathetische Haltungen, charakteristisch für den Maler. Maria, die Mutter Jesu, ist sehr verhalten, still dargestellt. Vorne im Bilde kniet der Stifter mit rotem Schulterumhang, der ihn als Stiftsdechant kennzeichnet.

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Der Stifter Keutenbreuer stammte aus Neuss. Seine Mutter hieß Odilia, und mit ihr pilgerte er als Kind jedes Jahr nach Gohr, dort wo die hl. Odilia verehrt wird. Diese Heilige wird bei Augenkrankheiten angerufen; sie war blind und wurde wunderbar geheilt. Keutenbreuer selbst hatte ein schlimmes Augenleiden am Ende seines Lebens, und er wandte sich im Gebet an Odilia. Diese Heilige steht hinter ihm. Sie war im 8. Jh. Äbtissin auf dem Odilienberg im Elsass, und wird immer in der Haltung der Blinden dargestellt, deren Kopf heruntergesenkt ist, aus dem die Augen nirgendwohin schauen.

Ein anderer Heiliger, der auch bei Augenkrankheiten angerufen wird, ist der hl. Ulrich. Ihn erkennt man an den Ratten, vor denen er die Stadt Augsburg im 10. Jh. befreit hat. Ulrich ist auf dem linken Flügel dargestellt. Er trägt Albe, Dalmatik, Chormantel, Mitra und Bischofsstab. Neben ihm steht Papst Urban I., erkennbar an der Tiara und der Traube, die er in der Hand hält. Papst Urban VI., der sich in seinem Pontifikat auf Urban I. berief, stellte 1388 die Stiftungsbulle für die Kölner Universität aus. Keutenbreuer lehrte im Fach Medizin an der Kölner Universität. Ulrich, der von Keutenbreuer verehrt wurde, empfiehlt dem Papst diesen eifrigen Professor. Er wurde in der Tat Rektor der Universität.

Auf dem rechten Flügel sieht man den hl. Andreas auf seinem X-förmigen Kreuz. Mehrere andere Figuren zieren die Fluss- und Gebirgslandschaft.
kreuzigungsTriptychon-geschlossen  Lupe Während der Fastenzeit - um das Fasten der Augen zu gewährleisten - werden die Flügel geschlossen, und die aufreizenden hellen Farben verschwinden. Die Außenseiten der Flügel sind in dunkleren Farben. Vor dem Hintergrund römischer Ruinen erscheinen vier Kölner Heilige, die Keutenbreuer sehr schätzte: Papst Cornelius, der in St. Severin verehrt wird, der Heilige Gereon aus der thebäischen Legion (St. Gereon liegt in unmittelbarer Nähe von St. Andreas); der Heilige Georg, verehrt in St. Georg und schließlich noch der Heilige Quirinus, der römische Tribun, der zum Glauben fand und Stadtpatron von Neuss ist, der Heimatstadt von Dr. Hermann Keutenbreuer. Bis auf den Papst, tragen alle Ritterkleidung, sie schwingen Fahnen, aber ihre Scheiden sind leer, sie tragen keine Waffen!

Marcel Oswald