• Tafelbild: Das Jüngste Gericht

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In der östlichen Kapelle des nördlichen Seitenschiffs befindet sich ein Tafelgemälde mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts. Es wurde 1573 durch den Stiftsdechanten von St. Andreas, Dr. iur. Johann Mercatoris von Swölgen gestiftet.

Gebürtig aus der Gegend von Geldern, aus Swölgen, das heute holländisch ist und zur Provinz Limburg gehört, kam Johann Mercatorius nach Köln. Er war Stiftsherr in St. Maria im Kapitol und später in St. Andreas, wurde Professor am Montaner Gymnasium Unter Sechzehnhäusern (heute Unter Sachsenhausen), wo die Studenten auf die Universitätsstudien vorbereitet wurden. In den Jahren 1577-1579 war er Rektor der Universität zu Köln und wurde auch zum Generalvikar und zum Spiritual des Kurfürsten - des Erzbischofs von Köln - berufen. Er stiftete 1586 am Montanergymnasium ein Alumnen-Kollegium unter dem Namen „Kollegium Swolgianum in dem Hause zur Unnau (An den Dominikanern)“. Im Alter gelähmt, verstarb Johann von Swölgen am 30. Mai 1592 im 70ten Lebensjahr und wurde in St. Andreas beigesetzt.

 

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Betrachten wir das Bild. Oben, rechts von Christus, befindet sich die Lilie, Symbol der Barmherzigkeit und Symbol der Belohnung der Guten, links von Christus das Schwert, Symbol der Bestrafung der Bösen. Der Richter - der Menschensohn - kommt auf den Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit (vgl. Mk 13,26). Man muss wissen, dass die Glaubenswelt des Mittelalters durch den „Tag des Zornes und der Zähren“ (vgl. Dies irae), dem Jüngsten Tag, beherrscht war. Der Gedanke des Gerichts begegnet uns auch in den anderen monotheistischen Religionen, dem Judentum und dem Islam. Als Christen glauben wir, dass das letzte Gericht nicht nur Bestrafung beinhaltet, sondern auch Belohnung. Der Weltenrichter richtet in Gerechtigkeit, wodurch alles ans Licht kommt, das Gute wie das Böse. Es ist erlösend und befreiend, wenn die Wahrheit offenbar wird. Dies wird mit den Symbolen Schwert und Lilie ausgedrückt. Das Schwert endet in einer Feuerflamme, dem Symbol der Läuterung.

Christus trägt den roten Mantel des Königs und Siegers, seine Wunden als Zeichen der Erlösung zeigend. Er thront auf einem Regenbogen, Symbol des Bundes, den Gott immer wieder mit den Menschen schließt. Die beiden Engel mit den Trompeten, die die Toten aus den Gräbern rufen, beugen sich neben Christus über den Regenbogen. Christi Füße ruhen auf der Erdkugel. Zu beiden Seiten von ihm stehen unsere Fürsprecher, Maria und Johannes der Täufer. Dies alles geschieht im Himmel, verdeutlicht durch die Wolken.

Im unteren Bereich sieht man in der Mitte Tote aus den Gräbern steigen. Zur Rechten Christi gehen die Geretteten hoffnungsvoll dem ewigen Licht entgegen, angedeutet links neben und unter den Wolken. Sie werden von einem Engel begleitet. Auf dieser Seite, auf der Seite der Guten, kniet der Stifter im Kanonikergewand, vor ihm sein Birett und sein Wappen: drei Eichen- oder Ilexblätter mit zwei Blumen.

Zur Linken Christi sind die Verdammten. Überall auf dieser Seite sieht man fliegende schwarze Teufel und Drachen. Die Menschen laufen in ihr Unglück, sie verbrennen in den Flammen. Eine nackte Frau tanzt noch in den Flammen und ein Mann schaut ihr begehrend zu. Unten rechts im Bild wird ein Mann von den Flammen verschlungen.

Es gibt drei Rückenfiguren - Rückenfiguren stehen stellvertretend für den Betrachter. Da ist jener, der vom Engel geleitet wird. Sein Leben war ein Ja zum Guten. Bin ich das? Eine zweite Rückenfigur steht fast in der Mitte des Bildes. Dieser Mensch ist noch auf Erden. Er erkennt Gut und Böse, er hat noch die Freiheit sich zu entscheiden. Er schaut zu Maria auf und bittet sie bei ihrem Sohn für ihn einzustehen. Ein Teufel versucht ihn hinunter zu zerren. Wird es ihm gelingen, dem Teufel zu entfliehen, sind Glaube, Hoffnung und Liebe so groß bei ihm, dass er dem Teufel entrinnen kann, dass der Teufel ihn nicht in seine Gewalt bekommt. Bin ich das?

Eine dritte Rückenfigur wendet sich ebenfalls Maria zu, doch seine Kraft ist nicht groß genug. Er scheint freiwillig in die Flammen hineinzugehen, denn kein Teufelchen zieht ihn herunter. Bin ich das, lasse ich mich einfach gehen?

Wir sind also durch dieses Bild herausgefordert. Was können wir in unserem Leben tun, um dem Bösen zu entfliehen?

Es sei noch darauf hingewiesen, dass es neben diesem Tafelbild noch zwei Wandgemälde zum Thema Weltenrichter in St. Andreas gibt, und zwar in einer Kapelle auf der Südseite und auf einem Pfeiler im Mittelschiff.

Marcel Oswald