• Die Chorscheitelfenster in St. Andreas

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Das mittlere Fenster

Das mittlere Chorscheitelfenster stellt die Anbetung des dreifaltigen Gottes dar - im Himmel und auf Erden.

 

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Etwa in der Mitte des Fensters bemerken wir drei Kirchen nebeneinander. St. Andreas, daneben den Kölner Dom, die Hauptkirche des Erzbistums, dann St. Peter in Rom, die Hauptkirche der Christenheit. Darunter sehen wir Vertreter der geistlichen Stände, Papst, Kardinal, Priester, Mönch, und Vertreter der weltlichen Stände, Kaiser, Ritter, Bürger.
Darüber sind Heilige im Himmel dargestellt: Maria als Himmelskönigin, neben ihr Joseph mit dem Blütenstab, Johannes der Täufer mit einem Lamm und der Inschrift: Ecce Agnus Dei (Seht das Lamm Gottes). Der Dominikaner neben ihm ist wahrscheinlich Albertus Magnus, dessen Gebeine in dieser Kirche ruhen. Zur damaligen Zeit war er noch nicht heilig gesprochen, wurde aber als Seliger verehrt.
Hochchorfenster

 

 

 

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Die Verbindung zum Himmelsgewölbe wird geschaffen durch vier Engel, die die vier Evangelisten darstellen.

Sie haben die Köpfe eines Menschen (Matthäus), eines Löwen (Markus), eines Stieres (Lukas) und eines Adlers (Johannes).


Umgeben von einer Strahlenmandorla sehen wir am Himmelsgewölbe die drei Personen der Dreifaltigkeit, den Vater und den Sohn, darüber die Taube des Hl. Geistes.

Der Vater hält das Stabzepter und den Reichsapfel in den Händen, der Sohn das Kreuzzepter in der linken, während er mit der rechten Hand segnet. Vater und Sohn tragen Kronen, die die Herrscherwürde symbolisieren. Beide sind in kaiserliche Damast- und Brokatgewänder gekleidet, deren goldene Borten (Symbol der Ewigkeit) mit zahlreichen Edelsteinen besetzt sind.


chorscheitelfenster4 Um an das Ehepaar zu erinnern, finden sich zwei Wappen im unteren Teil des Fensters: Links das Kölner Stadtwappen mit den drei goldenen Kronen und elf schwarzen Hermelinschwänzen, mit der Inschrift: In memoriam Caroli Guilleaume defunctus in Coloniae, 1. Dezember 1887. Rechts das Wappen der Stadt Aachen, ein gekrönter Reichsadler. Aachen war der Geburtsort von Antonia Guilleaume. Darunter steht die Inschrift: donum ab uxore Antonia nata Gründgens Aquisgranae 13. VI. 1899 (gestiftet von seiner Ehefrau Antonia, geborene Gründgens aus Aachen, am 13. Juni 1899).



Die übrigen Chorscheitelfenster

Die übrigen Fenster im Scheitel des Chores wurden ebenfalls 1899 von der Kölner Fa. Schneiders & Schmolz gefertigt. Das linke (nördliche) Fenster wurde zum Andenken an Johann Rangen, 1889-1895 Pfarrer an St. Andreas, von dessen Schwester 1899 gestiftet, wie auch die Inschrift beweist: "Memento olim pastoris Joanis Rangen splendidum hoc sororis eius domino 1899". Das rechte (südliche) Fenster wurde von einer Stiftergemeinschaft geschenkt.

Dargestellt sind Apostel, die sich der Dreifaltigkeit des Mittelfensters zuwenden und sich dem Lob Gottes anschließen. Engel, die in den Wolken schweben und damit den Himmel symbolisieren, umgeben sie. Unterhalb der Apostel befinden sich links die geistlichen und rechts die leiblichen Werke der Barmherzigkeit. Wenn wir hier auf Erden Gutes tun, dann nützt das zuallererst natürlich den Menschen, denen wir gute Taten angedeihen lassen. Aber es nützt auch den Verstorbenen, die noch im Fegefeuer ausharren.

 

In der Anordnung von oben nach unten folgt nun die Bildbeschreibung zunächst des linken (nördlichen) Fensters:

 

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Links: Simon Kananäus mit einer Säge in der Hand, Symbol für sein Martyrium in Persien.
Rechts neben ihm: Bartholomäus, der in Armenien mit einem Messer ermordet wurde.

Darunter befindet sich links Jakobus der Jüngere, der weiße Rosen (als Zeichen der Zugehörigkeit zur Familie Jesu) und ein Buch (er schrieb einen Brief des NT) in Händen hält.

Rechts (siehe Abbildung) neben ihm erkennen wir Jakobus den Älteren mit dem Stab und der Mütze der Jakobspilger.

Links darunter folgt Paulus mit dem Schwert, das auf seine Köpfung unter Kaiser Nero in Rom hinweist. Rechts wird er begleitet von Petrus, der den Schlüssel des Himmels trägt.

St. Andreas, Köln: Chorscheitelfenster-Hl. Borromäus, Hl. Dominikus
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Im Anschluss daran werden die geistlichen Werke der Barmherzigkeit dargestellt:

Der hl. Karl Borromäus steht mit dem Ziborium vor einem Pestkranken und bringt ihm die heilige Kommunion. Diese Tat kommt nicht nur dem Kranken zugute, sondern hat auch eine Auswirkung auf das Jenseits: Ein Engel zieht einen Verstorbenen aus dem Fegefeuer und zeigt ihm das Ziborium. Der hl. Dominikus reicht einem Mann den Rosenkranz, der wiederum von einem Engel einem im Fegefeuer ausharrenden Menschen gezeigt wird und bedeuten soll: Dank dieses Gebetes kannst Du das Fegefeuer verlassen.

  

 

Nun wenden wir uns dem rechten (südlichen) Fenster zu, dessen Beschreibung ebenfalls von oben nach unten erfolgt:



Links steht Matthäus, der ein aufgeschlagenes Buch in den Händen hält; es ist sein Evangelium. Rechts neben ihm ist Thomas mit einem Stab in der Hand dargestellt als Hinweis darauf, dass er für den indischen König Gundaphar einen Palast entwarf.
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Darunter befindet sich links Johannes mit einem Kelch, als Zeichen dafür, dass dieser, gefüllt mit Gift, zerbrach, als Johannes ihn segnete. Judas Thaddäus, neben ihm trägt die Hellebarde, mit der er erschlagen wurde. Als nächstes sehen wir Andreas, der auf dem nach ihm benannten Kreuz im griechischen Patras hingerichtet wurde. Philippus mit dem auf sein Martyrium deutenden Kreuzstab steht rechts neben ihm. chorscheitelfenster9

 

Im Anschluss daran werden die leiblichen Werke der Barmherzigkeit dargestellt:

Die hl. Elisabeth von Thüringen gibt den Armen Essen und Getränke. Diese leibliche Barmherzigkeit hat auch Auswirkungen auf die zukünftige Welt, wie man an dem Engel erkennt, der einen Menschen aus dem Fegefeuer hebt und ihm den Kelch zeigt, der zur Durstlöschung der Armen bestimmt war. Vor den Toren der französischen Stadt Amiens teilt der hl. Martin von Tours seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. Wiederum ist es ein Engel, der einen Menschen aus dem Fegefeuer heraus hebt und seinen wie einen Mantel gespannten Flügeln schützend über ihm ausbreitet.

Marcel Oswald

St. Andreas, Köln: Chorscheitelfenster, Hl. Katharina, Hl. Martin v. Tours
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