• Das Bronzeportal:
   Gottes Bund mit den Menschen

bronzeportal-lage

 


St. Andreas Köln: westl. Bronzeportal v. Karl-Matthäus WinterVergrößerung

Das eindrucksvolle Bronzeportal von 1963, durch das man von Westen den Vorraum von St. Andreas betritt, ist ein Werk des Limburger Bildhauers Karl-Matthäus Winter (geb. 1932). Nach dem Besuch der Mainzer Kunstgewerbeschule und Kunstschule mit dem Schwerpunkt Porträtplastik kam er schließlich zu Professor Ewald Mataré (1887-1965) nach Düsseldorf.
In diese Zeit fielen seine ersten Aufträge, die fast ausschließlich aus Kirchenkreisen kamen. Winter öffnete sich bereitwillig den theologischen Themenvorschlägen der Geistlichen; seine Kunst betrachtete Winter als Fortführung der Predigt mit anderen Mitteln.
Aus dieser Einstellung heraus dürfte ihn der Auftrag zur Gestaltung des Portals einer Kirche des Predigerordens besonders gereizt und künstlerisch herausgefordert haben.

Im Türrahmen wird das Gleichnis vom Sämann dargestellt. Das Samenkorn wird von den Vögeln aufgepickt - oder fällt unter die Dornen - oder bringt reichhaltige Frucht. Dazu passt, dass die Dominikaner als Prediger hier das Wort Gottes verkünden.

Die gute Frucht wird auf den drei Flügeln anhand eines Achtecks, wie ein geschliffener Edelstein oder einem großen Stern dargestellt. An den jeweiligen Ecken befinden sich Personen des AT und des NT, die das Wort Gottes in sich aufgenommen und reiche Frucht gebracht haben.
bronzeportal3
Zunächst rechts oben Noah, der auf Anweisung Gottes die Arche baut, die einige Menschen und Tiere vor der Sintflut rettet. Eine Taube bringt ihm als Friedenszeichen einen Olivenzweig. Das Wasser sinkt. Links oben die drei Engel im Hain von Mamre, die Abraham einen Sohn (Isaak) verheißen. Ohne zu zögern glaubt der hundertjährige Patriarch dieser Verkündigung. In ebenso unerschütterlichem Gottvertrauen ist er bereit, Gott seinen Sohn zu opfern - was der auf den Widder zeigende Engel verhindert. Darunter erscheinen Moses und Elias, Gottes Heilswerkzeuge. bronzeportal4
In der Mitte der vertikalen Achse des Portals der neue Bund Gottes mit den Menschen. Maria glaubt dem Verkündigungsengel, auch Joseph glaubt. Maria empfängt vom Heiligen Geist einen Sohn, der in einer Krippe zwischen Ochs und Esel geboren wird. Von außerhalb des Achtecks (da sie nicht zum Alten Bund gehören!), kommen die Hl. Drei Könige auf ihren Reittieren zur Krippe. bronzeportal5
Im Credo folgt auf die Geburt die Kreuzigung. Jesus blickt auf den reuigen Schächer, dieser glaubt und wird gerettet. Der Auferstandene erscheint Thomas. Er glaubt nicht so recht. Jesus sagt ihm: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." Von dieser Szene geht der Kranz der Glaubenden aus, die nicht sehen und doch glauben. bronzeportal8
bronzeportal6 Die Hand des Sämanns ist wie die Hand Gottes, die den Hl. Geist sendet, der das Achteck zusammenhält mit den Glaubenden des Alten Bundes und dem Kreis der Glaubenden des Neuen Bundes.

Der Zutritt zum Glauben wird verdeutlicht durch den Türöffner: geht man herein, hält man das Füllhorn mit der Segensfülle des Glaubens in Händen, geht man heraus, umfasst die Hand einen Pfau, der die Eitelkeit und die Nichtigkeit der Welt symbolisiert.
bronzeportal7

 

Marcel Oswald