• Das Auferstehungs-Triptychon

 Auferstehungstript-lage

Im Jahre 1551 schenkte der Stiftsherr Peter Quentel der Kirche St. Andreas diesen Flügelaltar. Peter Quentel war Domvikar, Kanonikus an St. Andreas und an St. Maria im Kapitol. Er entstammte einer bekannten Kölner Drucker- und Verlegerfamilie. Sein Vater war Ratsherr in Köln. Die Familie hatte u.a. Besitztümer in Walberberg. Peter Quentel verstarb am 28. Oktober 1564.

Der Flügelaltar ist eine Kölner Arbeit, wahrscheinlich aus der Schule von Bartholomäus Bruyn d.Ä. Er befindet sich jetzt in einer Kapelle im Nordseitenschiff. Bis 1940 stand er auf dem Altar, der den Aposteln Simon und Judas Thaddäus geweiht war und sich an der Ostwand des Machabäerchores befand. Auf diesem Altar standen auch die beiden Reliquienbüsten der genannten Heiligen, die jetzt unter der Orgelempore ihren Platz haben.
 
St. Andreas, Köln: AuferstehungstriptychonVergrößerung Auf der Mitteltafel des Triptychons ist die Auferstehung Christi dargestellt. Christus als Lichtgestalt entsteigt dem geschlossenen Sarkophag. Sein Körper ist nackt, um zu verdeutlichen, dass er als Auferstandener wirklich der Mensch Jesus Christus in Fleisch und Blut ist. Er trägt die Siegesfahne, denn er hat den Tod besiegt. Seine rechte Hand ist zum Segnen erhoben, und zwar in der typischen Disposition der Finger mit je 3 und 2 zusammen als Zeichen der zwei christlichen Glaubenswahrheiten: die Dreifaltigkeit und Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch.
Er trägt die Wundmale an Händen, Füßen und der Seite. Hinter ihm weht der rote Königsmantel. Fünf Soldaten sind um den Sarkophag versammelt. Der Hauptmann mit Helm und Federschwanz hält in der einen Hand eine eiserne Peitsche. Er ist gelähmt von der Lichtgestalt und streckt die andere Hand zur Abwehr nach oben. Man beachte die sorgfältige Darstellung der Strümpfe. Neben ihm hockt schlafend ein anderer Soldat, der auf dem Rücken Pfeile trägt und neben dem ein Bogen liegt. Ein dritter Soldat, schlafend auf den Sarg gestützt, umklammert eine Hellebarde. Ein weiterer hält ein Schwert in der linken Hand; er versucht auf die Lichtgestalt zu blicken, und schützt seine Augen mit einem Schild. Auffallend ist die Spange an seiner Brust mit dem Puttenkopf. Dahinter ein fünfter Soldat, der ebenfalls seine Augen schützt und von der Wucht der Auferstehung den Körper gebeugt hat.

Links im Hintergrund sieht man die drei Frauen, die aus Jerusalem ans Grab kommen. Ein Engel verkündet ihnen, dass der Herr nicht mehr da ist, dass er auferstanden ist. Rechts im Bilde sieht man Maria Magdalena, wie sie den Gärtner fragt, wo er den Leichnam Jesu hingelegt habe. Als dieser ihren Namen nennt, erkennt sie Jesus und fällt vor ihm auf die Knie. In ihrer Hand hält sie das Salbgefäß.

Etwas dahinter erkennt man zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Ein „Fremder“ begegnet ihnen und begleitet sie. Ganz oben sehen wir die drei in der Herberge in Emmaus sitzen. Am Brotbrechen erkennen die beiden Jünger, dass der „Fremde“ kein anderer als der Herr ist. Die linke Seite des Bildes kontrastiert in ihrer Kargheit mit der rechten. Auf der linken Seite braune Felsen (Erde), auf der rechten grüne Bäume (Leben).

Links im Bild kniet der Stifter Peter Quentel in einer anbetenden Haltung. Vor ihm liegt ein aufgeschlagenes Buch. Bücher gibt es reichlich im Triptychon; in jeder Tafel stellen sie den Bezug zu der Familie des Stifters her.
 
St. Andreas, Köln: Auferstehungstriptychon, linker Flügel Auf dem linken Flügel sehen wir die Himmelfahrt Jesu über einem Felsen. Er ist soeben aufgefahren in den Himmel, da seine Füße noch aus einer Wolke hervortreten. Zwei Engel verkünden den Jüngern, sie sollten nicht zum Himmel schauen, sondern in die Welt gehen; Jesus werde wiederkommen, so wie er fortgegangen sei.

Auf dem rechten Flügel ist das Pfingstwunder dargestellt. Die Jünger sind versammelt, zusammen mit Maria, der Mutter Jesu. Über allen schwebt der Heilige Geist in Form einer Taube. Auf Maria und die Jünger kommen die Flammen des Hl. Geistes herab.
St. Andreas, Köln: Auferstehungstriptychon, rechter Flügel
St. Andreas, Köln: Auferstehungstriptychon, AußenseitenVergrößerung

 

 

 

Die Rückseite sieht man, wenn das Triptychon in der Fastenzeit geschlossen wird, um das Fasten der Augen zu ermöglichen.

 
 
 
Marcel Oswald