Die Kölner Rosenkranz-Erzbruderschaft
"Regina Sacritissimi Rosarii B.M.V."
gegr. 1474/75

 

Im Jahre 1474 wollte Herzog Karl der Kühne von Burgund das alte „Lotharingien“ wieder herstellen, das Mittelreich, das einst Karl der Große seinem Sohn Lothar vermachte. Burgund hatte schon die Niederlande, Luxemburg, Lothringen, das Elsass und Teile der Schweiz erobert. So fehlte ihm nur noch die Rheinlande. Als die burgundischen Truppen auf Köln zumarschierten, waren die Kölner in großer Angst. Doch die Truppen zogen zunächst weiter nach Neuss, um dort mit der Eroberung zu beginnen. Die Kölner aber wussten, dass die Truppen danach doch nach Köln kommen würden. Was tun? Einige Stadträte fragten die Dominikaner um Rat. Darauf versammelten sich die Brüder zum Kapitel. Durch Zufall war Pater Dominikus von Flandern gerade im Konvent zu Gast, ein Mitbruder aus Lille (abgebildet auf dem Rosenkranzbild).


Dieser erzählte von Pater Alanus de Rupe, einem Dominikaner aus Dinan in der Bretagne, der das Rosenkranzgebet, das bis dahin mehr oder weniger auf die Klöster beschränkt gewesen war, unters Volk gebracht hatte. Er erzählte wie Alanus de Rupe versucht hatte, den Rosenkranz mit Predigten zu verbinden. Er nahm die Idee der Trierer Kartäuser Adolf von Essen und Dominikus von Preußen auf, die das "Gegrüßet seist du, Maria" mit verschiedenen Gesätzen, die das Leben Jesu schilderten, verbunden hatten. Dominikus von Flandern nun berichtete den Kölner Dominikanern von den Früchten des Rosenkranzgebetes. Er erwähnte dabei auch auf die Rosenkranzbruderschaften, die Alanus de Rupe gründete, die allerdings nicht von Dauer gewesen waren, weil sie keine päpstliche Approbation bekamen. Die Dominikaner aus Heilig Kreuz beschlossen daraufhin, selbst etwas Ähnliches zu versuchen, um vielleicht dadurch die Gefahr des Burgunders abzuwenden.

  

Der Prior der Dominikaner, Jakob Sprenger, schlug es dem Kölner Rat vor, woraufhin eine Rosenkranzbruderschaft gegründet wurde, und zwar am 8. September 1474 (das Datum findet sich auf dem Rosenkranzbild der Andreaskirche). Der Erfolg zeigte sich bald, die Schweizer verbündeten sich mit den Lothringern gegen Karl den Kühnen. Dieser musste notgedrungen seine Truppen aus Neuss abziehen, es kam zur Schlacht von Grandson, von Murten und schließlich von Nancy, in der Herzog Karl der Kühne geschlagen wurde und starb. Als bald darauf Kaiser Friedrich III. in Köln eintraf, um das Rheinland vom Burgunder zu befreien, war zu seiner Überraschung die Befreiung schon geschehen. Man schrieb die abgewendete Gefahr dem inständigen Rosenkranzgebet zu.

  

Nachdem man dem Kaiser die Ursache für die glückliche Befreiung genannt hatte, schlug dieser vor, die Kölner Rosenkranzbruderschaft vom Papst approbieren zu lassen. So kam es zur Erneuerung der im Jahr zuvor gegründeten Bruderschaft, und zwar am 8. September 1475. Kaiser Friedrich III. von Habsburg trug sich als erster ins Buch der Rosenkranzbruderschaft ein, seine Frau, sein Sohn und römischer König Maximilian sowie 5000 andere aus allen Ständen folgten ihm. Papst Sixtus IV. schenkte der Bruderschaft, vermittelt durch einen Sondergesandten, mit der Bestätigungsbulle die Madonna mit dem Kind, die noch heute in der Dominikanerkirche St. Andreas verehrt wird.

  

Von Anfang an stand die Erzbruderschaft auch Frauen offen, was für Bruderschaften dieser Zeit höchst ungewöhnlich war. Auch alle Stände waren zugelassen. Eingefordert wurde nur die „Gebühr" des Gebetes. Viele Reiche und Arme, Gebildete und Ungebildete schrieben sich ein und verpflichteten sich damit regelmäßig den Rosenkranz zu beten. Aus den 5.000 Mitgliedern im Jahre 1475 wurden bis zum Jahre 1479 schon 100.000. Und überall entstanden weitere Rosenkranzbruderschaften nach dem Kölner Vorbild.

Die Rosenkranz-Erzbruderschaft, die am alten Dominikanerkloster Hl. Kreuz in Köln beheimatet war, siedelte1799 bzw. 1802, nachdem die Dominikaner durch die französischen Truppen vertreiben waren und das Kloster infolge der Säkularisierung aufgehoben wurde, in die benachbarte Stifts- und spätere Pfarrkirche St. Andreas über, wo sie bis heute besteht. Sie trägt dafür Sorge, dass täglich der Rosenkranz in der Andreaskirche gebetet wird und steht damit – ununterbrochen (!) - in einer über 500 Jahre gepflegten Gebetstradition. Einmal monatlich wird der Lebenden und Verstorbenen Mitglieder in der Hl. Messe gedacht. Einmal wöchentlich (donnerstags von 11-12 Uhr) hält die Bruderschaft eine eucharistische Anbetung. Das Stiftungsfest am 8. September (Mariä Geburt) und das Patrozinium am 7. Oktober (Maria - Königin vom Hl. Rosenkranz) werden besonders feierlich begangen.

Die Mitglieder der Kölner Rosenkranzbruderschaft verpflichten sich, regelmäßig den Rosenkranz in den Anliegen der Kirche und des Dominikanerordens zu beten. Besonderes Anliegen der Bruderschaft ist das Gebet um geistliche Berufungen und – schon seit der Gründung 1474 – das Gebet um den Frieden in der Welt.



Marcel Oswald
bearbeitet 2013 durch P. Christoph Wekenborg OP