Geschichte der Dominikaner in Köln

  

- Hohes Mittelalter

  

Im Jahr 1221 werden vom Generalkapitel der Dominikaner in Bologna, dem letzten, dem noch der Hl. Dominikus als Ordensgründer vorsteht, Bruder Salomon, Bruder Christian und andere nach Köln geschickt, um dort einen Konvent zu gründen. Sie werden zunächst von den Stiftsherren von St. Andreas aufgenommen. Diese stellen ihnen das Hospiz St. Maria Magdalena als erstes Kloster zur Verfügung. Dieses hatte bereits 1180 ein Kanoniker des Andreasstiftes an der benachbarten Stolkgasse zusammen mit einer Kapelle gestiftet.

Durch Schenkungen und Ankäufe der angrenzenden Privatgrundstücke wird aus dem Hospiz nach und nach ein großer Klosterkomplex mit Konvents- und Wirtschaftsgebäuden sowie einem Platz zum Predigen.

Um 1250 entsteht eine dreischiffige spätromanische Hallenkirche von 35 m Länge mit flacher Decke. Den geraden Abschluss der Schiffe bildet der Hauptchor mit zwei Nebenchören. 1271 erhält die Kirche einen hufeisenförmigen Hochchor in gotischem Stil. Das Apsis-Fenster, gestiftet von Albertus Magnus, ist heute noch als “Jüngeres Bibelfenster” in der Stephanskapelle des Kölner Doms zu besichtigen. Andere Fenster wie das Dominikus-, Petrus Martyr- und Johannes Evangelista-Fenster befinden sich heute im Kapitelsaal bzw. der Sakristei des Kölner Doms. An die Seitenschiffe werden später Kapellen angebaut. (Siehe Rekonstruktionszeichnung)

Die kostbare Kreuzreliquie, die Albertus Magnus vom Französischen König Ludwig IX. geschenkt bekommen hatte und aus Paris mit nach Köln brachte, gibt der Kirche den Namen „Heilig Kreuz“. (Die Reliquie wird noch heute im Hauptaltar der jetzigen Hl. Kreuz-Kirche verehrt.)

Zeitweise leben mehr als hundert Dominikaner im Konvent, zu denen u.a. auch so berühmte Ordensmitglieder wie die heiligen Kirchenlehrer Albertus Magnus und Thomas von Aquin, sowie die Mystiker Meister Eckhart, Johannes Tauler und Heinrich Seuse zählen.

An der Wende vom 12. zum 13. Jh. vollzieht sich im wirtschaftlichen und geistigen Leben des Mittelalters eine wahre Revolution. Die Bevölkerung der Stadt Köln hat seit Beginn des 12. Jh. stark zugenommen. Anfang des 14. Jh. zählt die Einwohnerschaft über 50.000. Köln ist mit Abstand die größte Stadt Europas im hohen Mittelalter. Durch den Handel gewinnt sie darüber hinaus an immenser Bedeutung. Die Handelswege führen nicht nur ins Umland, sondern auch in die reich entwickelten Städte Flanderns und nach England. Die Kapitalkraft der Bürger wächst außerordentlich und damit ihr Selbstbewusstsein. Sie verlangen ihren Anteil an der Regierung der Stadt und wissen sie dem bisherigen Stadtherrn, dem Erzbischof, mehr und mehr abzugewinnen, zunächst im finanziellen, dann nach und nach in allen anderen Bereichen. Im gleichen Zuge wenden sich die Bürger von den langansässigen Stiften ab und mehr und mehr den Bettelorden zu, vor allem den Franziskanern und den Dominikanern. Die Dominikaner bekommen Nachwuchs aus allen Ständen, hauptsächlich aber aus dem selbstbewussten Kölner Bürgertum. Auch bilden sich an der Dominikanerkirche Bruderschaften, so z.B. im 13. Jh. die Petrus-von-Mailand-Bruderschaft der Kölner Brauer. Die geistliche Betreuung obliegt bis heute den Dominikanern.

Im Jahr 1248, dem Jahr der Grundsteinlegung des gotischen Kölner Doms, kommt Albertus Magnus aus Paris, wo er den Lehrstuhl für Theologie innehatte, nach Köln. Hier erhält er den Auftrag, die erste Ordenshochschule der Dominikaner auf deutschem Boden zu errichten, das sog. „Studium Generale“. Sie wird die Vorläuferin der 1388 gegründeten städtischen Universität.

Jede Provinz hatte das Recht, zwei jüngere Brüder, die das theologische Grundstudium abgeschlossen hatten, zur Vertiefung ihrer wissenschaftlichen Ausbildung und zur Vorbereitung auf die eigene Lehrtätigkeit nach Köln zu schicken. So ist bekannt, dass auch Studenten aus Skandinavien, Ungarn und Böhmen in Köln weilten.

Im Umfeld des Klosters entstehen zahlreiche Beginenhäuser. Beginen sind Frauen, die in geistlichen Gemeinschaften zusammenleben und nach außen hin sozial tätig sind, ohne jedoch ein Gelübde abgelegt zu haben.

Die Dominikaner werden vom Erzbischof Konrad von Hochstaden mit ihrer Betreuung beauftragt. 1255 entsteht aus einem dieser Beginenhäuser das Dominikanerinnenkloster  St. Gertrud, an der Nord-Westecke des Neumarktes (siehe Foto). Hier hält im 14. Jahrhundert der berühmte Mystiker Johannes Tauler einige seiner großen Predigten.

Die Begine Christina von Stommeln berichtet, dass die Dominikaner an Festtagen in ihrer Dorfkirche predigten. Die Dominikaner verfügten nämlich über das Privileg, auch außerhalb ihrer eigenen Kirche zu predigen und Beichte zu hören.

Viele Bürger vererben ihre Häuser und Grundstücke den Bettelorden. Dadurch gehören diese Häuser zum Immunitätsbereich der Klöster und bringen der Stadt keine Steuern ein - sie sind der weltlichen Gewalt entzogen. Dies führt zwischen 1343 - 1351 zum Konflikt: Die Stadt versucht die Immunität der Klöster einzuschränken. Nach langen Verhandlungen geben zuerst die Minoriten, dann die Augustiner und später die Karmeliter nach.

Die Dominikaner wehren sich hingegen weiter gegen die Einmischung des Rates in die kirchlichen Erwerbsrechte, und müssen deshalb 1347 die Stadt verlassen. Ihre Häuser werden konfisziert und den früheren Besitzern oder Erben zurückgegeben. Die Dominikaner ziehen nach Bonn, wo sie ein Studienhaus errichten. Nach dem Schiedsspruch von 1351 kehren sie zurück. In dem Schiedsspruch wird festgehalten, dass alles, was der Rat verkauft hat, zu Recht verkauft worden ist. Was die Dominikaner in Zukunft an Immobilien geschenkt bekommen, muss der Konvent in weltliche Hand übergeben, z.B. an Verwandte der Dominikaner.

In dieser Zeit geben die Dominikaner, trotz ihrer finanziellen Schwierigkeiten, das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes, die sich heute in St. Andreas befindet, in Auftrag.

Einen wichtigen Aufschwung erhält das Generalstudium des Klosters, als 1388 die alte Hansestadt Köln mit Unterstützung des Papstes Universitätsstadt wird. In der Stolkgasse, dem Dominikaner-Kloster gegenüber, nimmt die Artistenfakultät (Geisteswissenschaften) ihren Sitz.

Pieta, St. Andreas Köln

Der Dominikanerorden erkennt die Bedeutung der Universität. Viele Studenten der Dominikaner studieren an der Universität, an der gleichzeitig auch eine Reihe von Dominikanern als Professor tätig ist. Im Zeitraum von 1388 - 1521 sind von insgesamt 191 Theologie-Professoren 55 Dominikaner. So kann man auch verstehen, dass sich am Ende des 15. und am Beginn des 16. Jh. der Kampf der neuen Geistesrichtung, des Humanismus, vor allem gegen die Dominikaner in Köln richtet, denn sie geben in dieser Zeit den Ton an und halten dabei streng an der scholastischen Tradition des Thomas von Aquin fest. Selbst in theologisch-kanonistischen Fragen greifen die Dominikaner stets auf Thomas zurück.

Es sei erinnert an ein Gutachten von 69 meist rheinischen Gelehrten zu Gunsten von St. Andreas in Köln aus dem Jahre 1426, in dem die Dominikaner ihre Meinung mit der Ansicht des hl. Thomas begründen.

Im Streit zwischen scholastischer und humanistischer Philosophie wird der Prior des Dominikanerkonventes, Jakob von Hoogstraeten (1516-1527), in seiner Funktion als Inquisitor in den sog. Dunkelmännerbriefen lächerlich gemacht.

   

- Frühe Neuzeit

Auszug aus dem Rosenkranzbild in St. Andreas, Köln (s. Text)

Im Anschluss an die Belagerung von Neuss durch Karl den Kühnen von Burgund 1474/75 errichtete Jakob Sprenger, Professor an der Universität und Prior des Dominikanerkonventes, die Rosenkranz-Erzbruderschaft (1475). In Köln erinnert noch heute das berühmte Rosenkranzbild in St. Andreas (einst in der Dominikanerkirche) an die Entstehung der Bruderschaft. In dem im Vordergrund knienden Dominikaner (mit dem „Doktorenhut“) sieht man ein Porträt Jakob Sprengers. (siehe Foto) Jakob Sprenger war ein Vertreter des observanten, strengen klösterlichen Lebens, dass sich ab Mitte des 15. Jh. im ganzen Dominikanerorden wieder durchsetzte. Als Prior von Köln und Provinzial der Teutonia hat Jakob Sprenger die strenge Observanz wieder in Köln eingeführt. Unter ihm erlebt das Dominikanerkloster zwischen 1464 - 1525 eine Blütezeit.

Jakob Sprenger wurde lange Zeit fälschlicherweise als Mitherausgeber des „Malleus Maleficarum“, des „Hexenhammer“ betrachtet. Dieses Buch hat eine traurige Berühmtheit in den Hexenprozessen der frühen Neuzeit erlangt. Der Hexenhammer schildert die angeblichen Praktiken von „Hexen“, wie man sie überlisten könne und den Prozess gegen sie führen solle. Inzwischen gilt Sprenger jedoch in Wissenschaftskreisen als rehabilitiert, d.h. dass er mit dem Hexenhammer überhaupt nichts zu tun hat. Der Dominikaner Heinrich Institoris aus Schlettstadt (Sélestat) hat den Hexenhammer verfasst und damit eine Bewegung der frühneuzeitlichen Gesellschaft unterstützt, die unsagbares Leid mit sich brachte und für die die politische Obrigkeit und Kirche gemeinsam Verantwortung tragen. Um einen bekannten Namen einzubringen, hatte Institoris das Gutachten der Kölner Universität gefälscht und Jakob Sprenger als Verfasser mitgenannt.

 

Die große Reformbewegung, die während des ganzen 15.-16. Jh. in den Konzilien einerseits, in den Reformversuchen des Ordens- und Weltklerus andererseits zum Ausdruck kommt, findet ihren traurigen Abschluss in der Kirchenspaltung. Die Kirche Deutschlands wird in ihren Grundfesten tief erschüttert. Am wenigsten von der Spaltung betroffen sind die Gebiete am Mittel- und Niederrhein. Ihre Hauptstütze finden sie in der Universitäts- und Reichsstadt Köln, die selbst gegen den Erzbischof dem katholischen Glauben treu bleibt. Bei den Dominikanern gibt es eine ansehnliche Zahl von eifrigen Verteidigern des katholischen Glaubens, z. B. Bernhard von Luxemburg oder Tilmann Smeling aus Siegburg.

Im Blick auf Gesamtdeutschland blieb die Situation für das katholische Klosterleben jedoch bedrohlich. Die meisten Klöster der Dominikaner befinden sich in einer nun protestantischen Umgebung und sterben aus. Deshalb werden Mitbrüder aus Spanien und Italien gebeten, die Leitung vieler Klöster und den Unterricht zu übernehmen. Auch an der Universität Köln sind jetzt ausländische Dominikaner tätig. Doch allmählich bessert sich die Lage wieder. Die Seelsorge nimmt von neuem einen großen Aufschwung, vor allem widmet man sich der Verbreitung des Rosenkranzes.

Am 2. März 1659 brennt das alte Dominikanerkloster in Köln aus. Die Manuskripte und andere wertvolle Dinge werden vernichtet. Beim Neubau des Klosters durch Prior Gumpertz wird der Kreuzgang vergrößert und das Klostergebäude dreigeschossig im barocken Stil  neu errichtet.

   

- Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts

  

1794, als die Franzosen in Köln einrücken, gibt es nur mehr 31 Dominikaner im Kloster (15 Priester, 6 Studenten, 7 Brüder und 3 Novizen). In diesem Jahr erscheint der letzte erhaltene Katalog der Namen der Brüder der Provinz Teutonia. Das Dominikanerkloster wird zunächst mit französischen Soldaten belegt, die später in die Kartause überwechseln. Am 17. Juni 1799 erhalten die Dominikaner den Befehl, innerhalb von zwei Stunden ihr Kloster zu räumen, da es von der französischen Militärverwaltung zur Kaserne für 1500 Mann bestimmt sei. Die Kanoniker von St. Andreas nehmen die Vertriebenen gastfreundlich auf. Nur einige wenige Manuskripte dürfen die Dominikaner mitnehmen, einige Rechnungsbücher und dazu die Reliquien der Heiligen, freilich ohne die kostbaren Reliquiare, sie bleiben in den Händen der Revolutionäre und werden eingeschmolzen. Ebenso werden die Reliquien des Hl. Albert und einige Kunstschätze wie die Pietà, die Rosenkranzmadonna und das Altarbild der Rosenkranzbruderschaft mitgenommen.

Die Dominikaner können nur kurze Zeit in St. Andreas bleiben, denn 1802 wird auch dieses Stift aufgelöst. Während die älteren Dominikaner bei Verwandten in Köln unterkommen, übernehmen die jüngeren Pfarrstellen, z.B. Bruchhausen, Fischenich, Dieblich.

Das letzte Mitglied des Konventes, P. Pius Wiand, der 1794 Novize war, stirbt am 10. Juli 1860. Nach der Aufhebung des Klosters war er Pfarrer in Dieblich, Subsidiar in Fischenich, Schwadorf und an St. Alban in Köln.

Reichshauptpost Köln

Das Archiv des Klosters wird von der französischen Verwaltung übernommen. Es befindet sich heute im Staatsarchiv Düsseldorf. Die sehr umfangreiche und kostbare Bibliothek hingegen ist größtenteils spurlos verschwunden. Die Ordenskirche wird am 28. September 1802 geschlossen und der Plünderung rücksichtslos ausgeliefert. 1804 wird die Kirche bis auf die Grundmauern abgerissen, die noch vorhandenen Denkmäler zertrümmert. Sie war, nach dem Dom die größte Kirche der Stadt gewesen.

1814 werden die noch bestehenden Gebäudeteile des ehemaligen Kloster in eine preußische Artilleriekaserne umgewandelt, 1828 wird auch der letzte mittelalterliche Rest des Klosters, das gotische Eingangstor zum Klostergebäude, von der Militärbehörde beseitigt. 1889 schließlich fällt alles der Spitzhacke zum Opfer. In den Jahren 1889 - 1892 nämlich entsteht an der Stelle des Klosters die Reichshauptpost (siehe Foto).

Seniorenresidenz Köln

Beim Bau werden die noch vorhandenen Grundmauern und Grabstätten der ehemaligen Klosterkirche aufgedeckt und dokumentiert. Die Reichshauptpost wird im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. 1948 baut die Post an dieselbe Stelle das schlichtere Hauptpostamt, das sie schließlich 1998 aus wirtschaftlichen Gründen aufgibt.

Heute befindet sich an dieser Stelle die „Residenz am Dom“, eine großzügige Wohnanlage für Senioren. (Foto rechts). Im Innenhof der Senioren-Residenz steht eine Statue des Hl. Albertus Magnus, die ursprünglich von der Fassade des ersten Wallraff-Richards Museums stammt. Sie erinnert, neben vielen anderen Hinweisen im Haus, an den historischen Ort des mittelalterlichen Dominikanerklosters Hl. Kreuz.


- Wiederbegründung der Dominikanerprovinz Teutonia

Dominikanerkloster Köln in der Lindenstraße

Seit Mitte des 19. Jh. gibt es Bestrebungen, den Dominikanerorden wieder in Deutschland ansässig zu machen. Der belgische Graf Ceslaus von Robbiano der in Frankreich in den Orden eintrat, gilt als Wiederbegründer der Provinz Teutonia. Es entstehen erste Niederlassungen im Königreich Preußen, 1860 in Düsseldorf und 1865 in Berlin. Im Jahre 1898 kehren die Dominikaner schließlich auch nach Köln zurück. Sie bewohnen zunächst ein Mietshaus (Melchiorstraße 35). Alsbald jedoch beginnen sie mit dem Neubau von Kloster und Kirche außerhalb der alten Stadtumwallung an der Lindenstraße. Der Grundstein zur neuen Klosterkirche wird am 2. Oktober 1902 gelegt, am 10. Mai 1904 wird sie konsekriert. Am 31. Mai 1942 werden Kirche und Kloster zunächst stark zerstört, und dann am 2. März 1945 durch die Bomben buchstäblich zermalmt. Ab 1947 entsteht aus den Kirchenruinen ein neues Gotteshaus (siehe Foto), das 1952 konsekriert wird.

Nähere Informationen zur Geschichte und zum aktuellem dominikanischen Leben und Wirken am Kölner Konvent Hl. Kreuz in der Lindenstraße finden Sie hier.


- Neugründung an St. Andreas

Blick auf St. Andreas aus Süd-Ost

Am 1. Mai 1947 kommen die Dominikaner an die ehem. Stifts- und spätere Pfarrkirche St. Andreas. Da die Reliquien ihres berühmten Mitbruders Albertus Magnus dort ruhen, überträgt der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings ihnen die Seelsorge an dieser Kirche. Das alte Pfarrhaus wird abgerissen und an seiner Stelle entsteht 1954 das heutige Klostergebäude. Der Entwurf des Andreasklosters stammt von Karl Band. Die Dominikaner machen sich schnell einen Namen, vor allem auch durch die Arbeit und die Predigten von P. Laurentius Siemer und dessen Bruder P. Alexander, P. Rochus Spieker, P. Wunibald Brachthäuser, P. Urban Plotzke u.a.m., die auch hervorragende gesellschaftliche Kontakte in Köln und darüber hinaus pflegen.
In den 50er Jahren gehören z.B. Konrad Adenauer und Kardinal Frings zu den prominenten Förderern der Brüder und werden bis heute als „Geburtshelfer“ des Klosters an St. Andreas gewürdigt. Auch als Beichtkirche ist St. Andreas bekannt, hier sei vor allem an den beliebten, blinden P. Candidus Wiedemann erinnert. Über Jahrzehnte hinweg, bis in die 90er Jahre, stellen die Dominikaner an St. Andreas auch den „Domprediger“ in der benachbarten Kathedrale.

Im Jahr 1954 wurde in der Andreaskirche die Krypta erneuert. Karl Band entwarf auf Wunsch der Dominikaner eine würdige Ruhestätte für den 1932 Heilig gesprochenen und 1941 zum Kirchenlehrer erhobenen Albertus Magnus, dessen Gebeine bereits nach der Säkularisierung nach St. Andreas gelangten. Kardinal Frings übertrug die Gebeine 1954 feierlich in den römischen Sarkophag in der Krypta, wo sie bis heute verehrt werden. Seit dieser Zeit wird auch die jährliche Festwoche im November zu Ehren des Heiligen begangen. Namhafte Professoren und Wissenschaftler wurden eingeladen, um über Albertus Magnus zu referieren. Den Albertus Magnus-Festgottesdienst zelebrieren im Laufe der Jahre viele Bischöfe aus dem In- und Ausland. Der Besuch des seligen Papstes Johannes Paul II. am 15. November 1980, dem 700. Todestag des Hl. Albert, bedeutet sicher einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte von St. Andreas.

Von 1993 bis 2005 war der Konvent St. Andreas auch eines der Ausbildungshäuser der Provinz Teutonia. Dominikanerstudenten, die das Grundstudium oder ein weiterführendes Studium in Bonn absolvierten, gehörten mit zur Kommunität und arbeiteten in der Gemeinde mit. Die Anwesenheit von jungen, kreativen Mitbrüdern befruchtete in dieser Zeit, die Arbeit des Konventes.


Besondere Ereignisse, die das klösterliche und kirchliche Leben an St. Andreas besonders beeinflusst haben, waren:

1974 Tausendjahrfeier von St. Andreas
1980 Besuch des Sel. Papstes Johannes Paul II. am Albertgrab
1985 Jahr der Romanischen Kirchen
1997 50 Jahre Dominikaner an St. Andreas mit dem Besuch des Ordensmeisters aus Rom
2005 Dominikanisches Zentrum zum Weltjugendtag
2010 Fusion der Pfarreien der Kölner Innenstadt zur Pfarrei St. Aposteln; Wiedereinweihung des sanierten Andreasklosters und 750. Bischofsjubiläum des Hl. Albert / Diverse Ordensprofessen, Diakonats- und Priesterweihen
2010 Einweihung des Fensterzyklus von Prof. M. Lüpertz.


- Dominikaner an St. Andreas heute

Fast 60 Jahre lang gab es in Köln zwei eigenständige Konvente: Hl. Kreuz und St. Andreas. Aufgrund der Personalentwicklung der Provinz entschloss sich das Provinzkapitel der Teutonia im Jahr 2004, St. Andreas ordensrechtlich herabzustufen. Das Kloster war nun nicht mehr „Konvent“ (d.h. es mussten nicht mehr alle Ämter besetzt, und die Minimalzahl von 6 Brüdern musste nicht mehr eingehalten werden). Das Andreaskloster ist seither „Filialhaus“ des Konventes Hl. Kreuz in der Lindenstraße.

In den Jahren 2008 bis 2010 wurde das Klostergebäude an St. Andreas grundlegend saniert und umgebaut. Heute beherbergt das Gebäude neben der Dominikanischen Kommunität u.a. auch Büros für die Verwaltung des Sozialdienstes Kath. Männer (SKM), den Zentral Dombauverein Köln e.V., eine Notschlafstelle für Obdachlose und Menschen aus dem Drogenmilieu sowie neue und angemessenen Räume für die Gemeinde an St. Andreas. 

Die Andreaskirche trägt seit der Fusion zur Pfarrei St. Aposteln 2010 den offiziellen Titel „Dominikanerkirche“. Heute ist das Kloster an St. Andreas weiterhin der pastorale Schwerpunkt der Dominikaner in Köln. Die Arbeit der vor Ort lebenden Brüder wird personell von Hl. Kreuz aus unterstützt, vor allem im Beicht- und Predigtdienst. Darüber hinaus wird die Arbeit der Dominikaner durch die unentbehrliche Unterstützung vieler engagierter Laien mitgetragen. Gerade das macht die Lebendigkeit dieses klösterlichen Ortes mitten in der Kölner Innenstadt aus.

 

Marcel Oswald

Aktualisiert 2013 durch P. Christoph Wekenborg OP