GOTTES LOB AUS EHRENDEM MUND
Zur Geschichte der Glocken unserer Pfarrgemeinde
Sie heißen Martinus und Maria, Johannes und Margarethe, und wir hören sie täglich. Morgens, mittags und abends mahnen sie zum Gebet, sie rufen zum Gottesdienst, begrüßen das neue Jahr und beklagen die Toten aus unserer Mitte.
Und doch wissen wir recht wenig über sie, obwohl drei von ihnen über 100 Jahre und eine sogar schon mehr als 300 Jahre ihren Dienst tun.
Die Chronik unserer Pfarrei liefert einige Hinweise zu ihrer Geschichte.
Noch gegen des 19. Jahrhunderts bestand das Geläute von St. Martinus nur aus 2 Glocken mit den Tönen ‚e’ und ‚g’.
Die g-Glocke stammt aus dem Jahr 1658, während die e-Glocke erst 1851 gegossen wurde. Diese verhältnismäßig junge Glocke hatte aber, wie es in der Chronik heißt, „schlechten Ton“, wohl wegen des „schlechten Gusses“, wie sich später beim Zerschlagen zeigen sollte.
Darum bestand schon lange der Wunsch, ein besseres und den Verhältnissen der Kirche und der Pfarre entsprechendes Geläut zu beschaffen. Eine Sammlung freiwilliger Beiträge ergab ein glänzendes Resultat.
1898 holte man zunächst das Gutachten eines Sachverständigen ein. Dieser stellte fest, dass die alte Glocke „wegen ihres Gusses, ihres Tones auch der Inschriften erhalten werden musste“, während die jüngere e-Glocke bei der Erneuerung des Geläuts in Zahlung gegeben werde konnte.
So wurde mit der Glockengießerei Otto in Hemelingen bei Bremen ein Vertrag geschlossen, wonach bis zum 15.10.1898 drei neue Glocken mit den Tönen ‚d’, ‚e’ und ‚fis’ geliefert werden sollten, so dass, wie in der Chronik vermerkt, „fortan 4 Glocken das Lob Gottes verkünden und die Gläubigen erbauen sollten.“
Am 13.10.1898 trafen die drei trafen die drei neuen Glocken, vermutlich per Bahntransport, in Harff ein; am 14.10. wurden sie nach Kirchherten geholt. Nachdem der Sachverständige sie am 15.10. „geprüft und als vollendete Kunstwerke erklärt hatte“, wurden sie am 16.10.1898, dem Kirmessonntag, durch den Dechanten und Ehrencanonecus, Pfarrer in Mülheim a. Rhein, unter Assistenz des Ortspfarrers Gossen und seiner Amtskollegen Jussen (Kalrath), Müllem (Kirchtroisdorf) und Sandkaulen (Morken-Harff) eingeweiht.
Die drei neuen Glocken hatten ein Gesamtgewicht von 84 Zentnern, der Preis pro Zentner belief sich auf 90 Mark, so dass sich ein Gesamtpreis von 7560 (Reichs) Mark ergibt.
Die Inschriften der Glocken
Die Inschriften enthalten Anrufungen der Patrone, aber auch Hinweise auf die Entstehung der Glocken. So findet sich in den Inschriften der ‚d’- und ‚fis’-Glocke die verschlüsselte Jahreszahl 1898.
Weitere Details finden Sie in den Links zu den einzelnen Glocken.
Die Inschrift der alten, 1851 gegossenen und 1898 zerschlagenen e-Glocke sei hier der vollständig halber ebenfalls genannt:
Sancte Martine, ora pro nobis,
Sancte Maria, ors pro nobis,
Laudo Deum, plebim voco
Defunctus plango, nimbus fugo
Virgo Maria vocor.
Anno 1851 sub pastore Nicolao Kremer expensas fecerunt parochiani ,
Beduwe goß mich, Heinrich Franken hat mich gefahren. Salvatore mundi miserere nobis.
Heiliger Martinus, bitte für uns,
Heilige Maria, bitte für uns,
ich lobe Gott, das Volk rufe ich an,
die Toten beklage ich, das Unwetter vertreibe ich,
Junfrau Maria werde ich genannt.
Im Jahre 1851 haben die Pfarrkinder unter dem Pastor Nikolaus Kremer [mich] durch ihre Spenden gemacht.
[...] Heiland der Welt, erbarme dich unser.
Quelle: Pfarrbrief Weihnachten 1991 (H. Kolewa) |