Die Matthiasbruderschaft zu Lülsdorf

"Bruderschaften sind Vereinigungen frommer Christen" heißt es in einem Buch aus dem letzten Jahrhundert. Sie erlebten eine Blütezeit im Spätmittelalter (ca. 1250 bis 1500). Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Bruderschaft "Unserer lieben Frau" durch den damaligen Lülsdorfer Pfarrer Stalman gestiftet. Erste Quellen aus dem Jahre 1582 berichten über die Existens einer Matthiasbruderschaft zu Lülsdorf. Wahrscheinlich ist die Liebfrauenbruderschaft in eine neugegründetet Matthiasbruderschaft aufgegangen, die im Jahre 1669 durch Papst Clemens IX. bestätigt wurde. Die Matthiasbruderschaft erfreute sich großer Beliebtheit und erhielt damals wohl manche "Zuwendungen".

Matthiasbruderschaften sind Pilger-und Gebetsbruderschaften mitdem Zweck, Wallfahrten zum Grab des Apostels Matthias nach Trier durchzuführen. Seit dem 11. Jahrhundertetwa pilgern Bruderschaften zum Apostelheiligtum. Trierer Legenden zufolge soll die römische Kaiserin Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin, den Bischof Agritius beauftragt haben, neben anderen wertvollen Reliquien auch den Leib des Apostels Matthias nach Trier zu überführen. Jährlich kommen in über 140 Gruppen Pilger nach St. Matthias, wobei die meisten mindestens drei bis vier Tage bis Trier unterwegs sind. Ein Teil dieser Gruppen kann auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken, ungefähr ein Drittel davon ist in den letzten Jahren neu entstanden. Die Pilger kommen zum überwiegenden Teil aus den Bistümern Köln, Aachen und Trier.

Etwa 20 bis 25 Pilger begeben sich jedes Jahr am Montag vor Christi Himmelfahrt auf den knapp 160 km langen Pilgerweg durch die Eifel. An Christi Himmelfahrt startet eine etwa gleich große, zweite Gruppe, die zunächst bis Mondorf geht, um dann mit dem Bus bis Adenau zu fahren, wo sie mit der ersten Gruppe zusammentrifft. Gemeinsam erreicht die dann bis zu 50 Pilger starke Gruppe am Samstag Trier. Der letzte Abschnitt führt am Sonntagmorgen von der Porta Nigra zur Abtei Sankt Matthias. Nach feierlichem Pilgerhochamt am Grab des Apostels geht es mit dem Bus zurück nach Lülsdorf. Als Unterkünfte dienen sowohl Hotels wie auch Privatquartiere. Die Möglichkeit zum Gepäcktransport ist gegeben.

Unter der Leitung des Brudermeisters beginnt jeder Tag mit dem Morgengebet. Auf dem Weg wird traditionell in regelmäßigen Abständen der Rosenkranz in Prozessionsordnung gebetet. Zudem werden Impulse zur Jahreslosung gelesen oder Gedankenanstöße mit auf den Weg gegeben. Die Möglichkeit zum Gedankenaustausch gibt es sowohl in einzelnen Gesprächen unterwegs, als auch bei den Pausen in der großen Gruppe. Jeden Tag wird versucht, eine gemeinsame hl. Messe zu feiern. Der Pilgertag endet mit dem Abendgebet, bevor das Quartier bezogen wird, wo die Gruppe den jeweiligen, mehr oder weniger anstrengen Tag in geselliger Runde ausklingen lässt.

Angeboten wird die Teilnahme an der Fußwallfahrt von Lülsdorf nach Trier für Jung und Alt; das Mindestalter beträgt 13 Jahre. Die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Konfession ist nicht notwendig, dennoch bildet während der Wallfahrt die römisch-katholische Glaubenslehre die Grundlage.

 

Homepage: www.smb-luelsdorf-ranzel.de