Das Misereor Hungertuch 2009 "Gottes Schöpfung bewahren - damit alle Leben können" hat der Künstler Tony Nwachukwu aus Nigeria gestaltet.
Das MISEREOR Hungertuch 2009 „Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben
können“
Es ist eine Minute vor zwölf: Der
globale Klimawandel ist bereits Realität. Wir spüren seine Auswirkungen
buchstäblich am eigenen Leib: Hitze und Dürre, Stürme und starke Niederschläge, Gletscherrückgang
und Überschwemmungen, Ernteausfälle und Ausbreitung von Krankheiten. Als diejenigen, denen die
Schöpfung als Leihgabe von Gott anvertraut worden ist,
tragen wir Menschen Verantwortung für sie. Das MISEREOR-Hungertuch 2009 lädt sie
ein, sich während der
Zeit des Fastens und der Besinnung zwischen Aschermittwoch und Ostern mit dieser
Verpflichtung auseinanderzusetzen.
Die Erde ist wüst und wirr - Eine Minute vor zwölf
Auf der linken Seite sehen wir eine düstere, fast apokalyptisch anmutende Szenerie: die
Zerstörung unserer Welt ist bereits weit fortgeschritten. Alles ist in Unordnung: Das Land ist
erodiert und ausgetrocknet, die Erde zerschunden und zerrissen, die Pflanzen biegen sich verdorrend
zur Erde. Sie ernähren niemanden mehr. Die Meere steigen an und reißen die Menschen, Hütten
und alles Leben mit sich. Der kleine Junge treibt neben Tierkadavern hilflos auf einem Giftfass
durch die todbringende Flut.
Und Gott sprach – Schöpfung durch Geist und Wort
Oben im Bild ist die Schöpfung durch den dreifaltigen Gott dargestellt: Gott schafft die Welt
mit allem, was lebt, durch sein Wort (Gen 1,3). Das Wort ist in Christus Mensch geworden (Joh 1,1).
Die Schriftrolle entfaltet die Geschichte Gottes mit den Menschen und lässt uns die Schöpfung neu
lesen. Mit der Rolle wird ein neues Kapitel aufgeschlagen: Dem wüsten Chaos steht eine
göttliche Ordnung von Licht und Dunkel, Erde und Wasser, Vögeln, Fischen, Landtieren, Tages- und
Jahresläufen, Arbeits- und Ruhezeiten gegenüber. Der Geist Gottes schwebt über der
Menschenversammlung. Die Taube weist mit ihrem Kopf auf das Licht im Zentrum, das Licht Christi,
das die Welt erleuchtet: „Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen, und du
erneuerst das Antlitz der Erde“ (Ps 104,30).
Und Gott sah, dass es gut war
Als Christen glauben wir, dass Gott die Erde geschaffen hat, wie es die biblische
Schöpfungserzählung überliefert: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: es war sehr
gut.“ Uns Menschen hat er den Auftrag gegeben, den Garten Eden zu bebauen und zu pflegen. Mit
der Einladung, Ressourcen zu nutzen, hat Gott uns aber gleichzeitig in die Pflicht genommen, die
Schöpfung zu schonen und zu bewahren.
Gott, du Freund des Lebens (Weish 11,26) – Am Anfang war ein Garten
Die Frauen, Männer und das Kind unten im Bild sind im Dialog miteinander. Globale Probleme
können nur unter Beteiligung aller gelöst werden und die erhoffte Heilszeit Zeichen des ersten
Gartens tragen: „Die Steppe wird jubeln und blühen wie eine Lilie“ (Jes 35,1). Wie in
jenem Garten wird der Friede zwischen den Kreaturen wieder hergestellt sein.
VertreterInnen aller Kontinente haben sich hier zusammengefunden: eine Europäerin, ein
Lateinamerikaner, ein Asiat, ein Araber, eine Afrikanerin und ein afrikanischer Junge als Vertreter
der kommenden Generationen, die ja auch Teil der Schöpfung sein werden und über deren Schicksal wir
jetzt entscheiden. Sie sind umgeben von einem grünen Garten, der an den ersten Garten Eden
erinnert.
Alle halten etwas in ihren Händen, das mit den sieben Schöpfungstagen korrespondiert: eine
Schale mit lebendigem Wasser, einen Getreidehalm, einen fast ausgestorbenen tropischen
Rotschnabeltoko, eine Öllampe, eine rosa Blüten tragende Afrikanische Teufelskralle und ein
Coburger Fuchsschaf.
Der Mensch ist selbst Teil der Schöpfung, seine Verfügungsgewalt ist begrenzt. Das
verantwortliche Handeln für den Klimaschutz ist ein Zeugnis, wie Christen ihren Auftrag zur
Bewahrung und Gestaltung der Schöpfung ernst nehmen. Die Unterstützung der Armen, Schwachen,
Benachteiligten und Nichtbeteiligten ist ein Wesenskern des christlichen Glaubens. Deshalb ergreift
die Kirche solidarisch Partei für Gottes Schöpfung und für die Opfer des Klimawandels, insbesondere
für Arme, Alte, Kranke, Kinder, Ungeborene und die kommenden Generationen.
Der
Künstler und Symbolgrafiker Tony Nwachukwu ist 1959 in Enugu/Nigeria geboren und
lebt heute mit seiner Frau und vier Kindern in Owerri/Nigeria. Der jüngste Sohn, Dabere, lieh dem
Kind auf dem Hungertuch sein Gesicht. In Owerri betreibt Tony Nwachukwu eine Kunst-Galerie.