Pfarrjubiläum St. Rochus

Pfarrjubiläum_2Festwoche zur 500-Jahr-Feier der Pfarrei St. Rochus vom 2. Mai - 9. Mai 2010

Gebete zur Festwoche (pdf-Datei)

Vor 500 Jahren wurde St. Rochus zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Dieses Ereignis werden wir in unserer Gemeinde mit einer Festwoche vom 2. bis zum 9. Mai 2010 feiern.
In verschiedenen Veranstaltungen (siehe separates Festprogramm) soll das vergangene halbe Jahr-tausend näher betrachtet und für das Bestehen gedankt werden. Insbesondere die Aktion, 500 (und mehr!) Gebete bis zur Festwoche zu sammeln, soll ein aktuelles Glaubenszeugnis geben.

Blicken wir zunächst kurz in die Geschichte zurück: Um das Jahr 1000 wurde an der Stelle, an der später das alte Balkhausen entstand, eine kleine Kapelle erbaut, die etwa 100 Jahre später durch eine kleine Saalkirche ersetzt wurde. Diese Kirche war eine sogenannte Filialkirche von Kierdorf und erhielt nach ihrer Erweiterung um das Jahr 1250 das Patronat des heiligen Quirinus. Um 1510 fand an gleicher Stelle aber-mals ein Neubau einer Kirche statt, die dann von der Mutterkirche in Kierdorf getrennt und zur selbständigen Pfarrkirche erhoben wurde. Dies war sozusagen die Geburtsstunde der Pfarrei St. Rochus. Die neue Kirche erhielt als Patron den Pestheiligen Rochus, später dann auch den heiligen Sebastianus, ebenfalls Schutzpatron bei Seuchen und Epidemien.

Über die Verehrung, die der heilige Rochus im Mittelalter genoss, ver-mögen wir uns heute kaum noch ein Bild zu machen. Bedenken wir, wie hilflos unsere Vorfahren den um sich greifenden Seuchen immer wieder gegenüberstanden, so ahnen wir vielleicht, wie oft und mit welcher Inbrunst die Bevölkerung in ihrer Not Zuflucht und Hilfe bei ihm suchte. Darin wird auch der Grund lie-gen, dass 1510 St. Rochus als neuer Pfarrpatron erwählt wurde.
Bis zum 1. Weltkrieg war die Verehrung des Heiligen in Balkhausen sehr lebhaft. Außer zahlreichen Pilgern aus der ländlichen Umgebung kamen mehrere Prozessionen aus Köln. Der Höhepunkt der Verehrung war jährlich am 16. August, dem Festtag des heiligen Rochus. Noch bis zum Ende des 1. Weltkrieges kamen die Kölner Pilger als Fußgruppe regelmäßig zur Wallfahrtskirche im alten Balkhausen (Motiv des Seiten-fensters am Taufbecken). Nach dem ersten Weltkrieg schien es mit der Begeisterung für die Rochusverehrung vorbei zu sein. Es kamen unre-gelmäßig nur noch wenige Kölner Pilger, die letzte Kölner Fußprozessi-on kam am 25. August 1926 mit nur noch etwa 25 Teilnehmern.

St. Rochus in Alt-Balkhausen

Bei dem Bau von 1510 handelte es sich um eine gotische Kirche mit Turm, die um 1710 erweitert wurde. 1870 begann der Neubau einer neugotischen Kirche an gleicher Stelle, die 1872 fertiggestellt wurde. Diese Kirche ist sicher noch einigen Menschen aus der Gemeinde in Erinnerung. Sie wurde wie (fast) der gesamte Ort am 26. Februar 1958 niedergelegt, um die gesamte Ortslage auszukohlen.

Die neue Kirche: St. Rochus Balkhausen in Türnich

Der Grundstein für den Neubau der St. Rochus-Kirche wurde am 10. Oktober 1954 gelegt, geweiht wurde sie am 16. November 1955 durch den damaligen Erzbischof von Köln, Josef Kardinal Frings.
St. Rochus ist eine typische Kirche der 1950er Jahre, schlicht bis minimalistisch. Erbaut wurde sie nach einem Gesamtkonzept des Kölner Architekten Karl Band, der St. Rochus ursprünglich als „Wegkirche“ geplant hat, d. h. der Taufstein stand am Hauptein-gang und lag auf einer Diagonalen mit dem Altar am anderen Ende. Eine Art Brüstung trennte den Altarraum von der Gemeinde, der Priester zelebrierte noch mit dem Rü-cken zur Gemeinde. Die Gläubigen versammelten sich unter einer zeltartigen Deckenkonstruktion um den Altar, da die Bän-ke nicht mehr gradlinig auf den Altar ausgerichtet waren, sondern um ihn herum. Insbesondere die Orgelempore in Nierenform spiegelt die Zeit wider, in der St. Rochus gebaut wurde.

Einige Gegenstände aus der Balkhausener Kircheneinrichtung sind in der „neuen“ Kirche in Türnich erhalten, wie z. B. das Taufbecken, die oben abgebildete Rochusfigur, die Statue des hl. Sebastian, die drei großen (ehemaligen) Altarbilder, das Gnadenbild in der Marienkapelle und das Mittelteil einer alten Kommunionbank in der Grafenloge.
Im Jahre 1991 wurden die Kirche und insbesondere der Altar-raum auf Anraten der Erzbischöflichen Kunstkommission neu gestaltet. Der gesamte Altarraumbereich wurde abgesenkt und neu plattiert, die Brüstung wurde entfernt, das große Holzkreuz auf die Giebelwand umgehängt und Decke und Wände wurden hell angestrichen. Erneuert wurden der Altartisch, das Sakra-mentshaus und 1994 auch der Ambo durch Werke des Bild-hauers Hein Gernot. Dieser schuf auch das Altarkreuz und das Ewige Licht aus Bronze.
Nach der Neugestaltung des Kircheninnenraumes 1991 präsen-tiert sich St. Rochus im Wesentlichen so, wie wir die Kirche heute kennen.

Zurück zur Festwoche:

Viele spannende Bilder werden während der Festwoche in einer Ausstellung im Pfarrheim zu sehen sein. Johannes Schlömer, der Initiator der Ausstellung, verknüpft die Kirchengeschichte eng mit der Geschichte des Ortes, die im Fall Balkhausen und Türnich sehr prägend ist.
Zusätzlich kann eine Festschrift erworben werden, in der neben der geschichtlichen Entwicklung, einer Beschreibung des Kirchenbaus und seinem Inventar auch Erinnerungen von Zeitzeugen sowie das aktuelle Gemeindeleben festgehalten sind.
Die oben angesprochenen 500 Gebete werden ebenfalls in der Kirche ausgestellt und können dort gelesen werden.
Sie alle sind herzlich eingeladen, am Festprogramm teilzunehmen!
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