Am 19. Mai 1858 wurde das Gütchen "Im Hahnen" auf der nördlichen Straßenseite der Hauptstraße gekauft und als Pfarrhaus und Schule für die Katholischen Kinder genutzt. Auf den Fundamenten einer alten zum Grundstück gehörenden Scheune wurde 1859 die St. Suitbertus-Kapelle errichtet und am 16. November 1859 eingeweiht und eine Rektoratspfarre errichtet. Die zuständige Pfarrei war immer noch St. Jakobus d. Ältere in Homberg. Am 10. Juni1892 wurde St. Suitbertus in Heiligenhaus eigenständige Rektoratsgemeinde. Im Großlindenfeld wurde ein Grundstück für einen Katholischen Friedhof gekauft, auf dem am 15. Januar 1893 die erste Beerdigung stattfand .(Übrigens hielt der Rektor von St. Suitbertus bis 1896 den Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen auch in Hetterscheidt.) Erst im Jahre 1893 wird St. Suitbertus in Heiligenhaus eine selbständige Pfarrei. Im folgenden Jahr 1894 wurde auf der gegenüberliegenden südlichen Straßenseite der Hauptstraße ein Grundstück für den Bau einer großen Pfarrkirche gekauft. Die Grundsteinlegung für die Pfarrkirche St. Suitbertus, den "Heiligenhauser Dom", der nach den Plänen des Architekten A. Becker im neugotischen Stil in fast 2 Jahren errichtet wurde, war am 5. Juli 1896 durch den Dechant Frank aus Wittlar. Vieles der neugotischen Inneneinrichtung wurde im Rahmen von Ausbau und Innenrenovierung entfernt. Heute prägen Glaskunstfenster von Wilhelm Buschulte den Innenraum:
Vier der Chorfenster erzählen von der Berufung des Propheten Jesaja (Jes 6, 1-8), das fünfte Chorfenster deutet den Traum des Jakob (Gen 28,10-22)
Das Seitenfenster auf Höhe der Vierung ist gestaltet zum Gleichnis von Senfkorn (Mk 4,30-32)
und eine Glas-Wand im Seitenanbau bringt die Vision und "Trostgeschichte" "Die Frau und der Drache" zum Leuchten (Apk 12,1-6).
Malen mit Licht
von Ruth Ortlinghaus, Heiligenhaus
Im sparsam ausgestatteten Innenraum von St. Suitbertus dominieren die erlesen schönen Kirchenfenster in einer gelungenen Symbiose aus Architektur und moderner Glasbaukunst. Fast abstrakt, in mystischer Transparenz, mit sanften oder spannungsreichen Farbklängen visionärer Kompositionen, verkörpern die zwölf Kunstwerke zum Himmel aufstrebend das allgegenwärtige Mysterium Gottes. In ihrer Wirkung vom Lichteinfall abhängig, strahlen sie zu jeder Tageszeit, bei jeder Witterung in anderen Farbschattierungen und entwickeln in differenzierten Nuancierungen ihre Eigendynamik.
Die an den Seiten des Mittelschiffes liegenden Kunstwerke entziehen sich in wellenförmig- geschwungenen und zartfarbenen Glasabstraktionen der Interpretation, vermitteln aber in ihrer Schönheit inspirierende Impulse und laden zur Meditation ein. In den übrigen Glaskunstfenstern, gestaltet nach biblischen Texten, verschmelzen Flächen, Linien, Symbole und Zeichen, Farbe und Licht, Kunst und Inhalt im Medium des Glases auf einzigartige Weise zur Einheit und künstlerischen Präsenz. Sie wecken Visionen und Träume, die letztlich im Auge des Betrachters liegen. Das "Malen mit Licht" wurde zur Harmonie der Farbgebung glänzend eingeplant in die meisterlichen Entwürfe von Wilhelm Buschulte, einem der führenden Glaskünstler der Moderne 1923 in Unna geboren, lebt er heute noch in der westfälischen Region. 1942 begann der begabte Abiturient ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München und studierte hier mit kriegsbedingter Unterbrechung bis zum Jahre 1950 bei den Professoren Kaspar und Gött. Seit 1953 ist er freischaffend tätig, vor allem als Entwerfer von Glasbildern und Kirchenfenstern. Buschulte nahm an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil, errang etliche Kunstpreise. Heute gilt er in seinem Metier als genialer Künstler mit unverkennbar eigenem Stil. Glasfenster und andere Werke von ihm sind zu sehen im Aachener und Ratzeburger Dom, im Essener Münster, in den Kirchen St. Aposteln, St. Gereon und St. Clemens in Köln und in über 300 sakralen und profanen Bauten im In- und Ausland.







