Geschichte der katholischen Gotteshäuser in Heiligenhaus
von Heinz Peter Schreven
Die Entstehung vieler Ortschaften geht auf sakrale, religiöse Ursprünge zurück. Schnittpunkte von Handelsstraßen oder Flußfurten bildeten den Kern späterer Siedlungsbereiche. Aber auch Eigentumsrechte, herrschaftliche Gebietsansprüche, Machtdemonstrationen oder strategische Überlegungen führten im Verlauf der Geschichte zu Ortgründungen. Oft kam es zu wachsenden Ansiedlungen um vielleicht zunächst recht unscheinbare Kerne. Durch unser Gebiet zog sich die Grenze zwischen Franken und Sachsen, der Name Hetterscheidt bezeichnete wohl die Grenze zu den Chattuaskern: Chattuasker-Scheide/Hetterscheidt. Sogar die Scheunen sollen sich in unserem Gebiet in der Form der Giebelöffnungen, rund oder eckig, in fränkischer oder sächsischer Art unterschieden haben. Abgrenzungen sind auch im Verlauf der späteren Landwehr, aus der sich der langgestreckte Straßendorfcharakter von Heiligenhaus ergab, prägend gewesen.
Die Christianisierung unseres Raumes
Die Verbreitung des Christentums lässt sich zeitlich und räumlich unterscheiden. Das Christentum war durch die christlichen Soldaten, Heerestross und Händler im Römischen Reich verbreitet worden. Der Limes bildete so auch eine gewisse Glaubensgrenze. Dementsprechend war der linksrheinische Teil unseres Siedlungsgebietes schon früh mit dem Christentum in Berührung gekommen. Erste christliche Bischöfe und Märtyrer sind uns aus dieser Zeit bekannt. Der Hl. Maternus, der erste Bischof von Köln, oder Viktor, der in Xanten mit seinen Glaubensbrüdern den Märtyrertod starb sind die wohl bekanntesten Glaubenszeugen dieser Zeit. Diese erste Missionierung erfolgte von Rom aus. In diese Zeit fällt auch, wieder durch die Herrschaftsausdehnung des Römischen Reiches bedingt, die Christianisierung Englands und Irlands. Für unsere Region ist das insofern interessant, da von dort aus eine weitere Missionierung Ende des 7. und im 8. Jahrhundert in unseren Siedlungsbereich hinein erfolgt. Suitbert und sein Kloster auf dem Suitbert-Werth Der Hl. Suitbert war als Gefährte des Hl. Willibrord von Südengland bis nach Irland gekommen und von dort zur Missionierung nach Friesland gelangt. Suitbert wurde vor 1300 Jahren als Missionsbischof auf Betreiben von Plektrudis, der Frau des Frankenherrschers Pippin, mit einer Insel im Rhein beschenkt. Auf einem schon bestehenden festen Hof gründete er 698 mit 11 Gefährten ein Kloster. Von hier versuchte er die Missionierung der rechtsrheinisch zwischen Ruhr und Sieg lebenden Brukterer. Anfängliche Erfolge wurden durch die einfallenden Sachsen zunichte gemacht. Im Jahre 713 verstarb Suitbert. Sein Bekanntheitsgrad wuchs jedoch und bis heute wallfahren viele Gläubige zum Schrein dieses Apostels des Bergischen Landes. Übrigens ist Suitbert auch für orthodoxe Christen ein anbetungswürdiger Heiliger, hat er doch noch vor dem Schisma (der Glaubensspaltung im 11 Jhdt.) gelebt. Unter den Salvierkaisern, vor allem durch Friedrich Barbarossa, wurde Suitbert-Werth als Kaiserpfalz ausgebaut und auch als Markt und Zollstätte hatte sie eine zentrale Bedeutung. Der Nutzung als Kaiserpfalz verdankt die Insel dann auch die Umbenennung in Kaiserswerth. Ludger und seine Abtei Werden als Keimzelle des Christentums Die ersten urkundlichen Erwähnungen unseres Siedlungsraums finden sich in den Urkunden des Klosters Werden. Dieses nach den Regeln des Heiligen Benedikt geleitete Kloster wurde im Jahre 799 von Ludger (Liutger, Luitger), einem friesischen Mönch, gegründet. 742 in Utrecht geboren und in einem Elternhaus mit Kontakten zu den Missionaren Willibrord und Bonifatius (Begegnung 754 kurz vor dessen Märtyrertod Pfingsten in Dokkum mit Überführung über Köln nach Fulda in sein Mönchskloster - heute Sitz der deutschen Bischofskonferenz). 755 geht Ludger an die Schule Gregors nach Utrecht, erhält von 767 bis 772 bei Alkuin in York eine gründliche theologische Ausbildung und wird hier zum Diakon geweiht. Missionierungen wurden mit einem Missionierungsauftrag begründet. Vier solcher Missionierungsaufträge für Ludger sind belegt:
1. Missionsauftrag 776 nach Deventer / Wiederaufbau der Kirche Lebuins. Am 7.7.777 wird Ludger in Köln zum Priester geweiht.
2. Missionsauftrag 777 bis 784 in den Ostergau / Pauluskirche in Dokkum 784 bis 787 Aufenthalt bei Papst Hadrian und bei den Mönchen St. Benedikts in Monte Cassino.
3. Missionsauftrag 787 in Nordfriesland bis nach Helgoland. (Karl der Große wird auf Ludger aufmerksam.)
4. Missionsauftrag durch Karl den Großen, der Ludger 772 zusätzlich in das Münsterland entsendet zur Christianisierung der Sachsen.
799 Gründung des Klosters Werden am Rande seines Missionsgebietes. Von hier aus erfolgten seine Missionierungen in den sächsischen Raum. Bei diesen "Missionierungen" wurden oft heidnische Kultstätten zerstört und durch christliche ersetzt. Zum Teil wurde die "heidnische Urbevölkerung" auch durch beispielhafte Landwirtschaft "überzeugt". Im Gegensatz zu Suitbert, der sich selbst nach nur kurzer Missionstätigkeit in sein Kloster nach Kaiserswerth zurückzog, wirkte Ludger über einen längeren Zeitraum auch persönlich missionarisch bis weit ins Münsterland hinein. (Karl der Große wurde 800 in Rom zum Kaiser gekrönt.) Die Karolinger sahen in den christlichen Klosteransiedlungen auch strategische "Bollwerke" gegen "heidnische" Volksstämme. Sie beeinflussten auch die Gründung des Klosters Werden, dass für unsere Region über viele Jahrhunderte bestimmend wurde. Am 30.3.805 wird Ludger durch Erzbischof Hildebold in Köln zum ersten Bischof von Münster geweiht. Am 26. März 809 stirbt Ludger in Billerbeeck. Sein Leichnam wurde über Münster nach Werden überführt.
Die Abtei Werden
Drei Jahre nach dem Tod Karls des Großen (814), am 18. August des Jahres 817 (so sagt es eine Urkunde aus dem Jahr 847) gibt Wolf sein Erbe der Kirche des Erlösers und des Hl. Ludgerus in Werden. Damit ist der "Hof Hetterscheidt" eine der ältesten Besitzungen des Klosters Werden. Nicht nur Frömmigkeit, auch die Unter-Schutz-Stellung waren zur damaligen Zeit oft Gründe solcher Schenkungen. Zumeist wurde die geschenkte Besitzung dem Schenker wieder als Lehen zurückgegeben. Der Vorteil, man stand unter dem Schutz des Klosters, d.h. der Kirche. Man brauchte auch dem Landesherren keinen Dienst zu erweisen. Es war wohl ein "gutes Leben unter dem Krummstab". Es erfolgte eine rechtliche und wirtschaftliche Sicherung des Klosters durch Schenkungen und Belehungen. Außerdem wurden dem Kloster in einer Urkunde anlässlich der Einweihung der Salwatorkirche im Jahre 875 Zehntbezirke zugewiesen, die die finanzielle Grundlage des Klosters in Werden zusätzlich sicherten. Unter König Ludwig III , dem Sohn Ludwigs des Deutschen, wurde am 22. Mai 877 den Mönchen das Recht übertragen, selbst ihren Abt zu wählen. Das Kloster Werden wurde von fremder Gerichtsbarkeit befreit und der Abt von Werden durfte seinen Vogt, der die weltlichen Dinge der Klöster regelte, selbst bestimmen. Am 23.5.1098 sichert Kaiser Heinrich IV dem Werdener Abt Otto von Sappenheim in der Immunitätsurkunde für die Oberhöfe der Abtei (Barkhofen, Kalkhofen, Esterscede, Öfte, Viehausen, Rothen, Ekethe und Langenbügel) nach bestehendem "alten Recht" auch in Zukunft Befreiung von allen Abgaben, Dienstbarkeiten und jeder Einmischung der Werdener Schutzvögte zu. In den diesen Zehntbereich betreffenden Urkunden , die zum Teil wesentlich später angefertigt wurden, (Heberegister von Johannes von Meldingen aus dem Jahr 1458 , Register der Pacht- und Rentegüter des Klosters Werden aus der Zeit der Klosterreform 1474-1477 vom Mönch Schade werden zunächst "cis hilinciuegs" als Lagebezeichnung später die begrenzenden Fluss- und Bachläufe, die Höfe und die Honschaften und sonstigen Besitztümer des Klosters Werden im Bereich des Stadt Heiligenhaus schriftlich fixiert. Betrachten wir den Siedlungsraum Heiligenhaus im ausgehenden 18. Jahrhundert, fallen schnell zwei räumlich getrennte Kerne auf, der Bereich Abtsküche/Hetterscheidt und der Bereich Kirchplatz/Heiligenhaus. (Vom "Hilghin huße" berichtet die Urkunde aus dem Jahr 1458 als einer dem Hl. Hubertus geweihten Kapelle.) Schon der Name unserer Heimatstadt "Heiligenhaus" verweist auf einen eher sakralen Ursprung. Auch der Ort "Abtsküche" verweist auf einen kirchlichen Ursprung.
Ich möchte einige Aspekte, die die Geschichte der Gotteshäuser in unserer Stadt betreffen, vertiefen.
Die Abtsküche
Schon vom Namen her zeichnet diesen Ort am Lauf der Lopina, dem heutigen Vogelsangbach, eine besonders innige Verbundenheit mit dem Kloster Werden aus. So scheint dann die Feste Hetterscheidt ein strategisch günstiger Vorposten der Abtei Werden gewesen zu sein. Weltliche Dinge, Besitzstände, Pfründe und nicht zuletzt auch Missstände in der Kirche und auch im Kloster Werden werden die Abtsküche wesentlich beeinflussen. Die "Burg Hetterscheidt" stand in einem mehrere Morgen großen Weiher, der von der Lopina / Laupenbach / Vogelsangbach gebildet wurde. Unterhalb des Schlosses trieb der Bach die abteilische Mühle an. Schloss und Schlosskapelle sollen mit einer Zugbrücke mit den gegenüberliegenden Parkanlagen verbunden gewesen sein. Auch spätere Ausbauten zu einer mit einem Wassergraben mit Mauern und Türmen bewehrten "Seefeste Hetterscheidt" betonen die wechselnde Bedeutung der Abtsküche. Ein solche zumal abteilische Feste besaß selbstverständlich eine Kapelle für die täglichen Gebete und Messen zumindest seit der unmittelbaren Nutzung durch die Abtei ab 1317 nach Wieder- oder Rückkauf des Hofes Hetterscheidt an den Abt von Werden. (Vielleicht ist eine Datierung des Schlosskapellenbaus in den Archiven der Abtei Werden noch möglich.) Missstände in der Katholischen Kirche im 15. und 16 Jahrhundert wurden deutlich. Im Kloster Werden führten Misswirtschaft und persönliches Fehlverhalten zu deutlichen Reaktionen. Der Abt Conrad, Graf von Gleichen (Abt von 1452 - 1474), wurde durch eine Klosterreform aus der Abtei ausgeschlossen. Er erhielt das Haus Hetterscheidt, das seitdem "Abtsküche" genannt wird zur lebenslänglichen Nutzung. Er stirbt dort am 14.1.1476. (Gleichzeitig wird der Werdener Dompropst Reifferscheidt in die Fluchtburg "Roßdelle" verbannt.) Es liegt nahe, dass in der äußerst spannungsreichen Epoche die Anlage Hetterscheidt erweitert und weiter befestigt wurde. Höhepunkt des Ausbaus der Feste Hetterscheidt war vielleicht das Jahr 1537 - zeigt doch eine Wetterfahne auf dem Turm in der Abtsküche diese Jahreszahl - bis zur Zeit unter Abt Hugo Preutäus (1614 - 1616, einem General der Kaiserlichen unter Tilly im Dreißigjährigen Krieg, der schon mit Harnisch von der Abtsküche zu seinem Kloster nach Werden zum sonntäglichen Gottesdienst ritt. An den Messen in der Schlosskapelle nehmen auch die Bewohner der umliegenden der Abtei Werden gehörenden Höfe (Hetterscheidt, Hof zum Hof, Herberg, Zum Brügel, Dickenhaus, Conradshaus, Brunshaus) teil. Wahrscheinlich werden auch die Kinder hier in der Christenlehre und im Lesen und Schreiben unterrichtet. Die 95 Thesen Martin Luthers vom 31.10.1517, die oderdeutsch- schweizerisch- französische Bewegung Zwinglis und Calvins und die Loslösung Englands von Rom lösen die Reformation aus. Grund der Trennung innerhalb der reformatorischen Bewegung war der Abendmahlsstreit zwischen Luther und Zwingli 1526. Auch für Heiligenhaus war diese Trennung relevant, was die folgenden Ausführungen über die Hubertuskapelle noch zeigen werden. Schon in dieser Zeit hatte die Reformation ins Bergische Land übergegriffen. Vor allem Gerhard Tersteegen und Adolf Clarenbach wirkten sehr segensreich in unserer Region und verbreiteten die Lehren der Reformation. Die Spannungen in Europa gipfeln im Dreißigjährigen Krieg , der am 23.5.1618 mit dem Prager Fenstersturz beginnt und 1648 mit dem Westfälischen Frieden endet. Die Feste Hetterscheidt verlor für die Abtei Werden an Bedeutung, der Baukörper verfiel. Die Mutterkirche der damaligen Christen war die Kirche St. Clemens am Born in Werden, deren Fundamente man noch in der Nähe der Jugendherberge finden kann. Dort fanden nach kirchlichem Recht auch nur die Taufen, Hochzeiten und auch die Beisetzungen der Christen aus Heiligenhaus und Hetterscheidt statt. Die Residenz eines Abtes oder später nur noch die Präsenz eines Priestermönches bis ins Jahr 1793 zeigen auch die wechselvolle Geschichte des Schlosses Hetterscheidt. Weder von der Feste, noch von den beschriebenen Parkanlagen, noch von der abteilischen Mühle sind Bauten deutlich sichtbar. Nur ein Wehrturm (vielleicht der Umgebungsmauer) steht noch in einem angrenzenden Gartenteil zum "Hof zum Hof" hin. Die Grundmauern der Seefeste liegen im Schlamm des heutigen "Abtskücher Stauteichs", einem stark frequentierten Naherholungsziel. Nach dem Einsturz der "Schlosskapelle" im Jahr 1759 war für die Hetterscheidter Katholiken ein Ersatzbau notwendig, denn der Fußweg zur nächsten Katholischen Schule in Werden dauerte 1 ½ Stunden. Der vorletzte Abt von Werden, Bernhard Bierbaum, schenkte 1782 den Hetterscheidern Land nebst aufstehendem Holz zum Bau einer neuen Schule. Die "Alte Schule Abtsküche" wurde 1783 gebaut. Ein kleiner Chor-Anbau, der am 6. Oktober 1791 durch Pfarrer van Gülpen aus Werden und dem Prior P. Severinus eingesegnet und am 1. Adventsonntag 1792 eingeweiht wurde, ließ durch Öffnen einer Tür aus einem Schulraum einen Gottesdienstraum entstehen. Noch heute kündet ein Spruch über der Türe von der damaligen Nutzung des Gebäudes. "Gott zum Lob, haben wir, Katholische Gemeinde zu Hetterscheidt, dieses Schulhaus aufgeführt zu Lehren die christliche Jugend und Einpflanzung Göttliche Tugend, Amen, den 29. April Anno 1783 Der inzwischen baufällige Kapellenanbau wurde im Frühjahr 1909 eingerissen und der Schulsaal zu einer Wohnung mit 4 Zimmern umgebaut. Die neue, dem heiligen Jakobus geweihte, noch heute genutzte Kapelle war zwischenzeitlich errichtet worden. Sie wurde am 11. Februar 1909 eingeweiht. Im 1821 aufgesetzten Glockentürmchen der St. Jakobus-Kapelle hängt heute noch die im Jahre 1722 vom Kölner Künstler Jakob Claren gegossene Glocke, die wohl schon in der Schlosskapelle und später im Glockentürmchen der Alten Schule hing. Von ihrer ursprünglichen Pfarrzugehörigkeit zu Werden (St. Clemens am Born) wanderte die kleine Gemeinde Hetterscheidt per erzbischöflichen Dekret 1806 nach Homberg (St. Jakobus d. Ältere). Herr August Steinbrink berichtet noch vom "aulen Hommerschen Kerkwech" der von der Höseler Straße in Höhe der Ludgerusstraße links abbog, an Gut Groß-Selbek vorbei auf den Flurweg führte, weiter in Richtung Anger Wald. Am Haus Anger den Berg hinauf Richtung Homberg. Am 14. März 1845 wurde die Gemeinde Hetterscheidt der Gemeinde in Velbert angegliedert um schließlich am 11.5.1909 nach Heiligenhaus - zur Gemeinde St. Suitbertus - zu kommen. Für den Bereich Abtsküche lässt sich die Tradition der Gotteshäuser bzw. Kapellen in drei verschiedenen nacheinander gebauten Gebäuden an drei verschieden aber nahe beieinander liegenden Orten festhalten: Schlosskapelle - 1783 Alte Schule mit Choranbau - 1910 Neue Kapelle
Die Kirchen im Ort Heiligenhaus Die Hubertuskapelle war das erste Gotteshaus im Bereich des Ortskerns Heiligenhaus. Die Lage dieser Kapelle an der Kreuzung der jetzigen Hauptstraße mit der nach Kettwig, bzw. nach Flandersbach/Wülfrath führenden Straßen ist nicht untypisch. Außerdem lag dieses Gotteshaus fast auf dem höchsten Punkt in der Umgebung. Ich möchte auf einige Besonderheiten hinweisen, die ein Lageplan aus dem Jahr 1808 enthält, den die Geometer Gebr. Prierer von der Lage des Dorfes Heiligenhaus und den Lutherischen Kirchhof betreffend, angefertigt haben. Deutlich ist die zentrale Lage der Hubertuskappelle mit dem sie umgebenden alten reformierten Kirchhof/Friedhof zu erkennen. Die Kapelle ist geostet, ihr Chor zeigt nach Osten. Auch das kleinere Lutherische Pfarrhaus ist mit einem Chor nach Osten gebaut. Es wird demzufolge auch als Gottesdienstraum genutzt worden sein. Der Chor der Lutherischen Kirche, deren Innenraum - nach diesem Plan - ähnliche Ausmaße hatte wie die Hubertuskapelle, zeigt nach Norden. Westlich der Hubertuskapelle ist ein Baukörper eingezeichnet, auf den die aus Westen kommende alte Landstraße mittig zuläuft. Ich vermute hier einen Fußfall, ein kleines "Heiligenhäuschen", in dem sich wahrscheinlich eine sakrale Darstellung befand. Diese kleinen Heiligenhäuschen waren früher durchaus üblich, wurden aber oft durch die notwendig gewordenen Verbreiterungen von Straßen eingerissen. Ich habe zwar in der einschlägigen Literatur über die Hubertuskapelle noch keinen schriftlichen Hinweis auf die Existenz eines solchen Heiligenhäuschens gefunden, aber die Lage dieses Baukörpers drängt mich zu dieser vielleicht revolutionären Vermutung. Denn dann stünde neben der schriftlich und im gezeichneten Plan belegten Hubertuskapelle plötzlich ein separates, vielleicht sogar älteres Heiligenhäuschen, das jahrhundertlang mit der Hubertuskapelle gleichgesetzt wurde. Vielleicht wird es in den kommenden Jahren zu einer Aufklärung über diesen "höchst eigenartigen Baukörper" kommen. - Ich bin gespannt! Wann die Kapelle gebaut wurde, ob sie eventuell schon ein Erweiterungsbau einer früheren Kapelle war, ist nicht geklärt. Die Datierung reicht bis zum 11. oder 12. Jahrhundert, aber erst für das Jahr 1458 ist die Existenz des Gotteshauses urkundlich gesichert. Aus dem Jahr 1821 datiert ein detaillierter Grundrissplan der Hubertuskapelle von W. Schriever. Danach hatte die Hubertuskapelle einen 11.20m langen und 5.45 breiten Innenraum. Der 4.60 m lange und 4.30m breite Chorraum war vermutlich, wie bei den meisten Gotteshäusern, erhöht. Sie galt nach P. Jacobs (Geschichte der Pfarreien im Gebiete des ehemaligen Stiftes Werden a. d. Ruhr, Düsseldorf 1893/94 S. 74) zur damaligen Zeit als ziemlich geräumig, diente sie doch sämtlichen Bewohnern des Bezirkes Heiligenhaus, wozu auch Hetterscheidt gehörte, als Gotteshaus. Wann auch immer die Hubertuskapelle errichtet wurde, der Ablauf der liturgischen Feiern und die Nutzung für den Ort war durch die kirchenrechtliche Stellung der Gemeinde bedingt. Der Ort Heiligenhaus war keine eigenständige Pfarre oder Rektorat, das bedeutete, dass in dem Gotteshaus keine Eheschließungen, keine Exequien keine Kommunionen und keine Firmungen abgehalten wurden. Denn dafür war immer die Pfarrkirche zuständig. Da die Hubertuskapelle und damit Heiligenhaus zunächst der Gemeinde St. Clemens am Born, dann der Gemeinde Velbert und später St. Jakobus d. Ä. in Homberg unterstellt waren, wurden dort auch diese Gottesdienste abgehalten. In der zuständigen Pfarrkirche war ein Priester ständig präsent und hielt nach kanonischem Recht dort täglich seine Eucharistiefeier. Nur an Samstagen und Hochfesten wurde auch die Hubertuskapelle und damit die Gläubigen in Heiligenhaus bedient. Das bedeutete unbezahlte Mehrarbeit und lange Wege für die Priester. In der Zeit vor der Reformation schlief denn auch die Betreuung der Gemeinde Heiligenhaus langsam ein und so war es folgerichtig, dass sich die Christen in Heiligenhaus der aktiven - der Reformation nahe stehenden - Gemeinde in Velbert anschlossen, um seelsorgerisch betreut zu werden. In der Hubertuskapelle wurden so auch Gottesdienste von reformatorischen Pfarrern abgehalten. Die Gläubigen in Heiligenhaus verweigerten sogar den romtreuen Priestern den Zugang zur Hubertuskapelle. Später wurden die samstäglichen Messen im wöchentlichen Wechsel zwischen katholischen und reformierten Geistlichen gehalten. Nachdem nur noch wenige der Bewohner des Ortes Heiligenhaus der römischen katholischen Glaubensrichtung anhingen, schlief deren Benutzung der Hubertuskapelle ein und die Reformierten und die Lutheraner teilten sich die Gottesdienstzeiten in der Hubertuskapelle.
Zunächst bauten sich die Lutheraner, die sich 1714 von ihrer Velberter Muttergemeinde getrennt hatten, ein eigenes Gotteshaus, das auf dem Plan von 1808 zu sehen ist, ein geostetes schmales Gebäude mit einem Choranbau. Sie legten auch einen eigenen Friedhof an. Wahrscheinlich durch die wachsende Gemeindemitgliederschar kam es 1788 bis 1789 zum Bau der Lutherischen Kirche an der Hauptstraße. Dieses Gotteshaus, von dem noch Pläne und Photos existieren, wurde 1923 eingerissen. Die Reformierten nutzten die Hubertuskapelle nach der Trennung von der Muttergemeinde in Velbert im Jahre 1683 alleine und begruben ihre Toten auf dem umgebenden Grundstück. Mit dem Bau der "Alten Kirche" 1778 bis 1783 und dem Zusammenschluss der Protestanten zur Unierten Kirche verlor die Hubertuskapelle ihre Bedeutung für den Ort. Ihre Bausubstanz verkam zusehends und so wurde dieses Gotteshaus im Jahre 1823 verkauft und abgerissen.

