St. Peter und Paul Kleinbüllesheim
856 wurden ein Hof ("villa") und eine Kapelle ("capella") in "Bullengesheim" von Lothar II. an seinen Vasallen Otbert verliehen. Diese "Eigenkirche" war eine kleine Saalkirche, deren Bauelemente teilweise noch im Mittelschiff (der alten Kirche) enthalten sind. Später war das Cassiusstift zu Bonn Kollator, von 1301 bis zur Säkularisierung verblieb das Patronat beim Kölner Domkapitel. 1807 wurde die Pfarrei suppriemiert. 1849 wurde Kleinbüllesheim wieder zur Pfarrei erhoben. Seit 2002 gehört sie zum Pfarrverband Euskirchen-Erftmühlenbach.
Alt St. Peter und Paul
Alt St.PeterDie alte kath. Pfarrkirche liegt in der Nähe der "Großen Burg", ehemals durch den Wassergraben getrennt, der heute zugeschüttet ist.
Der karolingische Bau war eine Saalkirche mit lichter Deckenhöhe von 4,20 m (Holzbalkendecke). Um 1100 wurde diese zu einer Basilika umgestaltet. Die Wände wurden als Obergaden höher geführt, Seitenschiffe wurden angefügt, ein Chor und ein Westturm wurden errichtet. Im ersten Turmgeschoss hatte die ostgerichtete Michaelskapelle - von Süden her - vermutlich einen Zugang.
In spätgotischer Zeit wurde an die Nordwand des Chores eine Sakristei angefügt. Der Turm erhielt an der Südwand des Erdgeschosses ein hoch gezogenes Spitzbogenfenster. Im 18. Jh. vermauerte man die Obergadenfenster und brach größere Rundbogenfenster. Unter der romanischen Holzbalkendecke zog man auf breiten, viereckigen Konsolen ein Holzgewölbe mit durchgehender Mittelrippe ein. Gleichzeitig erhöhte man den Fußboden um 0,40 m. Der Chor wurde mit einem flachen tonnenähnlichen Gewölbe überspannt. Möglicherweise ist damals auch der Eingang im nördlichen Seitenschiff verlegt worden. 1880/83 erfolgte eine gründliche Renovierung: Die Seitenschiffe wurden oberhalb der Fensterbrüstungen neu aufgemauert, der Fußboden wurde weiterhin höher gelegt, die Seitenschiffe wurden mit Tonnengewölben versehen.
Aufriss Alt St.Peter Grundriss nach G.H.Holzinger
Neu St. Peter und Paul
Neu St.Peter von SE PortalSeit dieser Zeit bestand aber auch der Plan zu einer neuen Kirche. Pfarrer Heinrich Zeiler (1868-1900) hinterließ im Jahre 1900 ein Vermächtnis von 4000 Mark "zum Neubau einer Kirche". Dadurch konnte Pfarrer Wilhelm Speel (1900-1902) einen Erweiterungsbau anstreben. Architekt Theodor Kremer aus Köln fertigte Pläne, aber der Burgherr Friedrich von Solemacher-Antweiler gab das Grundstück dafür nicht frei. Deshalb suchte Pfarrer Joh. Ferdinand Breuer (1902-1909) nach anderen Möglichkeiten, doch riet Baurat Schulze aus Bonn zum Neubau.
Pfarrer Breuer erreichte nach langwierigen Verhandlungen, dass der Burgherr von Solemacher ein nahe gelegenes Grundstück zur Verfügung stellte, wofür er gegen Aufpreis die alte Kirche erhielt. Dombaumeister Franz Statz aus Köln entwarf 1904 den Neubau mit Altären, Kanzel und Beichtstuhl im neugotischen Stil.
Nach Absicherung der Finanzierung - durch Kollekte u.a.m. - war am 27. Juni 1906 die Grundsteinlegung. Am 18. August 1907 fand die Benedizierung (durch Dechant Schweinem) der Kirche statt, doch erst 1916 die Konsekration (durch den Bischof).
Aus der alten Kirche übertrug man Tabernakel, Orgel, Glocken und eine Madonnenfigur in den neugotischen Backsteinbau, dessen Bauvolumen durch Vorsprünge, Strebefeiler und Fenster interessant gegliedert ist. Backsteine in den Flächen und Haustein an Gesims, Konsolen, Fenstermaßwerk u.a. erzeugen eine harmonische Wandgestaltung. Im Glockengeschoss des vorgesetzten, viergeschossigen Westturmes befindet sich seit 1949 ein dreistimmiges - g', a', h' - (Gussstahl-) Geläute.
InnenraumBetritt man die Saalkirche, die auf einem kreuzförmigen Grundriss errichtet ist, so hat man einen weiten Durchblick vom zweijochigen Langhaus über Querhaus und Vorchorjoch mit Seitenkapellen zum spitzbogigen Triumphbogen, der den Blick in den fünfseitigen Poligonchor freigibt. Den durch Spitzbogenfenster hell belichteten Raum überdecken Kreuzrippengewölbe, auf Blattkonsolen bzw. Diensten mit Blattkapitellen gestützt.
Nur zwei Fenster (Turmuntergeschoss) und die Fensterrosette über dem Portal sind von 1907 erhalten. Alle anderen Fenster, kriegsbeschädigt, wurden 1958 nach Entwürfen von Hermann Gottfried neu gestaltet, d.h. mit ornamentalen bzw. floralen Motiven, jedoch im frontalen Chorfenster mit figurativer Darstellung (Verkündigung durch Engel an Abraham, an Elisabeth und an Maria).
Die Inneneinrichtung wurde zwischen 1958 und 1968 verändert bzw. erneuert:
Altarkreuz (Korpus um 1700, 1961 von J. Haag restauriert, 1968 von J. Riffeler auf Metallbalken gebracht und 1997 auch neugotischem Holzbalken angepasst), Josefsfigur von Franz Kött für den Seitenaltar (ab 1968 in einer Nische unter der Orgelempore), Erneuerung der Orgelempore in Beton (1967 hat Orgelbau Josef Weimbs die 1869 von Franz-Joseph Schorn in ein barockes Gehäuse eingebaute Orgel mit 11 Registern abgebaut, die nicht mehr zu restaurieren war!), Rund-Tabernakel auf Trachytsäule - seit 1997 im Hauptaltar - (Jakob Riffeler), Verkleidung der Türen mit Kupferplatten und Bronzegriffen (J. Riffeler), Altar und Ambo aus Trachyt (G. Hoffs/ J.P. Drach), Taufbecken (J. Riffeler), Entfernung von Hochaltar, Seitenaltären und Kanzel.
Pfarrer Peter Berg sorgte ab 1987 für eine weitere Ausgestaltung. Figuren der Pfarrpatrone Petrus und Paulus ließ er an den Vorchor-Pfeilern anbringen. Den 1968 entfernten neugotischen Hochaltar (Entwurf von Franz Statz) ließ er nach der Restaurierung bzw. Renovierung wieder aufstellen. Dazu passend folgten Kreuzwegstationen im Nazarenenstil und ein neugotischer Beichtstuhl. Eine Klais-Orgel ersetzt seit 2003/04 die Schorn-Orgel bzw. "Zwischenlösungen".
InnenausstattungInnenausstattung
1 Portal und Seitentüren, Holz, 1968 von Jakob Riffeler aus Köttingen (1920-2003) mit Kupferplatten belegt, Griffe in Bronze, Griff am Hauptportal mit Motiv „Petri Fischzug“ und an den Seitenportalen mit Pinienzapfen 2 Marienikone
3 Hl.Josef mit Jesusknabe, Holz, 1966, Franz Kött aus Schwerfen (1919-2006) 4 Kreuzweg im Nazarenerstil, neugotisch gerahmt, um 1900 (seit 1993 als Leihgabe des Erzbistums) 5 Beichtstuhl, neugotisch (seit 1993) 6 Marienfigur, Holz, farbig gefasst, 16.Jh. 7 Hl. Petrus, Steinfigur aus Frankreich, farbig gefasst, 19.Jh. (seit 1990 statt „Herz-Jesu-Figur“)
8 Ambo, Trachyt, Entwurf Architekt Günther Hoffs (Euskirchen), Ausführung Johannes Peter Drach (Frechen), 1968
9 Altarmensa, Trachyt, Entwurf G. Hoffs, Ausführung J.P.Drach, 1968 10 Altarkreuz, Korpus von einem Wegekreuz (1829), um 1700, von J. Riffeler 1968 auf Metallbalken befestigt, 1997 auf neugotischem Balkenkreuz angepasst
11 Ewiges Licht, franz., 19.Jh. (seit 1997) 12 Hochaltar, neugotisch, 1907, Entwurf von Franz Statz (1848-1930), 1997 von Peter Wirtz aus Bedburg restauriert u. ergänzt, barockes „Lamm Gottes“ (Holzplastik) aus Dom-Esch im Unterbau (Stipes) eingefügt; neue Retabel-Reliefs „Hochzeit zu Kanaa“ und „Brotvermehrung“, neugotisch (um 1900), Gipsabguss (Kopie von Fa. Belz in Bonn), farbig gefasst von Gangolf Minn aus Brühl; Tabernakel, 1968 von Jakob Riffeler in Silber und Kupfer mit aufgesetzten Kristallen gestaltet, seit 1997 im Hochaltar eingefügt
13 Taufbecken, Trachyt, Entwurf von J. Riffeler, Ausführung durch J.P.Drach; hochgewölbter Deckel mit bekrönendem Kreuz aus Kupfer, vergoldet, von J.Riffeler, 1968 14 Hl. Paulus, Steinfigur aus Frankreich, farbig gefasst, 19.Jh. (seit 1990, hier war bis 1968 eine „neugotische Kanzel“) 15 Orgel, 1887 von Johannes Klais aus Bonn gebaut, 2004 von Orgelbau Siegfried Schulte aus Kürten restauriert und in St Peter und Paul aufgestellt 16 Fenster, Johannes der Täufer, neugotisch, 1907 17 Fenster, Kirchenpatron Maternus, neugotisch, 1907 18 Fenster, frontales Chorfenster mit figurativer Gestaltung (Verkündigung an Abraham, Elisabeth, Maria), sonstige Fenster in Chor und Langhaus mit ornamentaler Gestaltung, Entwurf Hermann Gottfried aus Bergisch-Gladbach (geb.1929 in Düren), Ausführung Peter Winnen aus Köln, 1958
Anmerkung zum Chorfenster: Nach einer Besprechung des Kirchenmalers Hermann Gottfried mit seinem „theologischen Berater“ teilte Hermann Gottfried - erstaunt darüber, nach vierzig Jahren nach dem Inhalt des Fensters befragt zu werden - die Thematik des figurativen Chorfensters in Neu St.Peter und Paul in Kleinbüllesheim mit:
Von oben nach unten:
Insgesamt ist diesem Fenster die Thematik der Verkündigung – durch Engel - zugrundegelegt.
Oben ist die Begegnung der drei „Engel“ mit Abraham, dessen Frau Sarai im hohen Alter einen Sohn – namens Isaak – gebären soll. (Genesis 18)
In der Mitte ist es die Verkündigung an Elisabeth, dass sie einen Sohn gebäre. Dargestellt auch der Mann Zacharias und der Sohn, Johannes der Täufer. (Lukas 1, 5-25)
Unten ist die Verkündigung an Maria dargestellt, Geburt Jesu und Josef. (Lukas 1, 26-38)
Portalgriff, von Bildhauer Jakob Riffeler geschaffen Johannes der Täufer - 1907 Maternusfenster - 1907 Verkündigungsfenster,H.Gottfried Verkündigungsfenster
Motivbeschreibung des Künstlers Hermann Gottfried:
Bildszenen von oben nach unten:
Drei Engel zu Gast bei Abraham im Hain Mamre (vgl. gen.18,1 – 15)
Sie künden in einer Verheißung an, dass Sara einen Sohn gebären wird.
Die drei Gäste sind eng zusammengestellt und mit einem gemeinsamen Heiligenschein verbunden. Einer der Engel segnet die Gaben (Brot, Trauben).
Der eine Gott verkörpert durch die drei Engelgestalten:
Hier ist das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit ins Bildgesetzt.
Ein Engel verheißt Zacharias die Geburt des Johannes (vgl. Lk 1,10 – 13, 18-20)
Der Priester Zacharias begegnet dem Engel Gabriel während seines Opferdienstes, angedeutet durch das Weihrauchfass. Hinter dem Engel die Frau des Zacharias, Elisabeth.
Der Engel stürmt – verdeutlicht durch Kopf- und Handhaltung sowie durch den raumgreifenden Gestus des Flügelschlags – auf den alten, resignierenden Zacharias zu:
„Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabeth wird die einen Sohn gebären; dem sollst dur den Namen Johannes geben…..“
Er aber verschließt sich der ungewöhnlichen Botschaft Gottes und wird bis zum Eintritt der Verheißung mit Stummheit geschlagen.
Verkündigung (vgl. Lk 1, 26-38)
Der Engel Gabriel bringt Maria die Botschaft, dass sie Mutter des Erlösers werden solle.
Anders als der zweifelnde Zacharias nimmt Maria – ihre Hände deuten es an – das Geheimnis der Menschwerdung Christi an.
„…Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten…“ (Symbol der Taube!)
Das Saiteninstrument unterstreicht als poetisches Symbol die Anmut Mariens.
© Recherche/Fotos: Bernard Bell und Text/ Zeichnungen: Dr. C.-P. Joist
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