Erzbistum Köln     

Beten ist sprechen mit Gott

Jesus – so lesen wir es in den Evangelien – zieht sich regelmäßig meist am Abend zurück an einen einsamen Ort, um mit Gott zu beten. Die Jünger beobachten dies neugierig. Sie fragen sich nicht, warum er das tut, sondern vielmehr, was in seinem Beten geschieht. Sie nehmen wahr, dass Jesus nach dem Gebet verändert in den Alltag zurückgekehrt: gestärkt, gelassen, einfach relaxed. Sie wünschen sich, genau so beten zu können, und bitten Jesus: „Herr, lehre uns beten!“ Und Jesus legt ihnen ein Gebet ans Herz, das bis heute zum großen Gebetsschatz der Christenheit gehört, das „Vater unser“.
 

An diesem Gebet wird deutlich, was Beten ist:
- Im Ursprung des Lebens zur Ruhe kommen:
Zunächst geht es in den Ursprung zurück, um dort den Ruhepunkt zu finden, von dem alles Bewegte und Unsichere im Dasein ausgeht, den Ort, wo man aufatmen, anbeten und danken, sich neu orientieren kann. Dieser Ort ist Gott selbst. Im Gebet verbindet sich der Mensch mit Gott, macht sich fest in Gott.
- Ausdruck des eigenen Lebens:
 

Nun bringt der Beter vor Gott sein Leben zur Sprache. Staunen, Freude und Glück, aber auch Trauer, Angst, Schmerz und Zorn drücken sich im Gebet aus. Beten ist Sprache zu Gott hin. Die Sprachformen des Betens sind dabei so vielfältig wie das Leben selbst. Tanzen, singen, schreien, lachen, klagen, hadern, erinnern, fragen, danken, lobpreisen, bitten, schweigen sind Ausdrucksweisen, wie Menschen in den Psalmen vor ihrem Gott ihr Leben ausdrücken. Auch das Bitten für andere Menschen und die Schöpfung hat hier seinen Platz.
 

Das Beten braucht aber auch seine Zeit, damit es gelernt werden kann, sich entfaltet und wächst. Möchten wir beten oder beten lernen, dann sind wir gut beraten, eine bestimmte Zeit festzumachen – sei es am Morgen, Mittag oder Abend, seien es fünf oder 10 Minuten -, in der wir uns selbst vor Gott wahrnehmen und all dem stellen, was aktuell in uns vorgeht und was zu uns gehört: die Einsichten, die uns leiten, die Gefühlen und Antriebe, die in uns lebendig sind.
 

Ein Beispiel für ein Abendgebet am Ende der Woche:
Nun lege ich, Herr, diesen Tag und diese Woche zurück in deine Hand.
Ich danke dir für dein Geleit und deinen Segen,
für die Arbeit, die mir gelungen ist,
für die Menschen, die mir begegnet sind,
für die Liebe, die mich umfing,
für die Hoffnung, die mich trägt.
Was ich versäumt und gefehlt habe, das mache du wieder heil.
Gib mir nun die Ruhe der Nacht und morgen das Licht deines Tages.

 

Ein Beispiel für Abendgebet für andere:

Ich denke an alle, die jetzt mit der Arbeit aufs Neue beginnen.
- die Arbeiter, die zur Nachtschicht gehen
- die Schwestern, die bei den Kranken wachen
- die Zugführer, die durch das Dunkel fahren
- die Techniker, die für den Strom sorgen
- die Bäcker, die das Brot backen,
- die Polizeibeamten und die vielen anderen im Dienst.
Während ich schlafe, sichern sie den Bestand unseres Lebens.
Hilf ihnen, Herr, wachsam und gewissenhaft zu bleiben,
und behüte sie in allen Gefahren der Nacht.
Amen
 

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