Erzbistum Köln     

Kirche St. Servatius

Das heutige Kierberg wurzelt im mittelalterlichen erzbischöflichen Tafelhof Merreche,dessen Areal einst von der Luxemburger Straße bis zur Berger Straße reichte. Zu ihm gehörte auch ein „Bruel“, eine ummauerte Schweinesuhle; das war der Ort, den der Erzbischof Philipp von Heinsberg ca. 1185 wählte, um aus Sicherheitsgründen einen neuen Fronhof bauen zu lassen. Er war die Keimzelle der späteren Brühler Burg bzw. des Schlosses. Doch dann lief Brühl mit St. Margareta Merreche den Rang ab. Die Merrecher Kirche wurde herabgestuft zur Kapelle „auf dem Kirchberg“, blieb aber durch Prozessionen in der Erinnerung der Bevölkerung. Von St. Margareta aus wurde sie betreut.

 

Im 19. Jh. stieg die Einwohnerzahl vor allem im Zuge des Braunkohleabbaus und der Errichtung von Brikettfabriken im jetzt von Preußen als „Kirberg“ bezeichneten Ort; die Bedeutung der Kapelle wuchs wieder. Bald erwies sie sich als zu klein, so dass der Bau einer neuen Kirche dringend erforderlich wurde. Die Mutterkirche signalisierte ihr Einverständnis. 1903 erfolgte der erste Spatenstich; ein Jahr später war die Kirche fertig. Patron blieb der hl. Servatius.

 

StServatius_1
 
 
Bau und Ausstattung entsprachen ganz dem damaligen neugotischen Zeitgeschmack. Die Kirche ist eine dreischiffige Hallenkirche aus Backsteinen mit vorgelagertem Turm. Betreten wir sie durch die Turmhalle, umfängt uns Dunkel. Zum Altar im Chor hin wird sie immer lichter getreu dem Motto, dass uns der Lebensweg vom irdischen Dunkel zum himmlischen Licht führen soll. Zehn Säulen tragen die Gewölbe. In den Spitzbögen der zehn Seitenfenster werden wichtige Glaubensaussagen dargestellt.

 

Über dem Eingang erstrecken sich Orgel und Orgelbühne. Beichtstuhl und Kanzel stammen aus der Erbauungszeit der Kirche. An der Südseite zieht der Altar zu Ehren der hl. Matthias und Jakobus aus dem 17. Jh., wohl einst ein Bruderschaftsaltar in St. Margareta, die Blicke auf sich. Ein ursprünglich im Chor angebrachtes gegenstandsloses Triptychon von W. Prinz zu den Themen „Bund“, „Auferstehung“ und „Das himmlische Jerusalem“ ist heute auf die Beichtkapelle und die Seitenwände verteilt.
 
servatius_hl_servatius servatius_jakobusaltar
St. Servatius Altar zu Ehren der hl. Matthias und Jakobus
 

 

Die südliche Chorkapelle dient als Taufkapelle und der Verehrung der Pfarrpatrone. Der hl. Servatius ist durch eine vermutlich aus dem Kloster Benden stammende Büste (18. J.) präsent. Auch das rechte, neugotische Kirchenfenster ist diesem Heiligen gewidmet, während das linke Fenster Szenen aus dem Leben der hl. Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, darstellt.
Die nördliche Chorkapelle ist der Gottesmutter gewidmet. Bis auf das linke Fenster aus den 60er Jahren des 20. J. mit der Darstellung der Anna Selbdritt entspricht die Ausstattung noch ganz der ursprünglichen neugotischen Ausführung.

 

Im Zentrum des Chorraums steht der schlichte, von Theo Heiermann entworfene Zelebrationsaltar: Dieser wurde 2005 gemeinsam mit der Altarinsel weiter nach vorne versetzt, so dass eine Werktagskirche hinter dem Altar entstehen konnte. Die Chorfenster strahlen auch heute noch in ihrer ursprünglichen neugotischen Fassung; Himmelfahrt, Geistsendung und die Aufnahme Mariens in den Himmel werden thematisiert. Vor dem Achsfenster zieht ein monumentales Triumphkreuz die Blicke auf sich.
 

 

Literatur: Drösser, Wolfgang: Kirchen im Pfarrverband Brühl-Ville (Kierberg, Heide und Vochem), Brühl 2003

 
Zum Seitenanfang | Seite weiterempfehlen | Druckversion | Kontakt | Klassisch | Impressum